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320.000 Kita-Plätze fehlen in der U3-Betreuung

Trotz einer wachsenden Zahl an Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahre gibt es in den Kindertagesstätten weiterhin eine Versorgungslücke in Deutschland. Wie aus einer am Freitag veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln hervorgeht, fehlen derzeit fast 320.000 U3-Plätze. Im Jahr 2014 hatte die Lücke noch bei 190.000 Plätzen gelegen. Diese Entwicklung begründet sich nach Angaben des IW damit, dass der Bedarf für Betreuungsplätze für Kleinkinder um rund 290.000 Plätze oder gut ein Drittel höher liege als 2014.

Ursache hierfür seien die gestiegene Geburtenzahl und die Einwanderung: Lebten Ende 2013 etwa zwei Millionen unter Dreijährige in Deutschland, waren es im vergangenen Jahr knapp 2,4 Millionen. Für Familien in Deutschland sei es zudem immer mehr zur Selbstverständlichkeit geworden, ihre Kinder bereits vor dem dritten Geburtstag betreuen zu lassen. So wünschten sich laut der Untersuchung im vergangenen Jahr fast 48 Prozent der Eltern von Kleinkindern, dass diese betreut werden. Vier Jahre davor waren es 42 Prozent gewesen. Seit 2013 haben Eltern für Kinder ab einem Jahr einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz.

Den für die Bereitstellung der Plätze zuständigen Kommunen sei diese Entwicklung durchaus bewusst, hieß es weiter. So hätten sie die Zahl der Betreuungsplätze für unter Dreijährige zwischen März 2014 und März 2019 um 155.000 auf 818.000 ausgebaut.

Größten Lücken in Bremen, RP und NRW

Die Betreuungslücke ist nach den Angaben in Bremen mit 20 Prozent am größten, gefolgt von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen (beide 18 Prozent). Am geringsten ist die Unterversorgung in Mecklenburg-Vorpommern (vier Prozent) sowie Sachsen-Anhalt und Thüringen (beide fünf Prozent). Insgesamt ist die Lage im Osten mit einer Betreuungslücke von knapp neun Prozent deutlich günstiger als im Westen (14 Prozent).

„Die Zahl der tatsächlich benötigten Kita-Plätze liegt aber deutlich höher, da unter Dreijährige, die von Tageseltern betreut werden, nicht in den Bedarf eingerechnet werden“, sagte IW-Wissenschaftler Wido Geis-Thöne. Der IW-Experte forderte von den Kommunen, beim Kita-Ausbau „nicht nachlässig“ zu werden. (epd/mig)