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Wettbüro © surfvienna.net auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Experten warnen

Unter Einwanderern ist die Quote der Glücksspielsüchtigen signifikant höher

Suchtexperten in Deutschland warnen davor, dass Einwanderer hoffnungslos vom Glücksspiel abhängig werden und ihr ohnehin meist nicht im Überfluss vorhandenes Geld in immer größerer Zahl verlieren. Doch welche Gründe muss man hierbei anführen?

Dienstag, 05.02.2019, 4:30 Uhr|zuletzt aktualisiert: Freitag, 26.06.2020, 12:17 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Glücksspiel-Experten der Niedersächsischen Landeszentrale für Suchtfragen, warnen, ein chronischer Geldmangel und die Hoffnung, mit einem großen Sieg ihr Leben zu verändern, treibe Flüchtlinge in immer mehr rücksichtslosere Wetten.

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Darüber hinaus bieten die deutschen Wettbüros und Casinos den Spielern traditionell kostenloses Essen und Trinken an und wenden sich an Flüchtlinge, die einen Tapetenwechsel in ihren Unterkünften und Zentren wünschen, in denen es oft wenig zu tun gibt.

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Nach Ansicht von Experten gruppieren sich die Flüchtlinge oft um einen selbsternannten Sport-Experten in ihren Reihen, der sie darüber berät, worauf sie wetten sollen und wie hoch sie die Einsätze machen sollen. Über die genauen Gründe dieser Gruppendynamik ist jedoch noch nicht viel bekannt.

Angebot vielfältig

Es gibt Berichte, dass einige Migranten Wetten in Höhen der monatlichen Gesamtbudgets abschließen – manchmal sogar an einem einzigen Tag.

Der Möglichkeiten gibt es genug. Wettbüros findet man nicht nur in den großen Städten, sondern quasi überall in ganz Deutschland. Spielautomaten stehen in vielen Bars und Cafés, dazu kommen die meist am Stadtrand angesiedelten Spielhallen. Neue Casinos schießen online beinahe wöchentlich aus dem Boden, wie man bei NeueCasinos24 beobachten kann. Und außerdem gibt es auch noch die großen staatlichen Spielbanken. Hierbei denkt man wahrscheinlich nur an Kleidervorschriften und Besserverdiener – aber auch hier findet man ein sehr buntes und gemischtes Publikum, das sich keinesfalls nur aus Vertretern der finanziellen Mittel- und Oberschicht zusammensetzt.

Therapie

Suchtexperten sagen, dass es ihnen schwerfällt, eine Therapie zur Lösung des Problems anzubieten, da die Flüchtlinge ihre Schulden oft vor Scham geheim halten. Auch ist in einigen Fällen die Sprachbarriere ein Problem. Angebote der staatlichen Stellen werden kaum wahrgenommen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (kurz: BZgA) bietet unter der kostenfreien Rufnummer 0800 1372700 montags bis donnerstags, 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr eine völlig kostenlose Beratung zur Glücksspielsucht an. Explizit wendet man sich auch nicht nur an die Süchtigen selbst, sondern auch an Angehörige oder bloß Interessierte. Die Anonymität soll möglichst geringe Barrieren schaffenö um einen Erstkontakt herzustellen. Die weitere Beratung erfolgt dann meist individuell und lokal – je nach Situation können in enger Abstimmung mit dem oder der Hilfesuchenden auch andere Stellen zu Rate gezogen werden.

Alkohol

Das Glücksspielproblem durch eine massive Zunahme des Alkoholmissbrauchs bei jungen Migranten, insbesondere unbegleiteten Personen. In ihren strengen muslimischen Heimatländern hatten diese jungen Männer wenig oder gar keine Erfahrung mit Alkohol.

Aber in Deutschland, wo es erlaubt ist, mit 16 Jahren Bier zu trinken, werden sie zunehmend auf Alkoholabhängigkeit untersucht und einige sind bereits in staatlichen Programmen, um sie von den harten Sachen fernzuhalten.

Arbeitslosigkeit

Eine Studie aus dem Jahre 2016, die im Journal of Gambling Issues publiziert wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass es gewisse Risikofaktoren gibt, die eine Abhängigkeit wesentlich beeinflussen. Dazu zählen etwa Arbeitslosigkeit, der Schulabschluss, der Familienstand sowie der Migrationshintergrund.

Der mit Abstand wichtigste Faktor ist die Arbeitslosigkeit – welche einen solch direkten Einfluss auf die Spielsucht zu haben scheint, dass jegliche andere Faktoren fast in Vergessenheit geraten.

Bildung

Die Signifikanz unter Menschen mit Migrationshintergrund ist ebenfalls gegeben, jedoch auch in vielen Fällen mit der Arbeitslosigkeit verknüpft, wodurch die Ergebnisse verwässert werden. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Schulabschluss. Es überrascht nicht, dass die Gruppe der Menschen ohne Schulabschluss eine höhere Anfälligkeit für die Sucht aufweist. Ebenfalls muss man dann aber wieder anmerken, dass Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich keinen oder keinen vergleichbaren Schulabschluss vorweisen können.

Die Langeweile in Kombination mit begrenzten Geldmitteln, der Hoffnung auf einen hohen Gewinn und damit einer abrupten Besserung der Lebenssituation, sind als die wahrscheinlichen Hauptgründe für die Signifikanz unter den Einwanderern anzusehen. (dd)

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