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Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Studie

Jeder vierte Berliner hat gruppenbezogene Vorurteile

Berlin wird einer Studie zufolge seinem Ruf als plurale Gesellschaft gerecht. Antisemitismus kommt dort vergleichsweise seltener vor. Es gibt aber auch Probleme: Flüchtlinge, Muslime sowie Sinti und Roma sind am häufigsten von Vorurteilen betroffen.

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Berlin © extranoise auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Berlin wird einer aktuellen Studie zufolge ihrem Ruf als plurale und multikulturelle Gesellschaft weitgehend gerecht. Doch es gibt auch Probleme: Flüchtlinge, Muslime sowie Sinti und Roma in Berlin sind am stärksten von Vorurteilen betroffen. Jeder vierte Berliner hat gruppenbezogene Vorurteile, heißt es in dem am Mittwoch präsentierten ersten „Berlin-Monitor 2019„.

Die Untersuchung zeige auch, dass viele Berliner selbst Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. So seien 29 Prozent einmal aufgrund ihres Geschlechts, 27 Prozent wegen ihrer Herkunft und zwölf Prozent wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität diskriminiert worden.

„Erfreulicherweise werden jedoch die meisten Vorurteile von der Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner deutlich zurückgewiesen, und die Verbreitung von Vorurteilen liegt unter den Vergleichswerten für das Bundesgebiet“, bilanzierten die Wissenschaftler. Berlin sei eine diverse und für Pluralität offene Stadt mit einem hohen Maß an zivilgesellschaftlichem und politischem Engagement.

Weniger Antisemitismus in Berlin

Trotz zahlreicher antisemitischer Vorfälle in Berlin sind der Studie zufolge unter der Berliner Bevölkerung antisemitische Einstellungen seltener verbreitet als im Bundesdurchschnitt. Der Aussage, „die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns“, stimmen in vergleichbaren Untersuchungen in Deutschland sechs Prozent manifest und elf Prozent latent zu. In Berlin seien es drei Prozent beziehungsweise sieben Prozent. Die Ergebnisse zeigten, dass jüdische Lebenswelten plural und Teil der Vielfalt Berlins sind. Die Bevölkerung der Stadt sei „nur in geringem Maße vorurteilsbehaftet und antisemitisch eingestellt“, so das Fazit.

Dennoch sei das Recht auf Gleichheit und Differenz für jüdische Berliner teils stark eingeschränkt, betonten die Forscher weiter. Jüdische Berliner seien nicht nur von Antisemitismus betroffen, sondern auch von unterschiedlichen Formen der Diskriminierung. Am häufigsten seien antisemitische Ressentiments unter älteren Menschen zu finden, während bei den jüngeren Jahrgängen die manifeste Zustimmung zu antisemitischen Aussagen fast gar nicht anzutreffen sei, heißt es in der Studie weiter.

Antisemitismus unter Migranten verbreiteter

Die Forscher gingen auch auf den oft kontrovers diskutierten Unterschied im Antisemitismus zwischen migrantischen Bevölkerungsteilen und Deutschen ohne Migrationshintergrund ein. „In unserer Untersuchung ist der Unterschied im tradierten Antisemitismus deutlich. Deutsche ohne Migrationshintergrund äußern seltener Ressentiments gegen Jüdinnen und Juden, als Berlinerinnen und Berliner mit Migrationshintergrund und ohne deutsche Staatsbürgerschaft“, heißt es in dem Bericht. Hier gebe es weiteren Forschungsbedarf.

Für die repräsentative Bevölkerungsumfrage zu politischer Kultur und Partizipation, gruppenbezogenen Vorurteilen und Diskriminierungserfahrungen seien von Anfang März bis Ende April dieses Jahres 2.005 Berliner ab einem Altern von 16 Jahren befragt worden. Erstellt wurde der „Berlin-Monitor 2019“ von der Universität Leipzig und der Universität Magdeburg-Stendal. Die Befragung soll künftig alle zwei Jahre stattfinden. (epd/mig)

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