40 Jahre

Von den Anfängen des Nürnberger Ausländerbeirats

Die Erkenntnis, dass dringend etwas getan werden musste, vertiefte sich in Nürnberg. Vor 40 Jahren machten sich die „Gastarbeiter“ an die Arbeit und gründeten den ersten Ausländerbeirat – eine Erfolgsgeschichte, die bundesweit Schule machte.

Als Filmemacher lesen wir seit Jahren in Bildern. Und wenn wir uns die Aufnahmen vom diesjährigen Neujahresempfang des Nürnberger Integrationsrates im historischen Rathaussaal anschauen, sehen wir einen selbstbewussten und auch fordernden Integrationsrat.

Auf seine Einladung hin gibt sich alle Jahre wieder das multikulturelle Nürnberg ein Stelldichein; der Oberbürgermeister spricht, es versammeln sich Prominenz aus Politik und Stadt, Bundestagsabgeordnete verschiedener Couleur, – wenn auch zu wenige -, diplomatische Vertretungen, verdiente Bürger, die Vereine und viele mehr. Ein Come-together mit einiger gesellschaftlicher, aber auch symbolischer Bedeutung.

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Symbolik der Bilder – vom Rand in die Mitte
Denn die Anfänge des Integrationsrates als Ausländerbeirat vor 40 Jahren sahen anders aus: man suchte nach einem Ort in der Stadt, nach Teilhabe und Akzeptanz, wünschte aus der Marginalität herauszutreten. So betrachtet, lässt sich dieser Empfang ebenso deuten als Ankommen in der Mitte der Stadtgesellschaft.

1973 beschloss der Nürnberger Stadtrat einstimmig die Satzung für einen Ausländerbeirat, der am 11. November des gleichen Jahres gewählt wurde und im Januar 1974 das erste Mal zusammentritt. Schnell folgten diesem Beispiel die meisten deutschen Städte und mit vielen Jubiläumsveranstaltungen wird im nächsten Jahr daran erinnert. Unsere Vorarbeiten und Recherchen für ein dokumentarisches Feature über die Entstehungsgeschichte des Nürnberger Beirats führten zu diesem Artikel, der auch in der Sommerausgabe 2013 der Zeitung des Integrationsrats Nürnberg abgedruckt wurde.

Auch wenn die Bilder eine Erfolgsgeschichte erzählen, sind einige Einschränkungen zu machen. So bleibt zu fragen, warum sich das multikulturelle Nürnberg mit seinen fast 40 % Einwanderern noch immer nicht annähernd abbildet in den Institutionen der Stadt, im Stadtrat selbst, in den Verbänden, den Medien. Und zu fragen ist: Warum haben die ca. 50.000 eingewanderten Nicht-EU-Bürger (über 18 Jahre) – insbesondere die lang ansässigen – noch immer kein Wahlrecht, nicht einmal das kommunale?! Oder warum kommt das Verhältnis der Stadtgesellschaft zu seinen Einwanderern so leicht unter die Räder populistischer Politik, ob mit einer Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, wie Anfang 1999 geschehen oder mit Leitkulturdebatten.

Und letztlich zeigen die Attentate von Neonazis, die in Nürnberg mit dem Fall Oxner im Juni 1982 drei Menschenleben forderten und in den letzten Jahren durch die NSU wiederum drei Opfer, dass die Stadtgesellschaft seine eingewanderten Bürger immer wieder couragiert und entschlossen verteidigen muss.

Hoffnungen – Geschichte ist machbar
Im Folgenden wollen wir einige Gedanken mitteilen, die uns bei der Arbeit an dem filmischen Feature – „Ein Fremder ist nicht immer ein Fremder – vom Ausländerbeirat zum Integrationsrat Nürnberg“ – bewegten.

