Anstieg um 100 Prozent

Deutlich mehr Abschiebungen per Flugzeug

In den ersten zehn Monaten dieses Jahres wurden dem Bundespolizeipräsidium zufolge knapp 15.000 Menschen abgeschoben. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Verdopplung. An der Spitze der Bundesländer mit den meisten Abschiebungen liegt das rot-grün regierte Nordrhein-Westfalen.

Deutlich mehr Menschen ohne Bleiberecht sind in diesem Jahr per Flugzeug aus Deutschland abgeschoben worden als im Vorjahr. Von Januar bis Ende Oktober wurden 14.875 Menschen zurückgeflogen, wie das Bundespolizeipräsidium in Potsdam dem Evangelischen Pressedienst mitteilte. Im gesamten Jahr 2014 waren es 8.557 Menschen. Abgebrochen werden musste in diesem Jahr die Abschiebung von 514 Personen (3,5 Prozent) auf allen deutschen Flughäfen.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main war die Steigerung wesentlich geringer. Dort wurden von Januar bis Oktober 3.087 Menschen abgeschoben gegenüber 2.747 im vergangenen Jahr. Viele Überstellungen in andere EU-Staaten aufgrund der Dublin-Verordnung, insbesondere von Syrern, seien während des Jahres storniert worden, sagte die ehemalige Abschiebungsbeobachterin der Kirchen in Frankfurt, Diana Nuñez. Sammelabschiebungen per Charterflugzeugen habe es im Herbst vor allem nach Albanien und ins Kosovo gegeben.

NRW mit den meisten Abschiebungen

Dagegen erwartet die Abschiebungsbeobachterin der Diakonie, Dalia Höhne, für den Flughafen Düsseldorf einen starken Anstieg der Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber. Bis Ende des Jahres rechne sie mit rund 5.000 sogenannten Rückführungen gegenüber 2.000 im Vorjahr. Derzeit flögen ein- bis zweimal in der Woche Chartermaschinen Gruppen in die Herkunftsländer. Hinzu kämen Einzelabschiebungen mit Linienflügen.

Tatsächlich hat Nordrhein-Westfalen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres so viele abgelehnte Asylbewerber abgeschoben wie kein anderes Bundesland. Mit 3.293 Rückführungen bis Ende Oktober 2015 habe man bundesweit die meisten Abschiebungen vorgenommen, teilte das Düsseldorfer Innenministerium mit. Im gesamten Vorjahr waren es noch insgesamt 2.929 gewesen.

„In NRW schieben wir konsequent ab“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD). Die meisten abgelehnten Asylbewerber reisten nach Beratung durch die Ausländerbehörden freiwillig aus. So kehrten bis Ende November 2015 insgesamt 6.916 Menschen mit Unterstützung durch die Internationale Organisation für Migration freiwillig in ihre Heimat zurück. Im Vorjahr waren es noch 3.570. (epd/mig)