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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016
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Gemeinsames Feiern

Deutsche Weihnachtsbräuche auch bei Migranten beliebt

Ein beliebtes Vorurteil gegenüber Migranten lautet, dass sie sich nicht anpassen wollen. Dabei sieht die Realität anders aus. Gerade zur Vorweihnachtszeit wird dies deutlich, wenn alteingesessene Deutsche und Neuankömmlinge gemeinsam feiern.

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Weihnachtsmarkt © Gellinger @ pixabay.com (CC 0), bearb. MiG

Auch wenn der größere Teil der Migranten aus dem islamischen Kulturkreis kommt, ist ihnen Weihnachten nicht fremd. In vielen Ländern des Nahen Ostens, darunter in Syrien, wird Weihnachten ebenfalls traditionell gefeiert. Dazu ist den Menschen das Weihnachtsfest natürlich auch durch unzählige Hollywoodfilme vertraut – so wie Deutsche längst wissen, dass in den USA zu Thanksgiving Truthahn auf den Tisch kommt, ohne dass dieses Fest hierzulande gefeiert wird. Viele Migranten freuen sich deshalb sogar auf die Gelegenheit, Weihnachten zu feiern und die deutschen Bräuche kennenzulernen.

Als besonders völkerverbindend haben sich dabei die Weihnachtsmärkte mit ihrem Lichterglanz herausgestellt. Neben Verkaufsständen und heißen Getränken gibt es hier schließlich auch klassische Weihnachtsdekoration wie festlich geschmückte Weihnachtsbäume, Krippen und vieles mehr zu sehen. Auch der Nikolaus ist wohlbekannt: Schließlich stammte der später heiliggesprochene Nikolaus aus Myra in der heutigen Türkei. Die Nikolauskirche im heutigen Demre ist ein beliebtes Pilgerziel für gläubige Christen und touristische Attraktion für Urlauber an der türkischen Riviera.

Adventskalender steigern die Vorfreude

Der Adventskalender wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland erfunden und hat sich mittlerweile in die ganze Welt verbreitet. Zwar sollte er von Anfang an die Wartezeit auf Weihnachten verkürzen, doch ursprünglich fanden sich hinter den Fenstern noch fromme Bibelsprüche. Erst in den 50er-Jahren kamen Varianten mit Schokolade heraus. Heute ist selbst der mit kleinen Schokostückchen gefüllte Kalender schon wieder ein alter Hut. Nicht nur die Hersteller von Süßigkeiten überbieten sich mit immer üppiger gefüllten Adventskalender, längst sind auch andere Branchen dauf den Zug aufgesprungen und bieten Varianten mit Kosmetika, Parfümminiaturen und Spielzeug. Sogar Wettfreunde können in einem Casino-Adventskalender tagtäglich aufs Neue Präsente entdecken und Kochfreunde freuen sich über einen mit 24 verschiedenen Gewürzen gefüllten Adventskalender.

Migranten haben den Adventskalender nicht nur für sich selbst entdeckt, sondern auch adoptiert. So gibt es mittlerweile einen Ramadankalender, der gerade Kindern und Jugendlichen die 30-tägige Fastenzeit erleichtern soll. Die Türchen des „Iftarkalenders“ werden abends nach Sonnenuntergang beim Fastenbrechen geöffnet.

Ausländische Weihnachtsbräuche in Deutschland

Während der Nikolaus und der Adventskalender auf eine lange Tradition zurückblicken, kommen mit den Migranten auch neue Weihnachtsbräuche nach Deutschland. Vorreiter sind hier vor allem Schulen und Kitas, in denen die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund steigt. Bei gemeinsamen Weihnachtsfeiern bringen sie Spezialitäten aus ihren Heimatländern mit. Die koptischen Christen Ägyptens backen beispielsweise „kahk“-Plätzchen, die sie wiederum mit ihren islamischen Nachbarn gemeinsam haben: Diese backen sie zum Tag des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) am Ende des Ramadans. In Ägypten und Äthiopien ist es ebenfalls üblich, vor dem Weihnachtsfest zu fasten und das weihnachtliche Festmahl umso ausführlicher zu genießen.

Weihnachten baut Brücken

In unzähligen deutschen Gemeinden wird das Weihnachtsfest zum Brückenbau zwischen Deutschen und Neuankömmlingen genutzt. Zahlreiche Organisationen bemühen sich darum, beide Gruppen zusammenzuführen. Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) verschickt beispielsweise Informationspakete, mit denen sie Kirchengruppen, Vereinen und anderen Organisationen beratend zur Seite stehen wollen. Dies umfasst zum Beispiel Tipps für eine gemeinsame Mahlzeit und gemeinsame Aktionen wie Musizieren, Singen und Theateraufführungen, bei denen einheimische Kinder gemeinsam mit den Kindern der Migranten auf der Bühne stehen. Dazu sollen Berührungsängste abgebaut werden. Oft erfahren deutsche Gemeindemitglieder bei diesen Feiern erstmals etwas über die Migrationshintergründe und die Schicksale ihrer neuen Nachbarn.

Weihnachtsgeschenke und Spenden gerne gesehen

Wenn es etwas Weihnachtliches gibt, das Menschen in aller Welt verbindet, dann sind es die Weihnachtsgeschenke. Längst schenken sich auch Menschen in nichtchristlichen Ländern von Japan bis Marokko zu Weihnachten etwas. Auch viele muslimische Migranten in Deutschland schenken ihren Kindern etwas zu Weihnachten, damit der eigene Nachwuchs nicht mit leeren Händen dasteht, wenn die anderen Kinder nach den Weihnachtsferien mit neuem Spielzeug oder neuer Kleidung in die Kita oder die Schule kommen.

Damit auch die Kinder von neu angekommenen Asylbewerben nicht leer ausgehen, organisieren viele Gemeinden Sammel- und Spendenaktionen. Bürger können kleine Geschenke kaufen und verpacken oder Geld spenden, das dann für Geschenke genutzt wird. Geld wird in der Regel bevorzugt, da damit zielgerichteter Geschenke gekauft werden können, die den Kindern wirklich etwas bedeuten. Denn von Luxus und Notwendigkeiten haben sie oft ganz andere Vorstellungen als die heimischen Kinder. (dd)

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