Während der Montage von Bildern und Filmteilen schauten wir immer und immer wieder in die Gesichter der Menschen, die ihre Erinnerungen mit uns in langen Interviews teilten. Wir blickten mit Ihnen auf Fotos, die sie uns zeigten und spürten ihren Emotionen nach, wenn sie von ihren ersten Jahren in Nürnberg erzählten, eine Zeit voller Entbehrungen und Hoffnungen.Die so entstandene Vertrautheit ließ uns erahnen, wie groß ihr Beitrag war, den sie als Ehrenamtliche für ihre neue Heimat Nürnberg erbrachten – trotz vieler Rückschläge und Enttäuschungen.

Wenn heute die ehemaligen Ausländerbeiräte Luis Ramos, Juan Cabrera, Ali Bencibara oder der damaliger Leiter des Amtes für Kultur und Freizeit Siegfried Kett, im Film stellvertretend für viele Bilanz ziehen, ist unüberhörbar: Der Einsatz für ein tolerantes und weltoffenes Nürnberg war nicht umsonst, er hat Früchte getragen.

So entsteht für uns das Bild, dass 1973 mit dem Ausländerbeirat ein Ort entstanden war, von dem aus die damaligen „Gastarbeiter“ die Sensibilisierung der Stadt für ihre Anliegen betreiben und sie mit ihren mitgebrachten Kulturen, Sprachen, Geschichten bekannt machen konnten. Unzählige Aktionen auf den Straßen, Demonstrationen, Mahnwachen, multikulturelle Feste, Veranstaltungen und Pressekonferenzen zu den brennenden Fragen, ja sogar Predigten in der Sebalduskirche,- von denen Juan Cabrera uns lächelnd berichtet-, gehörten zu diesem Repertoire, dessen sich die Beiräte mit Ausdauer und Erfolg bedienten. Sie wurden dabei begleitet von vielen Bündnispartnern und von einer überwiegend – auch das erstaunte uns – sympathisierenden Presse.

Und es ist kein Zufall, dass viele der „Gründungsväter“ des Ausländerbeirats, wie der türkische Sozialberater und Musiker Alpay Şakar, sich auch als Kulturbotschafter verstanden, indem sie ihre Heimatkultur zum Mittel der Verständigung machten. Rückblickend betrachtet, markiert das Jahr 1973 den Beginn eines interkulturellen städtischen Lebens, mit nachhaltigen Auswirkungen.

Anfänge – „Es hat gekocht, es musste etwas geschehen“
Zunächst hatten wir den Eindruck, dass die Entstehung des Nürnberger Ausländerbeirats gern linken, zielstrebigen politischen Partizipationsstrategien zugeschrieben wird. Aus vielen Gesprächen und Recherchen ergibt sich ein anderes Bild. Weder Gebhard Schönfelder, der 1972 für die Jungsozialisten in den Nürnberger Stadtrat einzog und ihm bis heute angehört, noch Luis Ramos, der 1. Vorsitzende des Ausländerbeirats und damals Vorstand des Centro Español, würden von einer solchen Zielstrebigkeit sprechen.

Es war vielmehr eine Zeit, die Entscheidungen verlangte, oder wie es Luis Ramos auf die einfache Formel bringt: „Es hat gekocht, es musste etwas geschehen“. Denn das Krisenjahr 1973 kündigte sich an, mit einer Wirtschaftsflaute und ersten Entlassungen, der „Energiekrise“ und dem Anwerbestopp im November.

Zudem war die Zahl der „Gastarbeiter“ schnell gestiegen, – allein in Nürnberg bis Anfang der 70er Jahre auf rund 50.000, d.h. knapp 10 % der Stadtbevölkerung. Die Stadt war weder mit ihrem Personal noch mit ihren Einrichtungen darauf vorbereitet. Zum drängenden Problem wurde die schulische Versorgung der Kinder, die nachgeholt wurden, und um die sich die Frauen der ersten Stunde sorgten. Es fehlte an Wohnraum oder der Bereitschaft, diese an „Ausländer“ zu vermieten. Die sprachliche Verständigung war nur mit den wenigen Dolmetschern der Sozialdienste möglich, – z.B. nur drei Sozialberater der AWO für alle türkischen Landsleute in Nürnberg und Umgebung.

