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Migration und Integration in Deutschland

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Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Verband warnt vor Altersarmut

Immer mehr Menschen nutzen Lebensmittel-Tafeln

Die Tafeln in Deutschland vermelden einen deutlichen Nutzeranstieg um zehn Prozent. Dramatisch ist der Anstieg bei den Rentnern. Bei Flüchtlingen hingegen wurde ein Rückgang verzeichnet.

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Sortieren von Lebensmittelspenden. Berliner Tafel. © tafel.de / Dagmar Schwelle

Die Zahl der Lebensmitteltafel-Nutzer ist im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf aktuell 1,65 Millionen Menschen angestiegen. Besonders dramatisch sei der Anstieg bei den Senioren um 20 Prozent, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Tafel Deutschland, Jochen Brühl, am Mittwoch in Berlin. Völlig inakzeptabel sei auch die Zunahme von Kindern und Jugendlichen bei den Tafeln. Fast 50.000 junge Menschen mehr, ein Plus von zehn Prozent, sind demnach auf die Unterstützung mit Lebensmitteln angewiesen. Insgesamt liegt der Anteil von Kindern und Jugendlichen bei 30 Prozent der Tafel-Nutzer.

„Wir Tafeln sind eine Art Seismograph der Gesellschaft“, sagte Brühl und sprach von einer „alarmierenden Entwicklung“. Niedrige Renten seien nach Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund, eine Tafel aufzusuchen. „Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen“, warnte der Vorsitzende von Tafel Deutschland.

Weniger Flüchtlinge

Zugleich wüchsen mit aktuell 500.000 bedürftigen Kindern und Jugendlichen die „Altersarmen von morgen heran“. Es zeige sich immer deutlicher, auch Armut werde vererbt, sagte Brühl. Es sei gefährlich für die Gesellschaft, wenn sich ein Teil generationenübergreifend als abgehängt betrachte. Einen Rückgang hat es dagegen bei Flüchtlingen um sechs auf 20 Prozent gegeben.

Brühl kritisierte, diese Entwicklung sei seit zehn Jahren absehbar, seit vier Jahren würden die Tafeln darauf hinweisen – ohne ein Echo in der Politik. „Das Thema Armut braucht lösungsorientierte Vorschläge und muss ganz oben auf die politische Agenda gepackt werden“, forderte der Tafel-Chef.

Bundesweit 946 Tafeln

Bundesweit gibt es derzeit 947 Tafeln mit 60.000 Mitarbeitern. 90 Prozent der Mitarbeiter engagieren sich demnach ehrenamtlich. „Sie spenden 20,4 Millionen Stunden Zeit pro Jahr“, sagte Brühl. Bekämen sie Mindestlohn, entspreche das einem finanziellen Gegenwert von 180 Millionen Euro. Gleichzeitig gehe die Zahl der Ehrenamtsstunden leicht zurück.

Die Mehrheit der Helfer sind Frauen (61 Prozent) und Senioren (63 Prozent). 20 Prozent sind Bedürftige oder frühere Bedürftige. Nur sechs Prozent der Ehrenamtlichen sind unter 30-Jährige. Manches freiwillige Engagement scheitere schon am zu teuren Busticket, das sich mögliche Helfer nicht täglich leisten können, sagte Brühl. Auch deshalb fordert er staatliche Unterstützung für die Tafeln.

265.000 Tonnen Lebensmittel gerettet

Mit ihrem Engagement retteten die Tafeln gut 265.000 Tonnen Lebensmittel im Jahr, sagte Tafel-Geschäftsführerin Evelin Schulz. Doch es könnte noch mehr sein, denn vernichtet würden in Deutschland bis zu 18 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr. „Den Tafeln fehlt es aber an Geld für mehr Kühlfahrzeuge und Lagerkapazitäten – und vor allem brauchen sie mehr Helferinnen und Helfer“, sagte Schulz.

Bislang hätten die Tafeln bundesweit zehn kleinere und größere Logistik-Lager. Nötig wären mindestens zehn weitere Standorte. Der Unterhalt eines Logistikzentrums koste aber alleine an Betriebs- und Verwaltungskosten 50.000 Euro im Jahr. Die bundesweit erste Tafel wurde vor 26 Jahren, 1993, in Berlin gegründet. (epd/mig)

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