Arbeitsmarkt-Studie

Freiwillige für die Integration von Geflüchteten unersetzlich

Jobcenter © berlinframes @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Jeder vierte Geflüchtete, der seit 2015 nach Deutschland gekommen ist, hat inzwischen einen Job. Freiwillig engagierte Helfer haben bei der Integration in den Arbeitsmarkt maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg.

Von den rund 1,5 Millionen Geflüchteten, die seit 2015 in Deutschland sind, hat laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jeder Vierte mittlerweile Arbeit gefunden. Jeder Fünfte von Ihnen ist sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Weitere 100.000 Flüchtlinge werden in 2019 voraussichtlich eine Arbeit finden. Damit verläuft die Entwicklung der Arbeitsmarktsituation für diese Gruppe insgesamt gut, ordnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung diese Zahlen ein.

Aber viele hunderttausend Menschen beziehen Grundsicherung („Hartz IV“). Die IAB-Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass es fünfzehn Jahre dauert, bis Flüchtlinge als Gruppe bei der Arbeitsmarktintegration das Niveau anderer Einwanderer erlangen. Damit steht Deutschland am Anfang einer andauernden und komplexen Phase der Integration.

Lokale Beispiele

Wie kann vor diesem Hintergrund eine realistische Perspektive für die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt aussehen? Anhand von fünf lokalen Beispielen in den Regionen Hamburg, Potsdam, Dresden, Augsburg und im Schwalm-Eder-Kreis hat eine neue qualitative Studie einen Ansatzpunkt ermittelt: Freiwilliges Engagement ist ein erfolgversprechendes Instrument zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen.

Die freiwilligen Helfer begleiten die Geflüchteten oft zur Agentur für Arbeit und zu den Jobcentern. Sie helfen bei der Anerkennung von Bildungs- und Berufsabschlüssen, beim Erstellen von Lebensläufen und Bewerbungsunterlagen. Außerdem begleiten sie die Bewerber zu Vorstellungsterminen, helfen bei der beruflichen Orientierung und der Motivation, beständig bei der Sache zu bleiben. Freiwillige Helfer sind vor Ort für diese Prozesse oft unersetzlich.

Freiwillige Helfer auch künftig unverzichtbar

Gerd Placke, Experte für freiwilliges Engagement bei der Bertelsmann Stiftung, sagt: „Wir könnten mehr Menschen in Arbeit bringen, wenn diese Kraft noch aktiver in die bestehenden Arbeitsvermittlungs-Systeme eingebracht wird. Deutschland sollte das Engagement der freiwilligen Flüchtlingshelfer besser nutzen. Es wird künftig noch relevanter werden, weil die Geflüchteten mit ihren mittlerweile erworbenen Deutschkenntnissen für den Arbeitsmarkt vorbereitet sind und sich inzwischen besser im deutschen Alltag zurechtfinden.“

Die Leistungen freiwillig Engagierter bei der Unterstützung der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter werden der Studie zufolge von manchen Seiten unterschätzt. „Arbeitsverwaltungen und Arbeitsmarktforschung nehmen sie bisweilen nur am Rande zur Kenntnis oder bewerten sie zum Teil als weniger hilfreich“, kritisieren Experten. (epd/mig)

ArbeitsmarktDossier: StudienEhrenamtFlüchtlingeIntegration
Kommentare (0)
Kommentar schreiben