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Szene aus dem Musikvideo "Verzzockkt" von Rob Major feat. Ace, Tax und Megaloh © aggro.tv, bearb. MiG

Spielsucht

Wer verdient muss auch Verantwortung übernehmen

Seit Jahren verzeichnen Aktien von Spieleanbietern hohe Gewinne an den Börsen. Mit steigenden Umsätzen steigt auch die Zahl der spielsüchtigen Menschen, darunter überproportional viele Migranten. Es ist Zeit für mehr Prävention.

Samstag, 02.09.2017, 0:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 04.08.2020, 9:36 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Spielebranche erlebt seit Jahren einen Boom. Sowohl die Zahl der Spieler als auch der Umsatz wächst kontinuierlich. Der kommerzielle Erfolg ist so groß, dass große Spieleanbieter inzwischen sogar am Aktienmarkt vertreten sind. Die Branche erzielt weltweit mehrere Hundert Milliarden Euro Umsatz.

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Diesem Erfolg auf der einen Seite steht der Vorwurf auf der anderen Seite gegenüber, dass Anbieter zu wenig gegen das Suchtproblem unternehmen – vor allem Anbieter von Spielen, die nur mit Geldeinsatz gespielt werden können. Betroffen sind hier in den meisten Fällen Menschen ohne berufliche und finanzielle Perspektive. Der Armut ist hierbei nur ein Faktor, sich dem Glücksspiel hinzugeben. Hinzu kommt der Faktor Langeweile sowie der verlockende Gedanke vom schnellen Geld.

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Überproportional viele Migranten betroffen

Studien zufolge sind vom Suchtproblem überproportional häufig Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. Sie erfüllen häufiger die drei wichtigsten Suchtkriterien: sie sind häufiger arbeitslos als einheimische und selbst wenn sie arbeiten, verdienen sie im Durchschnitt weniger als Deutsche. Schließlich migrieren Menschen in andere Länder in der Hoffnung, ihren Lebensstandard anzuheben, was in vielen Fällen jedoch nicht gelingt und zur Frustration führt. So werden sie anfälliger für Angebote, die das schnelle Geld versprechen.

Zwar gibt es Studien, in denen spielsüchtige Langzeitarbeitslose als Klischee entlarvt werden, doch die Zahl der Untersuchungen, die die vielschichten Zusammenhänge zwischen Arbeits-, Mittel- und Perspektivlosigkeit belegen, sind deutlich mehr. In diesen Untersuchungen werden zahlreiche weitere Faktoren genannt, die die Spielsucht befördern. So gilt die leichte Erreichbarkeit dieser Spiele sowie das niedrigschwellige Angebot als ein Suchttreiber. Inzwischen gibt es sogar rollende Casinos – spielen auf der Mittelkonsole.

Häufig werben die Anbieter mit großen Gewinnen sowie Einstiegprämien. Wer eine kleine Geldsumme einzahlt, bekommt vom Anbieter eine höhere Geldsumme geschenkt. Da das geschenkte Geld nicht ausbezahlt wird, sind die Anbieter in jedem Falle abgesichert, keinen Verlust zu machen, der Spieler hingegen verspielt in der Regel sein Geld – Ausnahmen bestätigen hier die Regel.

Zeit für mehr Prävention

Und weil die Bank bekanntlich immer gewinnt und diese Volksweisheit selbstverständlich auch auf dem Börsenparkett bekannt ist, scheinen Anlagen in Aktion von Online Casinos als sichere Anlage. Tatsächlich verzeichnen die Spieleanbieter seit vielen Jahren steigende Gewinne, mit ihr steigt die Nachfrage nach Aktien, was die Kurse in die Höhe treibt.

Viele Börsenexperten haben frühzeitig das Potenzial des Online Glückspielmarktes für sich entdeckt. Sie haben den Handel mit deren Aktien schon frühzeitig begonnen und haben satte Gewinne gemacht. Selbst spielen würden sie vermutlich aber nicht. Dafür sind sie Experten genug. Sie wissen, dass die Gewinnchance an der Börse deutlich höher ist und als ein virtueller Zock.

In unterschiedlichen Prognosen wird Wertpapieren von Spieleanbietern ein weiter stetiges Wachstum bescheinigt. Die Nutzung und damit auch der Umsatz der wird voraussichtlich weiter ansteigen. Da sind sich die Experten einig. Das wird auch die Debatte um Suchtprävention befeuern. Zu hoffen ist, dass damit auch mehr Prävention zur Verhinderung von Spielsucht einhergeht und die Anbieter ihrer Verantwortung gerecht werden. (dd)

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