Türkische Presse Europa

29.08.2009 – Wahlen, Rassismus, Abschiebung

Breiten Raum räumen die türkischsprachigen Zeitungen in Europa den anstehenden Landtags- und Kommunalwahlen ein. Neben allgemeinen Informationen zu den Wahlen, trifft man immer wieder auch auf türkischsprachige Wahlwerbung von Kandidaten mit und ohne Migrationshintergrund. Außerdem wird über einen rassistischen Angriff auf Spieler eines Fußballclubs, die Abschiebung eines Familienvaters und über den Selbstmord eines türkischstämmigen Soldaten in der Bundeswehr berichtet.

Deutschland probt die Bundestagswahlen
Am Tag vor den Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und Thüringen berichten ZAMAN, HÜRRIYET über den anstehenden Urnengang. Die Wahlen vom Sonntag, an denen ca 6,2 Wähler teilnehmen werden, sollen dabei eine Testvorlauf für die Bundestagswahlen im September sein. Die Zeitungen geben in ihren Beiträgen auch Ergebnisse von Umfragen wieder. Die Unionsparteien sollen dabei zwar vorne liegen, in Thüringen und im Saarland aber ihre absolute Mehrheit verlieren.

Außerdem geben die Zeitung die Ergebnisse der letzten Wahlen in den betroffenen Bundesländern wieder. Im Saarland hatte bei den Wahlen 2004 die CDU 47,5 %, die SPD 30,8 %, die Linken 2,3 %, die Grünen 5,6% und die FDP 5,2 % erreicht. In Thüringen lag der Stimmanteil der CDU bei den letzten Wahlen bei 35 %, die der Linken bei 25 %, die SPD erhielt 18 % der Stimmen, die FDP 10 % und die Grünen 6,5 Prozent.

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Unabhängige Wählerlisten eine Gefahr für etablierte Parteien?
In Köln, Bonn, Duisburg, Witten und Gelsenkirchen werden am Sonntag auch unabhängige Wählerinitiativen zu den Kommunalwahlen antreten, berichtet die ZAMAN. Diese würden den etablierten Parteien insbesondere vorwerfen, in ihrer Integrationspolitik nicht aufrichtig zu sein. Dabei verweisen sie insbesondere auch auf Bülent Arslan (CDU) und Tayfun Keltek (SPD), denen ihrer Meinung nach der politische Werdegang versperrt worden sei. In NRW gebe es keinen Abgeordneten mit Migrationshintergrund. Das Antreten der Initiativen zu den Kommunalwahlen werde eine Warnfunktion für die Parteien darstellen.

An die Urnen – gegen Rechts
ZAMAN, HÜRRIYET, SABAH und MILLIYET veröffentlichen zahlreiche Aufrufe von Politikern und Institutionen, die Wähler mit Migrationshintergrund zum Urnengang aufrufen. Jede abgegebene Stimme bedeute einen Rückgang für den Stimmanteil der Rechtsradikalen.

200 000 türkischstämmige Wähler in NRW
Nach HÜRRIYET werden an den Kommunalwahlen in NRW am Sonntag auch um die 200 000 türkischstämmige Wähler teilnehmen können. Von den 14,4 Millionen Stimmberechtigten sind ca. 550 000 EU-Bürger, die an den Kommunalwahlen teilnehmen dürfen. Die MILLIYET führt außerdem an, dass bei einer türkischstämmigen Bevölkerung von fast 950 000 im ganzen Bundesland gerade einmal 62 Stadtratskandidaten zur Wahl stehen – nicht alle auf sicheren Listenplätzen.

Rassistischer Angriff auf Türkiyemspor
Die HÜRRIYET berichtet von einem rassistischen Angriff in Brandenburg auf die Berliner Fußballer von Türkiyemspor. Die Spieler der B-Jugend befanden sich im Trainingskamp im Brandenburgischen Lindow als sie von einer Gruppe von 15 Hitler-Grüße salutierenden Neo-Nazis  mit Baseballschlägern, Flaschen und Steinen angegriffen wurden. Die Staatsanwaltschaft hat mittlerweile Ermittlungen aufgenommen. Der Lindower Bürgermeister bewertete den Vorfall als Streit zwischen zwei Jugendgruppen.

Schutz der Familie per Webcam
Die HÜRRIYET berichtet über den Fall eines Familienvaters, der nach einer zweijährigen Haftstrafe auf Anordnung der Berliner Ausländerbehörde in die Türkei ausgewiesen werden soll. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied nun, dass der Vater von drei Kindern abgeschoben werden kann. Mit seinen zurückgebliebenen 11, 13 und 15-jährigen Kindern könne er über Video-Telefonie oder über eine Webcam seine Beziehung zu den Kindern aufrecht erhalten.

„Gastarbeiter“ kehren zurück in die Türkei
Prof. Faruk Sen meldet sich in ZAMAN und SABAH mit der These, dass türkischstämmige vermehrt in die Türkei zurückkehren. Besonders junge Menschen zwischen 20 und 35 würden die Rückkehr in die Türkei erwägen. Es wären besonders die wohlhabenden Migranten, die enttäuscht von der ansteigenden Ausländerfeindlichkeit und Islamophobie in Europa eine Rückkehr in die alte Heimat erwägen würden.

„Die Nächte des Ramadan“ in Berlin
Zwischen dem 3. und dem 21. September finden in Berlin die „Nächte des Ramadans“ statt, eine Veranstaltungsreihe auf der Museumsinsel zum Ramadan. Den Berichten von HÜRRIYET, SABAH und MILLIYET  nach finden anlässlich des Ramadans zahlreiche Veranstaltungen statt, die zur Entdeckung der Vielfalt muslimischer Kultur, ihrer Traditionen und vielfältiger populäre Ausgestaltung einladen. Unter anderem werden die „tanzenden Derwische“ der Galata Mevlevihane zu sehen sein.

Lammert: Kein Luxus der Ausgrenzung
Die ZAMAN berichtet über die Teilnahme des Bundestagspräsidenten Dr. Karl Lammert an einem Iftar-Empfang in Duisburg. Lammert wies dabei darauf hin, dass niemand in diesem Lande habe den Luxus habe, den Anderen auszugrenzen. Die Migranten hätten einen großen Beitrag zur Entwicklung des Ruhrgebietes geleistet.

Türkischstämmiger Soldat in Köln beigesetzt
TÜRKIYE und SABAH berichten von der Beisetzung des türkischstämmigen Soldaten A.A. (19 Jahre), der während seines Dienstes in Bonn Selbstmord begangen haben soll. An der Beerdigung in Köln-Stammheim nahmen Verwandte, Bekannte und Bundeswehr-Angehörige teil. Die Zeitung räumt auch den Aussagen der Familie Platz ein, die ihre Zweifel an dem Selbstmordtod ihres Sohnes anführen.