Alarmismus

Historiker Benz sieht Meldestellen für Antisemitismus kritisch

Antisemitismus © MiG

Meldestellen für antisemitische Vorfälle sind nach Überzeugung des Historikers Wolfgang Benz „Wasser auf die Mühlen der Alarmisten“. Antisemitismus nehme in Deutschalnd nicht zu.

Der Historiker Wolfgang Benz hat sich kritisch über Meldestellen für antisemitische Vorfälle geäußert. „Wir haben eine Polizei, diese ist zuständig für alle kriminelle Taten, dazu gehört Gewalt gegen Minderheiten und Volksverhetzung“, sagte der Antisemitismus-Forscher dem „Badischen Tagblatt“: „Warum brauchen wir dann speziell für antisemitische Vorfälle eine Meldestelle? Das ist Wasser auf die Mühlen der Alarmisten.“

Seit Anfang Februar können antisemitische Vorfälle bei einem bundesweiten Portal gemeldet werden. Die neue Plattform wird vom Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) betrieben und aus Mitteln des Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung unterstützt.

Antisemitismus nimmt nicht zu

Benz erklärte weiter, aus seiner Sicht nehme der Antisemitismus in Deutschland nicht zu. „Der manifeste Antisemitismus, den man messen kann, weil er sich in Propagandadelikten äußert, ist in den vergangenen Jahrzehnten unverändert geblieben, aber die Sensibilität ist größer geworden“, sagte der 77-Jährige, der bis 2011 an der Technischen Universität Berlin lehrte und dort das Zentrum für Antisemitismusforschung leitete: „Wir sind weniger gleichgültig.“

Der deutschen Politik bescheinigte der Historiker insgesamt einen angemessenen Umgang mit der deutschen Geschichte. „Ich bin gegen die Aktionisten, die nur klagen: Es wird alles schlimmer. Sie machen alles, was wir bisher erreicht haben, kaputt“, sagte er. Mit Blick auf Reden der AfD-Fraktion im Bundestag erklärte Benz allerdings: „Wenn die alten Phrasen gedroschen werden, wenn das alte Stroh noch mal durch die Strohmaschine gejagt wird. Wenn die Leute nichts lernen wollen, frage ich mich: Ist alle Aufklärung vergeblich?“ (epd/mig)

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