Türkische Presse Europa

06.08.2009 – Doppelbesteuerung, Türkischlehrer, Schalke-Hymne

Die Europaausgaben türkischer Tageszeitungen räumen der Kündigung des Doppelbesteuerungsabkommens mit der Türkei breiten Raum ein. Außerdem wird über das Problem mit türkischen Lehrern aus der Türkei, die in Deutschland Türkischunterricht lehrern, berichtet. Weitere Themen sind die Schalke-Hymne und diverse Themen Rund um Integration und Migration.

Doppelbesteuerungsabkommen mit der Türkei gekündigt
Deutschland hat am 21. Juli 2009 das Abkommen vom 16. April 1985 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen gekündigt. Die MILLIYET verkündet die Nachricht unter der Schlagzeile: „Doppelbesteuerungsshock“. Wenn die Länder kein neues Abkommen schließen, müssten drei Millionen Türken ihre Steuern doppelt abführen, so die MILLIYET.

Die SABAH trägt die Kündigung des Doppelbesteuerungsabkommens ebenfalls auf die Titelseite seiner Europabeilage und betont in der Überschrift, dass das Abkommen einseitig gekündigt wurde. Außerdem betont SABAH, dass ab dem 1. Januar 2011 Türken, die in Deutschland leben, in beiden Ländern Steuern zahlen müssen. Oliver Heyder-Rentsch, Sprecher des Ministeriums, habe gesagt, dass sich die Ökonomischen Verhältnisse zwischen beiden Ländern geändert hätten. Daher sei man der Ansicht, dass man eine Anpassung vornehmen müsse. Finanzminister Peter Steinbrück habe erklärt, dass die Türkei der Thematik nicht die notwendige Aufmerksamkeit schenke. Die Türkei habe keinen Schritt für die erforderlichen Verhandlungen gemacht. (wir berichteten [1])

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Türkische Lehrer bleiben
Unter dieser Überschrift gibt die MILLIYET die jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit türkischen Lehrern aus der Türkei wieder, die in Deutschland türkischunterricht erteilen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Maria Böhmer, habe erklärt, dass eine Änderung der entsprechenden Beschäftigungsverordnung vorgelegt worden sei. Damit sei der Weg frei, dass auch über den 31. Dezember 2009 hinaus, sogenannte Konsulatslehrkräfte nach Deutschland kommen können, um muttersprachlichen Unterricht zu erteilen.
Die TÜRKIYE räumt dieser Angelegenheit die Titelseite der Europabeilage ein und titelt erfreut: „Erfolg für Türkisch“. Nachdem sich Staatsministerin Maria Böhmer eingeschaltet habe, habe man die notwendigen Änderungen in der Beschäftigungsordnung vorgenommen und die Angelegenheit zur Zufriedenheit türkischer Organisationen gelöst.

Schalke-Hymne: Keine Beleidigung, sensibler hätte man sein können
Unter dieser Schlagzeile berichtet die ZAMAN über die Schalke-Hymne und lässt muslimische Vertreter sowie den Trainer vom türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul zu Wort kommen. Dabei wird betont, dass die Hymne von Schalke 04 unter Türken gelassen aufgenommen wurde und auch die Verbandsvertreter muslimischer Verbände hätten die Hymne nicht als beleidigend aufgefasst. Allenfalls, so die ZAMAN, hätten sie einen Mangel an Fingerspitzengefühl ausgemacht. Christoph Daum sei der Ansicht, dass die Strophe geändert werden müsse, wenn religiöse Gefühle verletzt würden.

Ismail Kul nimmt in seiner Kolumne Stellung zu dem bisherigen Diskussionsverlauf und resümiert, dass die Geschichte von den Medien hochgekocht wird. Die ZAMAN Redaktion habe, als sie Kenntnis von der Schalke-Hymne genommen habe, der Geschichte keine Bedeutung beigemessen. Mit Erstaunen habe Kul zur Kenntnis genommen, als er die Geschichte auf der Titelseite der Bild-Zeitung gelesen habe. Obwohl nur eine kleine Minderheit sich selbst mit solchen Geschichten aufstachelt, führe die mediale Berichterstattung dazu, dass in der Aufnahmegesellschaft der Eindruck erweckt wird, dass die Gesamtheit der Muslime überreagieren, keinen Spaß verstehen und man mit Muslimen eben nicht reden kann.

Fachkräftemangel soll mit Migrantinnen gemildert werden
Unter dieser Überschrift gibt die ZAMAN kurz die Worte der Bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer wieder, die die Ausbildung von Migrantinnen stärker fördern möchte, um den Fachkräftemangel zu lindern. Sie fordert, die Stärken von Migrantinnen besser zu nutzen und sie auch für die ehrenamtliche Arbeit zu gewinnen.

Die Sicherheit an den Auto-Strecken muss gewährleistet werden
Die TÜRKIYE gibt die Worte der EU-Parlamentarierin Emine Bozkurt wieder, die Bulgarien gerügt habe, die Sicherheit an den Autostrecken zu gewährleisten. In der Feriensaison wurden Fälle bekannt, wo Türkeiurlauber, die mit ihren Autos durch Bulgarien gefahren sind, überfallen wurden und knapp dem Tod entkommen sind.

Bayern legt Wert auf Ausbildung von jungen Migrantinnen
In ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause habe der Bayerische Landtag über die Ausbildungssituation von jungen Migrantinnen beraten. Es sei beschlossen worden, dass man mehr Wert auf deren Ausbildung legen müsse und entsprechend gefördert werden müsse. Außerdem sei über den Gesundheitszustand von Migrantinnen debattiert worden. Bayerns Beauftragter für Integration, Martin Neumeyer (CSU) habe Aufklärungskampagnen angekündigt. Hierüber berichtet die HÜRRIYET.

Angelegenheiten des Jenseits sind ein Teil der Integration
Unter dieser Überschrift berichtet die SABAH über ein Vorstoß der Grünen, die Bestattungsangelegenheiten als ein Teil der Integration betrachten. Daher müsse auch Muslimen die Möglichkeit gegeben werden, ihren Glaubensgrundsätzen nach bestattet zu werden. Daher hätten die Grünen in Gilching gefordert, ein muslimisches Friedhof zu errichten.

Extra-Mülltonne für die NPD
Amüsiert gibt die SABAH ein Vorstoß der Stadtverwaltung Sonneberg wieder, die für Flyer und Broschüren der rechtsextremen NPD sechs Mülltonnen in der Stadt aufgestellt hätte.

Dienstwagenaffäre weitet sich aus
Nach der Dienstwagenaffäre von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt sei nun bekannt geworden, dass auch weitere Politiker ihren Dienstwagen privat genutzt haben. Hierüber berichtet die ZAMAN ausführlich und gibt die jüngsten Erkenntnisse wieder.

Vorsicht beim einkaufen über das Internet
Die HÜRRIYET berichtet auf der Titelseite der Europabeilage groß über die Gefahren im Internet, wenn Verbraucher dort einkaufen.