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Mehr als 200.000 Flüchtlingskinder erreichten 2015 die EU

Jeder fünfte Bootsflüchtling, der über das Mittelmeer nach Europa geflohen ist, ist minderjährig. Das teilt das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit. In Deutschland seien im laufenden Jahr 82.000 Minderjährige reagistriert worden.

Rund 214.000 Kinder sind in diesem Jahr unter Lebensgefahr über das Mittelmeer in die EU geflohen. Mehr als 20 Prozent aller Bootsflüchtlinge, die zwischen Januar und November europäische Länder erreichten, seien Minderjährige, teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef am Dienstag in Genf mit. In Deutschland seien 2015 mehr als 82.000 Mädchen und Jungen unter 18 Jahren registriert worden, deutlich mehr als in jedem anderen EU-Land.

Die Heranwachsenden seien während der beschwerlichen Flucht über See und Land besonders anfällig für Krankheiten und Verletzungen. Viele überlebten die gefährliche Überfahrt auf kaum seetüchtigen Booten nicht. Allein im Oktober starben demnach im östlichen Mittelmeer mindestens 90 Kinder. Zudem seien die Mädchen und Jungen häufig Opfer von Ausbeutung und Gewalt. Viele von ihnen flüchteten alleine.

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Insgesamt erreichten nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in diesem Jahr bereits 880.000 Boots-Flüchtlinge Europa, davon seien rund 750.000 von ihnen in Griechenland angekommen. Fast 3.600 Männer, Frauen und Kinder starben bei der Überfahrt. Die größte Gruppe von Bootsflüchtlingen sind demnach Syrer, 400.000 von ihnen überquerten 2015 das Mittelmeer. Mehr als 140.000 Flüchtlinge kamen laut IOM auf diesem Weg aus Afghanistan nach Europa und knapp 45.000 aus dem Irak. (epd/mig)