Berlin

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Kindstod gegen Wachdienst

Nach einem Kindstod hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Wachdienst eines Berliner Flüchtlingsheims aufgenommen. Den Wachmännern wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Die hatten sich geweigert, einen Krankenwagen zu rufen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Wachdienst eines Berliner Flüchtlingsheims aufgenommen, der einer hochschwangeren Frau Hilfe verweigert [1] haben soll. Es werde geprüft, ob es sich bei dem Fall um unterlassene Hilfeleistung oder fahrlässige Tötung durch Unterlassen handelt, wie ein Sprecher am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin mitteilte. Die Ermittlungen stünden am Anfang. Wann diese abgeschlossen sein werden, lasse sich derzeit nicht sagen.

Der Berliner Flüchtlingsrat hatte den Vorfall in dem Flüchtlingsheim im Stadtbezirk Lichtenberg am Montag öffentlich gemacht. Demnach soll sich der Wachdienst einer Gemeinschaftsunterkunft Ende Juni geweigert haben, einen Rettungswagen für die Frau im neunten Monat zu rufen, die über starke Schmerzen und Blutungen klagte.

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Das betroffene Ehepaar stammt nach Angaben seines Anwalts Tobias Kiwitt aus Armenien. Als die hochschwangere Frau in der Nacht zum 23. Juni starke Schmerzen und Blutungen erlitt, habe ihr Ehemann die zwei Mitarbeiter des Wachdienstes gebeten, einen Rettungswagen zu rufen. Diese hätten sich jedoch geweigert, einen Krankenwagen oder ein Taxi zu holen, sagte Kiwitt dem epd.

Wegbeschreibung statt Krankenwagen

Stattdessen hätten die Mitarbeiter des Wachdienstes dem Ehepaar eine Wegbeschreibung zum Krankenhaus gegeben, sagte der Anwalt weiter. Nachdem die hochschwangere Frau und ihr Mann die Klinik mit öffentlichen Verkehrsmitteln und einem längeren Fußmarsch erreicht hatten, habe sie ihr Kind nur noch tot entbunden.

Seit dem Verlust ihres Kindes sei seine Mandantin schwer traumatisiert und depressiv, sagte Kiwitt. Nach Aussage einer Oberärztin des „Sana-Klinikums“ in Berlin-Lichtenberg hätte das Baby möglicherweise bei einem früheren Eintreffen im Krankenhaus gerettet werden können, erklärte der Anwalt. (epd/mig)