Bundesverfassungsgricht

Verfassungsbeschwerde eines Theologieprofessors erfolglos

Das Bundesverfassungsgricht hat die Verfassungsbeschwerde des Theologen Prof. Gerd Lüdemann (1 BvR 462/06), seit 1983 Professor an der Theologischen Fakultät einer niedersächsischen Universität, abgewiesen. Er hatte sich vom christlichen Glauben öffentlich losgesagt.

Das Bundesverfassungsgerichts kam zu dem Ergebnis, dass der Ausschluss eines nicht mehr bekennenden Theologieprofessors aus der bekenntnisgebundenen Theologenausbildung durch die Zuweisung eines anderen Fachs mit der Wissenschaftsfreiheit vereinbar ist. Das kirchliche Selbstbestimmungsrecht und das Recht der Fakultät, ihre Identität als theologische Fakultät zu wahren und ihre Aufgaben in der Theologenausbildung zu erfüllen, durften im vorliegenden Fall höher bewertet werden als die Wissenschaftsfreiheit des Beschwerdeführers.

Der Beschwerdeführer ist seit 1983 Professor an der Theologischen Fakultät einer niedersächsischen Universität und war ursprünglich für das Fach „Neues Testament“ in Lehre, Forschung und Weiterbildung verpflichtet. Nachdem er sich vom christlichen Glauben öffentlich losgesagt hatte, wurde er verpflichtet, das Fach „Geschichte und Literatur des frühen Christentums“ zu vertreten. Sein Klageweg durch alle gerichtlichen Instanzen blieb jedoch erfolglos.

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Gerd Lüdemann erklärte am Mittwoch auf seiner persönlichen Homepage [1]: „Theologie an der Universität muss wie jede andere akademische Disziplin frei sein und darf nicht von wissenschaftsfremden Voraussetzungen ausgehen“.

Die Forderung verweist auf die aktuelle Diskussion in NRW. Dort hatten muslimische Verbände die Auswahl von Muhammad Sven Kalisch boykottiert, eines zum Islam konvertierten deutschen Wissenschaftlers, der muslimische Religionslehrer ausbilden sollte. Kalisch will die historisch-kritische Methode auf islamische Quellen anwenden und findet nach eigenen Worten keine Belege für die Existenz des Religionsstifters Mohammed. Die CDU-Fraktion ebenso wie eine Reihe prominenter Unterstützer fordert gegen den Widerstand der FDP, die Mitsprache der Verbände bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger zu begrenzen.