Pater San Pedro, der damalige Geistliche der spanisch-katholischen Mission, klagte 1971 gegenüber dem ZDF: „Die Räume, die wir haben sind zu eng (gemeint war der erste Nürnberger Arbeiterverein Centro Español), es fehlen Bibliotheken – es muss alles in Privatinitiative gemacht werden von Menschen, die die Sprache, die Verhältnisse nicht gut kennen und daher kommen sie nicht weit mit ihren Forderungen…“.

Zudem drohte über den Arbeitsmigranten das Damoklesschwert der Rotation, da die Ausländerämter in Nürnberg und der Region Aufenthaltsverlängerungen verweigerten, Ausweisungen verfügten.

Bürgerschaftliches Engagement – erste interkulturelle Initiativen
Ein breites Feld für zivilgesellschaftliches Engagement und nachbarschaftliche Hilfe tat sich auf, das in Nürnberg anfangs von den Jugendverbänden der Kirchen und der christlich motivierten „aktion 365“ aufgegriffen wurde.

Ein wichtiger Chronist dieser Jahre und Mitglied der „aktion 365“ ist Ottmar Jäger, ehemaliger MAN-Ingenieur und Mitbegründer des Nürnberger Arbeitskreises „Gastarbeiter-Mitbürger“. Als leidenschaftlicher Hobbyfilmer und Dokumentarist, -ihm verdanken wir wichtige Hinweise sowie wertvolles Film- und Tonmaterial- erinnert sich der heute 83-Jährige, dass bereits 1969 die katholische und evangelische Jugend in der Nürnberger Egidienkirche einen Gottesdienst veranstaltete unter dem provokant fragenden Titel „Gäste arbeiten!?“

Im Arbeitskreis „Gastarbeiter-Mitbürger“, der bald gegründet wurde, bündelten sich ab dann erste Initiativen, die Beispiele gaben für weitere.

Bei seinen Treffen im CPH (Caritas Pirckheimer Haus, Nürberg) wurden Aktivitäten und praktische Hilfestellungen besprochen: Zu den wichtigsten gehörte die Organisation einer schulischen Hausaufgabenbetreuung für ausländische Kinder; aber es wurden auch spanische und türkische Krankenhauspatienten mit Zeitungen aus ihrer Heimat versorgt. In Archivaufnahmen sehen wir bei den Sitzungen des Arbeitskreises Vertreter der Bundesanstalt für Arbeit, der Parteien, des Elternverbandes und immer wieder die Sozialberater der Wohlfahrtsverbände, darunter Alpay Şakar und Cahit Turan von der AWO, Georgios Pappas für die Stadtmission.

Die Erkenntnis, dass dringend etwas getan werden musste, vertiefte sich auf zwei Tagungen, die der Arbeitskreis 1970 und 1972 im Nürnberger Kolpinghaus veranstaltete. Beide Male nahm die Kasseler Stadtverordnete Else Görgl als Referentin teil, die mit großem Engagement und Kenntnissen über die Situation in anderen Städten ein breites Fundament für die Diskussion legte. Und es wurde ein Forum geschaffen, in dem sich die damaligen „Gastarbeiter“ frei über ihre Erfahrungen und Erwartungen verständigen konnten.

Die Tonbandmitschnitte von Ottmar Jäger hören sich heute an wie seismographische Ausschläge bevorstehender Veränderungen.

Zu Recht betont Ottmar Jäger heute, wie wichtig bei allem die Sozialberater waren (die Wohlfahrtsverbände hatten seit 1956 entlang religiöser und nationaler Kriterien eine muttersprachliche „Ausländersozialberatung“ aufgebaut), die diesen Arbeitskreis von Anfang an begleiteten und bei beiden Tagungen ausführlich zu Wort kamen. Mit ihren guten Sprachkenntnissen, die dringend für Übersetzungen gebraucht wurden, und ihren Erfahrungen aus den Beratungsstellen verliehen sie diesen Versammlungen Gewicht und Autorität.

