Geschredderte Studie

Fremdenfeindliche Einstellungen in Sachsen-Anhalt auf dem Rückzug?

Laut Sachsen-Anhalt-Monitor sinkt die Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit im Land. Ein klarer Widerspruch zu den Erhebungen der Friedrich-Ebert-Stiftung. Wie das kommt? Ganz einfach: Man lässt unliebsame Teile der Befragung einfach weg.

Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) vermeldet Erfreuliches: „Fremdenfeindliche Einstellungen auf dem Rückzug.“ So jedenfalls lautet die Überschrift einer Pressemitteilung von vergangener Woche. Laut dem Sachsen-Anhalt-Monitor 2012 seien rechtsextreme sowie ausländerfeindliche Einstellungen zurückgegangen, das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit in den letzten drei Jahren weiter abgeschwächt. Außerdem sei Sachsen-Anhalt im gesamtdeutschen Vergleich und innerhalb Ostdeutschlands nicht durch überdurchschnittlich starke ausländerfeindliche Einstellungen gekennzeichnet.

Damit kommt der Sachsen-Anhalt-Monitor zu anderen Ergebnissen als etwa die zuletzt vorgestellte Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung [1] (FES), die bei jedem sechsten Ostdeutschen ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ ausgemacht hatte. Nach den Erhebungen des Landes machen sich nur kleine Minderheiten fremdenfeindliche und antisemitische Anschauungen zu Eigen.

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Der „harte Kern“
So liege der „harte Kern“ derer, die ausländerfeindliche Einstellungen vertreten, „deutlich unterhalb der 10-Prozent-Marke“. So stimmten beispielsweise der Aussage, dass bei knapper werdenden Arbeitsplätzen Ausländer wieder in ihre Heimat geschickt werden sollten, im Sachsen-Anhalt-Monitor nur 9 Prozent der Befragten zu. Die FES-Studie hatte bei den Ostdeutschen zu dieser Frage eine Zustimmung von 42 Prozent ermittelt.

Die Landesregierung nehme dennoch sowohl den Sachsen-Anhalt-Monitor als auch die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sehr ernst. Das erweist sich bei einem näheren Blick und nach einem Vergleich beider Erhebungen als weiser Schluss. Denn die Ursache für die Diskrepanz zwischen der FES Studie und des Sachsen-Anhalt-Monitors steckt im Detail. Kultusminister Dorgerloh nennt zwei Faktoren: die Zahl der Befragten und die unterschiedliche Methodik. Was er damit meint, lässt sich nicht konkretisieren.

Ein No-Go!
Fakt ist allerdings, dass die FES Studie die gesamte Bandbreite der Umfrageergebnisse zu ausländer- und fremdenfeindlichen Einstellungen berücksichtigt. Der Sachsen-Anhalt-Monitor hingegen begnügt sich nur den „harten Kern“, das heißt, dass der Kultusminister nur jene zählt, die ausländer- und fremdenfeindlichen Aussagen „voll und ganz“ zustimmen. Jene, die diesen Aussagen „teilweise“ oder gar „überwiegend“ zustimmen, werden komplett ausgeblendet.

Auch in dem veröffentlichten 126-Seiten-Bericht [4] sind diese Daten nicht zu finden. Dass sie erhoben wurden, steht außer Frage. Alles andere wäre ein wissenschaftliches No-Go, genauso wie das Fazit des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU). Er kommentierte die Zahlen des Monitors wie folgt: „Ermutigung für unsere politische Arbeit.“ (bk)