Job beim Verfassungsschutz

Mach endlich, was du schon immer machen wolltest

In einem Radiointerview wirbt Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen um Nachwuchs: „In manchen Bereichen unseres Hauses kann man all das machen, was man schon immer machen wollte, aber man ist straflos.“ NSU-Experte Wolf Wetzel hat eine Ahnung, um welche Bereiche es sich handeln könnte.

Sie wissen wahrscheinlich, dass dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) im Kontext des 13 Jahre langen Gewährenlassens der neonazistischen Terrorgruppe NSU „komplettes Behördenversagen“ vorgeworfen wurde. Dazu zählen u.a. die Ausstattung des „nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) mit Waffen, Sprengstoff, Wohnungen und Alias-Dokumenten durch jene V-Leute, deren Akten vernichtet wurden, das „führerlose“ Führen von über 40 V-Leuten im Nahbereich des NSU, die Beseitigung von Beweismitteln, zahlreiche Falschaussagen und die Beeinflussung von Zeugen, also die Sabotage der Aufklärung bis zum heutigen Tag.

Sie wissen es wahrscheinlich nicht, aber sie sollten es unbedingt wisssen: Dem BfV ist das eingestandene „komplette Behördenversagensehr teuer zu stehen gekommen. Als ungeheuer einschneidende Konsequenz musste 64 Jahre alte Heinz Fromm, Chef dieses Komplettversagens, gehen. Er wurde, über alle Ma(a)ßen geschätzt, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Fromm wurde durch Fromm ersetzt, was sich wie Maaßen ausspricht. Doch damit nicht genug:

Das BfV erhielt 100 neue Stellen, der Haushalt wurde um Millionen Euro aufgestockt, und zur Krönung dieser Bestrafungsorgie wurden neue Gesetze verabschiedet, die all das erlauben, was bis dahin vor möglicher Strafverfolgung geschützt werden musste.

Nirgendwo besser als am Beispiel dieses Geheimdienstes kann man belegen, dass man durchaus belohnt wird, wenn man genau das nicht tut, wozu man beauftragt wurde … und alle politisch Verantwortlichen damit höchst zufrieden sind.

Dermaßen von Peitschenhieben disziplinarischer und strafrechtlicher Art gezeichnet, trat Hans-Georg Maaßen alias Fromm unerschrocken und voller Lustschmerz an die Presse.

In einem Interview, das er dem Radiosender MDR info am 10.12.2015 [1] gab, ließ er die Zuhörer und potenziell Interessierten aufreizend wissen:

„Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber und ich kann sagen, in manchen Bereichen unseres Hauses kann man all das machen, was man schon immer machen wollte, aber man ist straflos. Zum Beispiel Telekommunikationsüberwachung.“

Hans-Georg Maaßen versteht sich als „Dienstleister für Demokratie„. Man kann seine Anwerbung und Stellenausschreibung auch so übersetzen:

  • Wollen Sie mal richtig Neonazis ein, ohne diese politischen und strafrechtlichen Belästigungen, dann kommen Sie zu uns.
  • Wollen Sie ungestört Rassist sein, dann melden Sie sich bei uns.
  • Fühlen sie sich bei Pegida unausgelastet, gehen Ihnen die folgenlosen Parolen auf den Sack, dann packen wir Sie gerne an den Eiern.
  • Wollen Sie endlich dem NSU-Motto „Taten statt Worte“ gut bezahlt und in kollegialem Umfeld frönen, dann sind Sie bei uns der richtige Mann.
  • Wollen Sie Ihre Mordswut mal so richtig freien Lauf lassen, dann sind Sie sie bei uns der Richtige.
  • Wechseln Sie noch heute, vom prekären Untergrund in den bestausgerüsteten Untergrund, den wir Ihnen bieten können.

Auf der Internet-Plattform Imgur machten sich innovative Designer ehrenamtlich daran, dieses Angebot, das man nicht ausschlagen kann, in motivträchtige Plakate umzusetzen. Das Motto dieser Plakatserie bekam den entfesselnden Namen: Mach endlich, was du schon immer machen wolltest.

Mach was du schon immer machen wolltest [8]

Bei allem Spaß sollte man die Wut nicht zu kurz kommen lassen.