Öffentlichkeit – ein Fundament wird gelegt
Auch ist bemerkenswert, wie erfolgreich der Arbeitskreis die Öffentlichkeit miteinbezog. Das ZDF berichtete, der BR mit Rundfunk und Fernsehen waren oft zur Stelle, ebenso die örtliche und überregionale Presse. Und Ottmar Jäger pflegte im Namen des Arbeitskreises einen regen Briefverkehr mit dem damaligen Oberbürgermeister Dr. Urschlechter, den Vertretern der Nürnberger Stadtratsparteien, den Schulämtern bis Ansbach, der Arbeitsverwaltung, die er allesamt – nicht nur auf diesen Tagungen – direkt in die Pflicht nahm. Vielleicht liegt hier sogar eine Nürnberger Tradition begründet, die der aus Griechenland stammende Costas Charissis, einer der aktiven Gründungsväter des Ausländerbeirats (auch bekannt als Besitzer der Gostenhofener „Planungskneipe“) als sein späterer Pressesprecher zusammen mit anderen leidenschaftlich fortsetzte.

So wie wir sehen können, wird mit diesen Aktivitäten, Tagungen und Forderungen das konzeptionelle Fundament für den Ausländerbeirat gelegt, dessen Satzung der Nürnberger Stadtrat am 9. Mai 1973 einstimmig beschließt.

Sicherlich stand auch das Vorbild des Wiesbadener Ausländerbeirats Pate, des ersten in der Bundesrepublik, auf den sich die Nürnberger Jungsozialisten, wie Gebhard Schönfelder berichtet, bezogen.

Für das Nürnberger Modell aber legte man schon zu Beginn das Prinzip der Urwahl fest, während in einigen anderen Städten die Mitglieder des Ausländerbeirates vom Stadtrat ernannt wurden.

Da sich der Nürnberger Aufbruch zu einer gestaltenden kommunalen „Ausländerpolitik“ in einem breiten Konsens vollzog, titelte die Nürnberger Zeitung am 10. Mai 1973 euphorisch: „Nürnberg ist auf dem besten Weg zur ausländerfreundlichsten Stadt der Bundesrepublik zu avancieren.“ Und der Spiegel vom 4.6.1973 legte noch eins drauf, indem er unter der Überschrift „Gastarbeiter gegen die Leine“ sogar von einem „revolutionären Gremium“ sprach, was da aus der Taufe gehoben wurde.

Als erster Wahltermin wurde der 11. November 1973 festgelegt, bei dessen Vorbereitungen der Arbeitskreis seine Hilfe anbot. Unser Chronist Ottmar Jäger, damals noch Ingenieur bei MAN, sammelte Unterschriften in den Werkshallen und warb für Kandidaten. Dabei begegnete er dem Betriebselektriker und späteren Gründungsmitglied Ljubomir Dabovic, den er für die Liste der Jugoslawen gewinnen konnte.

Wie sehr der Arbeitskreis „Gastarbeiter-Mitbürger“ von einem bürgerschaftlichem Engagement ohne parteipolitisches Kalkül getragen war, zeigte sich in seiner stillen, unspektakulären Auflösung, nachdem der erste Ausländerbeirat gewählt war.

Wir bleiben! – die Protestversammlung in einer Nürnberger Turnhalle
Sicherlich wurde der Konsens des Stadtrates auch von der ersten großen Protestmanifestation der damaligen „Gastarbeiter“ befördert. Cahit Turan, damals Sozialberater der AWO und Wegbegleiter des Ausländerbeirates von Anfang an, berichtet uns von einer Versammlung, die in der Turnhalle des Sportclubs Maxvorstadt 04, in der Rollnerstraße 99 stattfand. In einem Saal, in dem sonst die türkische Gemeinde zweimal im Jahr ihre Feiertagsgebete verrichtete, und auch türkische Ringer trainieren konnten – protestierten am 14. Januar 1973 über 5000 Menschen gegen die bayerischen Versuche, die Rotation per Ausweisungsbescheid durchzusetzen.

