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Mahatma Gandhi wurde vor 150 Jahren geboren

Winston Churchill empörte sich 1931 über den „aufrührerischen Fakir“, der „halbnackt“ und von gleich zu gleich mit dem Vertreter der englischen Krone zu verhandeln wagte. Zu Lebzeiten stieß Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948) bei vielen auf spöttische Ablehnung. Heute wird er über alle nationalen und religiösen Schranken hinweg als Friedensheiliger und Vorbild verehrt. Am 2. Oktober jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.

Der Rechtsanwalt, Menschenrechtler und Religionsphilosoph „Mahatma“ Gandhi war der geistige und politische Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung. Im Jahr 1947 erreichte sie mit seinem Konzept des gewaltfreien Widerstandes das Ende der britischen Kolonialherrschaft über Indien. Wenige Monate später, am 30. Januar 1948, wurde der bekennende Pazifist von einem fanatischen Hindu ermordet.

Als junger, in London ausgebildeter Rechtsanwalt war Gandhi so schüchtern, dass er in seiner ersten Gerichtsverhandlung in Bombay kein Wort herausbrachte. Später konnte er mit seinen Reden riesige Volksmassen in Bewegung setzen und allein durch seine Anwesenheit Gewaltexzesse verhindern.

Mensch mit Schwächen und Widersprüchen

In jungen Jahren zwang er seine Frau Kasturbai, als Unterwerfungsbeweis täglich die Toilette zu schrubben. Ihr Verzicht auf aggressive Reaktionen beschämte ihn so sehr, dass er daraus seine Idee der Gewaltlosigkeit entwickelte. Gerade deshalb erinnert man sich an den lächelnden Revolutionär nicht als Ikone, sondern als einen Menschen mit Schwächen und Widersprüchen.

In Südafrika – damals eine britische Kolonie – erlebte Gandhi am eigenen Leib die Rassendiskriminierung und begann als Rechtsanwalt für die indischen Arbeiter zu kämpfen, denen man unverschämt hohe Steuern auferlegte und das Wahlrecht nehmen wollte. Er organisierte gewaltlose Protestmärsche, wurde mehrfach inhaftiert, trat im Gerichtsaal als Ankläger des politischen Systems auf – und erlebte, dass die britische Kolonialmacht Stück für Stück vor dem internationalen Druck zurückwich.

Gewalt ein Zeichen von Schwäche

An seinen Überzeugungen hielt er eisern fest: Politische Aktionen brach er unverzüglich ab, wenn seine Anhänger vom Weg der Gewaltfreiheit abwichen. Denn Gewalt sei ein Zeichen von Schwäche, Furcht und Blindheit und werde ungerechte Verhältnisse niemals wirklich ändern.

Der hinduistische Begriff Ahimsa, Gewaltfreiheit, bedeutet nicht einfach Verzicht auf Gegenwehr. Gemeint ist Gewaltlosigkeit aus Stärke, aus Kraft durch das Bewusstsein, mit Gott eine Einheit zu bilden. So kann der Gewaltkreislauf durchbrochen werden. Am Ende steht, statt eines kurzlebigen Sieges und der Demütigung des Gegners, der ehrenvolle Kompromiss als Basis für ein neues Miteinander.

„Große Seele“

„Mahatma“ wurde Gandhi in Indien inzwischen genannt – „große Seele“. 1920 übernahm er die Führung der Partei „Indian National Congress“, die die Unabhängigkeit Indiens erreichen wollte. Gandhi entwickelte das Konzept der „Nichtkooperation“: Die Inder sollten der britischen Kolonialmacht einfach jede Zusammenarbeit verweigern und sie so hilflos machen.

Im Frühjahr 1930 zeigte sich an einem prägenden Beispiel der Erfolg seiner Überzeugungen: Die Briten verboten den Indern, Salz zu gewinnen, und die Steuern auf den in den Tropen lebensnotwendigen Stoff waren für die arme Bevölkerung nicht erschwinglich. Im legendären „Salzmarsch“ pilgerte Gandhi mit Tausenden Menschen 380 Kilometer weit zur Meeresküste, um dort einen Klumpen Salz vom Strand aufzuheben.

Verzicht auf Gewalt

In den nächsten Tagen taten Scharen von Menschen an allen Küsten Indiens dasselbe – überall wurde Salz gewonnen und steuerfrei verkauft. Obwohl die britische Polizei Tausende Inder verhaftete und brutal misshandelte und es zahlreiche Tote gab, verzichteten Gandhis Anhänger auf Gewalt.

Wieder einmal verhaftet, leitete Gandhi den Widerstand aus seiner Zelle. Weltweit attackierten liberale Politiker und Presseorgane die Härte, mit der die Briten gegen die ausgemergelten, unbewaffneten Freiheitskämpfer vorgingen. Im Jahr nach dem legendären Marsch räumte die britische Krone den indischen Küstenbewohnern das Recht ein, ihr eigenes Salz zu produzieren.

Mitten ins Herz

1947 schließlich ist das Ziel erreicht: Indien wird unabhängig. Aber das Land spaltet sich, in das größtenteils hinduistische Indien und das muslimische Pakistan. 1948 schießt ein hinduistischer Fanatiker Gandhi aus Hass auf seine Aussöhnungspolitik mitten ins Herz.

Er wolle ruhig sterben, hatte Gandhi einst gesagt, im Bewusstsein der Nähe Gottes und mit einem Gebet für seinen Mörder, falls jemand ihn töte. Nur dann werde man von ihm sagen können, er habe wirklich die Tapferkeit des Gewaltlosen besessen. (epd/mig)