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„Open Arms“-Flüchtlinge in Lampedusa an Land

Jubel und Erleichterung bei Flüchtlingen und Crew auf der „Open Arms“: In der Nacht zum Mittwoch konnten die 80 auf dem spanischen Rettungsschiff verbliebenen Migranten in Lampedusa an Land gehen. Die „Open Arms“ wurde beschlagnahmt. Unterdessen berichtete die Mannschaft der unter norwegischer Flagge fahrenden „Ocean Viking“ von Unruhe unter den 356 Flüchtlingen an Bord. „Sie müssen jetzt zu einem sicheren Ort gebracht werden“, verlangte die Crew am Mittwoch auf Twitter.

Im Fall der „Open Arms“ hatte die Staatsanwaltschaft von Agrigent aus humanitären Gründen das Anlegeverbot von Italiens Innenministers Matteo Salvini aufgehoben und angeordnet, die Flüchtlinge an Land zu bringen. Diese verließen in der Nacht das Schiff. Die Nachricht, dass die „Open Arms“ im Hafen von Lampedusa einlaufen soll, hatte an Bord für Jubel gesorgt. Auf Internet-Videos ist zu sehen, wie sich Crew und Flüchtlinge in den Armen liegen und das Ende der dreiwöchigen Odyssee feiern. Am 1. August hatte die „Open Arms“ 123 Menschen und später noch einmal 39 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet.

Die Crew twitterte am Mittwoch, die italienische Justiz habe nach gesundem Menschenverstand und Menschlichkeit entschieden. Die Organisation Proactiva Open Arms, die das Schiff betreibt, dankte dem Team für seinen Einsatz und sein Engagement auf „der schwierigsten Mission, die wir bisher erlebt haben“. Für die „Open Arms“ war es der 65. Einsatz.

Situation an Bord eskaliert

Am Dienstagabend hatte sich Staatsanwalt Luigi Patronaggio selbst ein Bild von der Lage auf der „Open Arms“ gemacht. Mit dem Hubschrauber war er nach Lampedusa geflogen. Nach seiner Inspektion hatte er umgehend angeordnet, das Schiff zu beschlagnahmen und die Flüchtlinge an Land zu versorgen.

Zuvor war die Situation an Bord eskaliert: Rund ein Dutzend Menschen sprangen am Dienstag ins Wasser, um zur Insel Lampedusa zu schwimmen, vor der die „Open Arms“ ankerte. Die italienische Küstenwacht konnte die Männer aus dem Wasser holen, einen Teil brachten sie Land. An Bord gab es nach Angaben der Crew Zusammenbrüche und Schwächeanfälle. Italien hatte in den Tagen davor einzig Schwangere und Verletzte und zuletzt unbegleitete Minderjährige von Bord geholt.

Salvini scharf angegriffen

Staatsanwalt Patronaggio ging mit seiner Entscheidung auf Konfrontation mit der Regierung: Wegen der wochenlangen Blockade der „Open Arms“ kündigte er Ermittlungen wegen Geiselnahme und unterlassener Hilfeleistung durch Behördenvertreter an. Damit zielte er auch auf Innenminister Salvini und dessen rigoroses Einfahrverbot für die „Open Arms“. Der schrieb auf Facebook, er habe keine Angst vor einem möglichen Verfahren, und bekräftigte, er sei „stolz darauf“, die Grenzen und die Sicherheit seines Landes zu verteidigen.

Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles hatte Salvini wegen des Einfahrverbots für die „Open Arms“ scharf angegriffen. Doch Spanien bot selbst drei Wochen lang keine Lösung für die „Open Arms“ an. Erst am Dienstag kündigte die Regierung in Madrid an, ein Marineschiff zur „Open Arms“ zu entsenden. Die „Audaz“ sollte in drei Tagen die „Open Arms“ erreichen und dann auf einer ebensolangen Rückfahr das Schiff nach Mallorca begleiten. Camps hatte zuvor eine dreitägige Reise unter Verweis auf die Zustände an Bord abgelehnt. Die „Audaz“ war laut der spanischen Tageszeitung „El País“ gerade abgefahren, als Patronaggio die Einfahrt anordnete.

In Spanien droht ein Verfahren

In Spanien drohen dem Hilfsverein Proactiva Open Arms nun juristische Schritte: Die spanische Regierung verbot dem Schiff von Januar bis April die Ausfahrt aus Barcelona. Die „Open Arms“ durfte schließlich ausschiffen, weil sie angab, humanitäre Hilfslieferungen auf die grieschichen Inseln Samos und Lesbos zu bringen, wie „El Pais“ schrieb. Ende Juni habe sich die Crew nach einer Konferenz in Neapel dann entschieden, nicht nach Griechenland, sondern vor die libysche Küste zu fahren, um Bootsflüchtlinge aufzunehmen. Fährt die „Open Arms“ nach Spanien zurück, könnte der Verein dem Bericht zufolge zu einem Bußgeld von über 900.000 Euro wegen „schwerwiegenden Verstoßes gegen Sicherheit des Seeverkehrs“ verurteilt werden. Kapitän Marc Reig drohen demnach fünf Jahre Haft.

Die mit Flüchtlingen überfüllte „Ocean Viking“ von „Ärzte ohne Grenzen“ und SOS Mediterranee sucht seit 9. August einen sicheren Hafen. (epd/mig)