Erste große Protestversammlung gegen Rotation in Nürnberg Turnhalle Sportclub Maxvorstadt, 14.1.1973

Erste große Protestversammlung gegen Rotation in Nürnberg Turnhalle Sportclub Maxvorstadt, 14.1.1973

Die Bilder zeigen einen übervollen Saal, eine improvisierte Bühne für die Redner, auch viele Frauen sind zu erkennen. Auf Transparenten in der Halle ist zu lesen. „Wir sind Menschen“ und „Warum werden wir rausgeschmissen“.

Cahit Turan, der diese Versammlung leitete (wir erkennen ihn an seiner Fliege!), erinnert sich an ein Großaufgebot örtlicher und überregionaler Presse, die Parteien schickten ihre Vertreter, selbst Bundestagsabgeordnete waren gekommen.

Für Unruhe und Empörung hatte die wachsende Zahl an Bescheiden des Ausländeramtes gesorgt, in denen allen die Aufenthaltsverlängerung versagt wurde, die länger als 5 Jahre in Deutschland waren. Es wurde die Ausreise binnen dreier Monate verlangt, mit der Begründung, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei und daher der gewünschte „Daueraufenthalt die Beeinträchtigung staatlicher Belange“ (!!!) bedeuten würde, was zu bestrafen sei!

Das Ende des „Rotationskonzepts“ und der Anfang des Ausländerbeirats
Von den deutschen Teilnehmern machten sich für die Forderungen nach Rücknahme der Bescheide der Vizepräsident des bayerischen Landtags und Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Bayern Bertold Kamm stark. Arno Hamburger, damals Pfleger des Einwohneramtes, verbürgte sich vor den Versammelten dafür, dass die Ausweisungen zurückgenommen werden. Cahit Turan, der als Sozialberater und Dolmetscher der AWO 45 Klagen gegen die Ausweisungen in Ansbach zu vertreten hatte, berichtet uns, dass nach dem überwältigenden Echo, das diese denkwürdige Versammlung ausgelöst hatte, alle Bescheide ohne Verfahren zurückgenommen wurden.

Eine Nürnberger Aktion mit bundesweiten Folgen, denn damit war das Ende des Rotationskonzepts besiegelt. Gebhard Schönfelder (seit 1972 für die SPD im Stadtrat Nürnberg) der auch an dieser Versammlung teilgenommen hatte, bewertet heute dieses Datum als „Durchbruch“, der den Stadtrat drei Monate später zu seiner eher seltenen Einstimmigkeit hinsichtlich des Ausländerbeirates veranlasste. So hatte eine soziale, emanzipatorische Bewegung, die klug und autonom sich für die eigenen Rechte stark machte, Stadtgeschichte geschrieben, mit anhaltender bundesweiter Wirkung.

Info: Der ca. 40 minütige Film „Ein Fremder ist nicht immer ein Fremder“ hatte seine Premiere zur Eröffnung der diesjährigen interkulturellen Wochen Nürnbergs am 20.9.13. Die DVD des Filmes ist erhältlich zum Preis von 25 € menzel@tranfers-film.de [1]

Wie es weitergeht – eine Nachbemerkung
Doch die Geschichte des Ausländerbeirats nahm mit diesem Datum erst ihren Anfang. Viel größere Aufgaben standen noch bevor: Die Arbeitsfähigkeit war sicherzustellen und ein Selbstverständnis musste gefunden werden, das unabhängig von der Einflussnahme der Konsulate, der Ideologisierung politischer oder nationaler Gruppen nur den Interessen der Zugewanderten verpflichtet war.

Ein Geschäftsführer wurde gebraucht, (die Reihe reichte ab 1979 von Brigitte Fischer-Brühl über Renato Mion bis Friedrich Popp heute) Räume und ein eigener Haushalt etc.

Eine spannende Geschichte, voller Bewegung und Dynamik, die mit der bemerkenswerten Verbindung des Ausländer- und Aussiedlerbeirats zum Integrationsrat im Jahr 2010 einen weiteren Markstein setzte – für die Gestaltung einer offenen, toleranten und multikulturellen Stadtgesellschaft.