Studie

Indigene Sprachen sterben aus

Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts werden von den derzeit 7.000 Sprachen nicht einmal die Hälfte überleben. Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt in einem Bericht vor einem Aussterben. Im Fokus der Kritik stehen China, Indien und Russland.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor einem Aussterben Tausender Sprachen. Von den derzeit 7.000 Sprachen würden bis Ende des 21. Jahrhunderts nur noch 3.000 Sprachen überleben, heißt es in einem Mitte September in Genf veröffentlichten Bericht [1]. Besonders die Sprachen indigener Völker seien existenziell gefährdet.

Die Gesellschaft präsentierte den Bericht bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrates, die sich mit dem Verschwinden indigener Sprachen beschäftigte. Danach verwenden indigene Völker heute noch 4.000 Sprachen. Schätzungen zufolge leben etwa 370 Millionen Indigene auf der Welt. In dem Report wird China als „ein aktuelles Beispiel von Assimilierungspolitik“ kritisiert. In China müssten Uiguren und andere Minderheiten mit Verfolgung rechnen, wenn sie ihre Sprache benutzten und ihre kulturelle Identität lebten.

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In Russland würden indigene Bewegungen kriminalisiert. Auch die Nichtanerkennung von indigenen Völkern wie im Falle Indiens bedeute eine Unterdrückung ihrer Rechte. Die Vereinten Nationen hatten 2019 zum Jahr der indigenen Sprachen erklärt.

Kluft zwischen Völkerrecht und Alltagsrealität

Die Autoren der Studie betonen, dass Sprache ein Anker für kollektive und kulturelle Identität sei und Wissen vermittele. „Gehen Sprachen verloren, verliert die Menschheit einen Großteil jahrhundertelang überlieferter Traditionen“, heißt es. Schutz indigener Sprachen sei fester Bestandteil des Völkerrechts.

Jedoch sei die Kluft zwischen Völkerrecht und Alltagsrealität sehr groß: Indigene Sprachen seien im öffentlichen Leben kaum präsent und gesellschaftlich marginalisiert. Indigene hätten mit Beginn ihrer Schullaufbahn gegenüber nichtindigenen Kindern Nachteile zu erdulden. Sprachbarrieren erschwerten politische Mitgestaltung und verringerten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. (epd/mig)