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Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im ersten Halbjahr

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) hat im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 404 antisemitische Vorfälle erfasst. Im Schnitt würden pro Tag zwei judenfeindliche Vorfälle bekannt, teilte die Recherchestelle am Donnerstag in Berlin mit. Der starke Anstieg des vergangenen Jahres habe sich zwar nicht fortgesetzt. Jedoch bleibe die Zahl der Fälle mit besonderem Gefährdungspotential für die Betroffenen hoch.

So registrierte RIAS zwischen Januar und Juni 13 Angriffe und 20 Bedrohungen, mehr als etwa 2016 oder 2017. Von Angriffen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen gegen privates Eigentum sowie verbalen und schriftlichen Äußerungen seien insgesamt 110 Einzelpersonen betroffen gewesen.

Übergriffe auf offener Straße

So wurde im Januar in Berlin-Mitte einer Frau, die im Bus auf Hebräisch telefoniert hatte, von einem Mann die Mütze so gewaltvoll vom Kopf gerissen, dass die Betroffene beinahe von ihrem Sitz fiel. Im Mai wurde in Friedrichshain-Kreuzberg eine weitere Frau, die ebenfalls auf Hebräisch telefonierte, in der U-Bahn als „Yahudi“ (arabisch: Jude) und „Babymörder“ beleidigt. Im Juni wurden in Pankow ein Kippa tragender Mann und seine Mutter als „Yahudi“ beschimpft und angespuckt.

Bei den Online-Vorfällen gab es demnach einen Rückgang von 40 Prozent. 224 Vorfälle passierten direkt oder im öffentlichen Raum. Die Anzahl rechter antisemitischer Vorfälle war mit 120 gleichbleibend hoch. RIAS-Berlin-Projektleiter Benjamin Steinitz sprach von einem „antisemitischen Grundrauschen“, dass mittlerweile den Alltag in Berlin präge. Weiterhin seien gerade Personen, die als jüdisch erkennbar seien, von Anfeindungen betroffen. (epd/mig)