Anzeige
jugendlicher, mann, warten, gucken, zukunft
Symbolfoto © Ian Sane @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Motivation

Wenn die treibene Kraft im Leben fehlt

Die Motivation ist Motor menschlichen Handelns. Sie ist aber abhängig von verschiedenen Grundbedürfnissen: Verlangen nach Zugehörigkeit, Liebe und Anerkennung. Diese werden bei Flüchtlingen selten gestillt. Motivationsprobleme sind vorprogrammiert.

Dienstag, 03.12.2019, 1:03 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 15.03.2020, 13:22 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

In den vergangenen Jahren haben hunderttausende Menschen Asyl in Deutschland beantragt. Zu Spitzenzeiten wurden in einem Monat über 80.000 Anträge gestellt. Fast 40% der Anträge werden abgelehnt und die Dauer der Bearbeitung dauert heute noch mehrere Monate. Den Betroffenen fällt es in dieser Zeit schwer, die Motivation für das Ankommen und für den Aufbau eines neuen Lebens aufrechtzuerhalten. Dabei ist Motivation sehr wichtig.

Anzeige

Was ist Motivation?

Motivation ist die Summe der Beweggründe, die zur Handlungsbereitschaft führen, also dem Streben nach Zielen und gewünschten Zielobjekten. Als Quellen der Motivation kann man zwischen sogenannten intrinsischen und extrinsischen Quellen unterscheiden. Die intrinsische Motivation orientieren sich an subjektiven Werten und Idealen und am Spaß an der Sache selbst, während sich die extrinsischen aus den Anforderungen des natürlichen und sozialen Umfeldes orientieren und an der Erwartung konkreter Vorteile und Belohnungen. Daraus lässt sich ein Kernsatz der Motivation für uns ableiten: Erwartungen bestimmen unser Leben. Im Falle der Flüchtlinge und Asylbewerber ist dies beispielsweise die Erwartung an ein besseres Leben. Die Erwartung an unglaubliche Gewinne und damit ein Leben im Wohlstand ist übrigens auch der Grund bei vielen Migranten dafür, warum sie immer häufiger im Internet ein Online Casino aufsuchen und nach dem großen Geld streben, was häufig auch mit Glück verbunden wird.

___STEADY_PAYWALL___

Rolle der Bedürfnisse

Das Wort Bedürfnis wird oft synonym für Verlangen, Wunsch oder Anspruch verwendet. Bedürfnisse ergeben sich aus dem Erleben eines Mangels und dem Wunsch, ihn zu beheben. Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat in den 1950er Jahren ein Modell entwickelt, dass bestimmte Kategorien von Bedürfnissen in eine Hierarchie gliedert. Maslow resümierte, dass Bedürfnisse einer höheren Kategorie nur dann aufkommen, wenn die Bedürfnisse der niederen Ebene weitestgehend befriedigt sind.

Nach Maslow befinden sich die physiologischen Bedürfnisse (Schlaf, Essen, Wärme) auf der untersten Ebene. Darauf folgen die Sicherheitsbedürfnisse (Schutz des eigenen Lebens, Vermeidung von Verletzungen). Danach kommen die sozialen Bedürfnisse (Liebe, Freundschaft, Zusammengehörigkeit), gefolgt von den Individualbedürfnissen (Erfolg, Anerkennung, Wertschätzung). An oberster Stelle steht dann die Selbstverwirklichung.

Grundlegende Sicherheitsbedürfnisse

Anhand dieses Modells können viele Phänomene der Flüchtlingsproblematik teilweise erklärt werden. Die Flucht aus dem eigenen Land erfolgt oft aufgrund von physiologischen Bedürfnissen und Sicherheitsbedürfnissen. Durch Krieg und Verfolgung ist das eigene und das Leben der Familie in Gefahr und man leidet unter Hunger, Durst, Schlafmangel und Kälte (wenn beispielsweise das eigene Haus zerstört wurde). Dieser Mangel in Verbindung mit der Erwartung an ein besseres Leben in einem anderen Land ist eine starke Motivation dafür, die Gefahren und Mühen einer Flucht auf sich zu nehmen.

Mit Ankunft im Zielland und mit Beginn des Asylprozesses können die physiologischen Bedürfnisse meist befriedigt werden (Unterkunft, Essen, Schlaf). Gleiches gilt im Allgemeinen auch für die grundlegenden Sicherheitsbedürfnisse (Lebensgefahr). Also kommen mehr und mehr die Bedürfnisse der nächsten Schichten zum Tragen: Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Liebe und Anerkennung. Genau diese Bedürfnisse führen dann in Verbindung mit der räumlichen Situation und den kulturellen Unterschieden oft zu Konflikten, die wir in Deutschland als aufnehmendes Land oft ungläubig mit Undankbarkeit der Asylanten abwerten, anstatt die Motive zu verstehen. Was weiterhin bleibt ist die Angst vor Abschiebung, die Erwartung von Lebensgefahr und damit wieder das Bedürfnis nach Sicherheit. Dieses Motiv ist dann meist dafür verantwortlich, dass trotz aller Strapazen der langwierige Asylprozess bereitwillig ertragen wird. (dd)

Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)