Gewalt-Studie

Zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen gibt es keine Unterschiede

Vergleicht man ausländische und deutsche Jugendliche aus vergleichbaren Verhältnissen, gibt es in Bezug auf Gewaltkriminalität „keine Unterschiede“. Das ist das Fazit des Kriminologen Christian Pfeiffer. Punktuelle Unterschiede sind aber vorhanden.

Ein Vergleich zwischen Jugendlichen mit Migrationshintergrund und deutschen Jugendlichen aus vergleichbaren Verhältnissen kommt zu dem Ergebnis, dass es in Bezug auf Gewaltkriminalität „keine Unterschiede“ gibt. Darauf wies der Kriminologe Christian Pfeiffer gestern bei der Vorstellung der Studie „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Berlin“ mit.

Da wo es Unterschiede gibt, gibt es auch Ursachen, die vielfältig sein können. So weist die Studie beispielsweise darauf hin, dass erlebte Diskriminierungserfahrungen die Bereitschaft erhöhen, Gewalt auszuüben. Und hiervon seien Jugendliche mit muslimischem Hintergrund überdurchschnittlich häufig betroffen.

Ein weiterer Faktor seien Diskriminierungserfahrungen in der Schule. Aus der Studie geht hervor, dass 13,1 % der Schüler zustimmen, dass es von Seiten der Lehrkräfte eine Diskriminierung von Schülern mit Migrationshintergrund gibt. Am höchsten fällt der Anteil zustimmender Jugendlicher bei türkischen und südeuropäischen Schülern aus; nord- und westeuropäische Schüler sehen hingegen keine Diskriminierung von Migranten im Schulbetrieb.

Gymnasiasten lehnen Assimilation eher ab
Kaum einen Unterschied gibt es bei der Frage, welche Migrantengruppen Integration befürworten, die Werte variieren zwischen 56 % und 73 %. Hinzu kommt die Befürwortung von Assimilation, die unter Jugendlichen aus dem ehemaligen Jugoslawien mit 20 % am höchsten und bei Jugendlichen aus Polen mit 5,9 % am niedrigsten ausfällt; bei der größten Migrantengruppe, der Türken, liegt dieser Wert bei 10 %.

Merkliche Unterschiede sind zu sehen, wenn man zusätzlich nach der besuchten Schulform differenziert. So ist die Befürwortung von Integration unter Gymnasiasten mit fast 76 % am höchsten. Unter Schülern der Haupt-, Real- und Gesamtschule liegen die Werte zwischen 54 % und 60 %. Assimilation hingegen wird von Gymnasiasten am wenigsten befürwortet (5,4 %); unter Haupt-, Real-, und Gesamtschülern liegen hier die Werte zwischen 13 % und 17 %.

Strukturelle Integration wesentlicher Faktor
Bildung, finanzielle Kaufkraft der Eltern sowie das familiäre Umfeld sind weitere Indikatoren, die die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen beeinflussen. Während deutsche Jugendliche zu 10,2 % im zurückliegenden Jahr mindestens eine Gewalttat begangen haben, sind es bei Jugendlichen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion 17,1 %, bei türkischen Jugendlichen 14,0 % und bei polnischen Jugendlichen 13,8 %. Seltener als deutsche Jugendliche haben unter anderem asiatische und nord-/westeuropäische Jugendliche Gewalt ausgeübt.

Download: Im Zeitraum Juni 2010 bis April 2011 wurde in Berlin eine repräsentative Befragung von Jugendlichen der neunten Jahrgangsstufe im Rahmen des Schulunterrichts durchgeführt. Im Fokus der Untersuchung standen die Verbreitung und die Bedingungsfaktoren des delinquenten Verhaltens von Jugendlichen. Die vollständige Studie: „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt in Berlin“ gbit es kostenlos unter www.kfn.de [3].

Im Vergleich mit der deutschlandweiten Schülerbefragung 2007/2008 zeigt sich für alle Migrantengruppen aber eine niedrigere Gewaltbereitschaft. Türkische Jugendliche im Bund haben bspw. zu 20,3 % mindestens eine Gewalttat verübt. „Das niedrigere Gewaltniveau der Berliner Migranten korrespondiert“, so die Studie „mit einer hohen strukturellen Integration“. Für Jugendliche sei insbesondere die Platzierung im Bildungssystem entscheidend. Auskunft hierüber gebe der Anteil an Jugendlichen, die ein Abitur anstreben. Und dieser Anteil fällt für Berliner Migranten deutlich höher aus. Die türkischen Migranten Berlins streben zu 42,7 % das Abitur an, deutschlandweit liegt die Quote dieser Gruppe nur bei 17,5 %.

Deutschen- und Ausländerfeindlichkeit
Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass sich unter den Migranten zum Teil recht häufig Ressentiments gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen finden. So äußern 7,8 % der Migranten deutschenfeindliche Einstellungen.

Auf der anderen Seite ist fast jeder dritte deutsche Schüler der Auffassung, dass die meisten Ausländer kriminell seien. Und fast jeder Vierte würde Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken, wenn in Deutschland die Arbeitsplätze knapp werden. 13 % geben an, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte. Und fast die Hälfte aller befragten deutschen Schüler (44 %) hätte ein Problem damit, in eine Gegend zu ziehen, wo viele Muslime leben. (bk)