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Mutmaßlicher Lübcke-Mörder wollte auch Asylbewerber töten

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen einer weiteren Straftat gegen Stephan E., Beschuldigter wegen der Ermordung des früheren Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Die Bundesbehörde habe ein Ermittlungsverfahren der Kasseler Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts eines versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung übernommen, teilte der Generalbundesanwalt am Donnerstag in Karlsruhe mit.

Es gebe Anhaltspunkte, dass Stephan E. im Januar 2016 in Kassel-Lohfelden versucht habe, „einen irakischen Asylbewerber heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen zu töten“. Stephan E. solle sich dem Opfer unbemerkt von hinten genähert und ihm dann unvermittelt mit einem Messer in den Rücken gestochen haben. Durch den Stich habe der Geschädigte erhebliche Verletzungen erlitten, die eine intensivmedizinische Behandlung notwendig gemacht hätten.

Seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene

Ausschlaggebend für die Tat soll nach den Worten des Generalbundesanwalts die rechtsextremistische Weltanschauung des Beschuldigten gewesen sein. Deshalb betreffe die Tat den Staatsschutz. Wegen des Tatverdachts im Mordfall Lübcke war Stephan E. bereits am 2. Juli dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt worden. Seit dem 16. Juni befindet sich der Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Dort hatte er zunächst ein Geständnis abgelegt, es später aber widerrufen.

Stephan E. ist nach Angaben des Verfassungsschutzes seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene aktiv. Der 65-jährige Lübcke war am 2. Juni spätabends vor seinem Wohnhaus in Wolfhagen-Istha mit einem Kopfschuss getötet worden. Der CDU-Politiker war in rechten Kreisen verhasst, weil er eine humanitäre Aufnahme von Flüchtlingen befürwortete. (epd/mig)