Bei der Verleihung des M100 Medienpreises vergangene Woche ehrte Bundeskanzlerin Angela Merkel den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard, der mit seinen Mohammed-Karikaturen in der islamischen Welt für große Aufregung sorgte.
Benzin auf Feuer gegossen
Vertreter muslimischer Religionsgemeinschaften brachten daraufhin ihr Missfallen zum Ausdruck. So mahnte der Vorsitzende des islamischen Zentrums, Ayyub Axel Köhler, die Bundeskanzlerin mit den Worten: „Hier wird Benzin auf Feuer gegossen. Merkel ermutigt Feinde des Islams.“ Für Generalsekräter Ayman Mazyek hat Merkel einem Karikaturisten gratuliert, „der vor unseren Augen unseren Propheten mit Füßen getreten hat“.
Auch Ali Kizilkaya, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, in der die vier größten islamischen Verbände vertreten sind, zeigte sich nicht erfreut. Mit der Ehrung Westergaards habe Merkel Muslime in Deutschland verletzt und traurig gestimmt. Diese Haltung zeige, dass die Bundesregierung keine konsequente Integrationspolitik betreibe.
Gefühle verletzt
Ähnlich sieht es der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören. Mit der demonstrativen Ehrung durch die Kanzlerin im Fastenmonat Ramadan und im Umfeld der Sarrazin-Debatte, „haben sich die Menschen muslimischen Glaubens verletzt gefühlt“, sagte Tören der „Rheinpfalz am Sonntag“. Das hätte die Kanzlerin berücksichtigen müssen.
Für Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) hätte die Bundeskanzlerin noch einen weiteren Punkt bedenken müssen. „Ziel der Politik sollte sein, Vorurteile gegen Muslime abzubauen“, sagte Kolat und fügte hinzu, dass die Ehrung „viele Muslime als Affront“ empfinden.
Gezielte Provokation
Schärfere Töne fand Christine Buchholz (Die Linke) und bezeichnete die Rede Merkels während der Preisverleihung als „gezielte Provokation“. Laut Buchholz springt die Kanzlerin damit auf den islamfeindlichen Zug von Thilo Sarrazin auf. Westergaard unterstelle mit seinen Karikaturen der islamischen Religion und damit allen Muslimen Gewalttätigkeit. Er habe den Islam als terroristisch und reaktionär verunglimpft. „Wo eine Religion oder eine Kultur pauschal verurteilt wird, hört Pressefreiheit auf und fängt Rassismus an“, so die Linkspolitikerin.
Unterdessen brachte Thilo Sarrazin, der zuvor von Angela Merkel aufgrund seiner herablassenden Äußerungen gegenüber Muslimen kritisiert worden war, in Berlin seine Verwunderung über die Ehrung Westergaards zum Ausdruck. Nun werde er darauf warten, dass Merkel in fünf oder sechs Jahren ihm einen Preis für Meinungsfreiheit überreiche.