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Umweltschützer beklagen zu zögerliches Handeln auf Klimagipfel

Der Klima-Sondergipfel der Vereinten Nationen hat in Deutschland ein verhaltenes Echo gefunden. Umweltorganisationen begrüßten zwar die Zusagen zahlreicher Staaten, ihre Klimapolitik zu intensivieren. Das Tempo der geplanten Maßnahmen reiche aber nicht aus, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen. Auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zeigte sich enttäuscht.

65 Staaten hätten in New York zugesagt, bis 2050 ihre Klimaziele zu stärken und Klimaneutralität erreichen zu wollen, erklärte David Ryfisch von der Umweltorganisation Germanwatch. Doch das gehe zu langsam. „Die Geschwindigkeit ist nicht ausreichend, das gilt genauso für das verabschiedete Klimapaket“, fügte er am Dienstag im Bayerischen Rundfunk mit Blick auf die Bundesregierung hinzu.

Bei dem Gipfel der Vereinten Nationen erklärten auch 10 Regionen, 102 Städte, 93 Unternehmen und 12 Investoren, bis 2050 klimaneutral werden zu wollen. Zu den Unternehmen gehören nach UN-Angaben die Deutsche Telekom und SAP. Ferner erkannten die Teilnehmer des Gipfels an, dass Aktivitäten zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius sofort beginnen müssten.

Müller enttäuscht

Entwicklungsminister Müller bezeichnete die Ergebnisse als unzureichend. „Von 197 UN-Mitgliedstaaten sind nur sieben auf Kurs, die selbst gesetzten Klimaziele zu erreichen“, sagte er der Tageszeitung „Augsburger Allgemeine“ (Mittwoch). „Es wurde deutlich, dass es eines mächtigen Umdenkens in der Weltgemeinschaft bedarf, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen“, fügte er hinzu.

Im Pariser Klima-Abkommen von 2015 war vereinbart worden, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, nach Möglichkeit auf höchstens 1,5 Grad. Müller mahnte eine neue Verantwortungsethik zwischen Industrie- und Entwicklungsländern an. „Nur Wutreden halten“, wie die schwedische Klima-Aktivistin Greta Thunberg es vor den UN getan habe, werde nicht weiterhelfen.

Lob für Thunberg-Rede

Die Co-Vorsitzende von Greenpeace International, Jennifer Morgan, lobte dagegen die emotionale Rede Thunbergs auf dem Gipfel. „Klimaschutz braucht mehr Wut, Klimaschutz braucht mehr Herz“, sagte Morgan im Deutschlandfunk. Wenn man die Aufrufe der Wissenschaft und die Dringlichkeit der Situation verstehe, sei es unfassbar, dass im Klimaschutz nicht mehr passiere. Radikalität sei notwendiger als früher.

Die Greeenpeace-Chefin zeigte sich überzeugt, dass auch viele Menschen, die nicht demonstrieren, die Klimaproblematik verstehen. Klimapolitik müsse nicht zu einer Spaltung der Gesellschaft führen, sagte sie. Die Politik müsse alle Menschen mitnehmen und die Maßnahmen so gestalten, dass ärmere Menschen nicht darunter leiden. Durch die Klima-Bewegung junger Menschen und die entschlossene Haltung von UN-Generalsekretär António Guterres habe sich die Ausgangssituation für den Klimaschutz verändert.

Druck auf die Länder

Ziel des eintägigen Gipfels am Montag in der UN-Zentrale war es, mit Blick auf die Weltklimakonferenz im Dezember in Chile den Druck auf alle Länder zu erhöhen, da der Kampf gegen die Erderwärmung zu scheitern droht. Auf dem Gipfel durften daher nur jene Politiker sprechen, die konkrete Vorhaben präsentierten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) berichtete von den Beschlüssen des deutschen Klimakabinetts.

Besonders ambitionierte Staaten wurden als Vorreiter herausgestellt. Regelmäßig soll überprüft werden, ob die Ankündigungen auch wahr gemacht werden. Zu den engagiertesten Staaten gehören derzeit vor allem jene, die als erste von der Erderwärmung betroffen sind, wie die Inselstaaten Bahamas, Fidschi und die Malediven.

Fluchtursache Klima

Hintergrund der aktuellen Bemühungen ist, dass die 2015 auf dem Pariser Klimagipfel von 195 Ländern ausgehandelte Vereinbarung bislang weltweit viel zu zögerlich umgesetzt wird.

Derzeit droht eine Erderwärmung um mehr als drei Grad Celsius. Von 2020 an sollen laut den Klima-Beschlüssen außerdem jährlich 100 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen die Erderwärmung in die armen Staaten fließen, damit die sich besser gegen Dürren, Überschwemmungen und schwere Unwetter wappnen können. Umweltkatastrophen und Klimaveränderungen gehören weltweit zu den Hauptgründen für Flucht und Migration. (epd/mig)