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Migration und Integration in Deutschland

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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Kein Notgroschen

Wenn eilige Ausgaben warten: Was lässt sich tun?

Das Auto muss in die Werkstatt und dann geht auch noch die Waschmaschine kaputt. Statistisch gesehen – man spricht von Armutsrisiko- stellen solche Situationen insbesondere Alleinerziehende und Migranten vor finanzielle Probleme. Wie kann man sich trotzdem helfen?

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Arm © chris@APL @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM4. Juli 2019

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Die einen nennen es die Regel des Lebens, die anderen schlicht „Murphy’s Gesetz“. Welche Bezeichnung auch immer genutzt wird, so gibt es immer wieder diese eine Situation, in der alles zusammenkommt. Das Auto muss zur Reparatur, die Waschmaschine flutet den Raum statt die Wäsche, Rechnungen müssen jetzt endlich sofort beglichen werden und eigentlich ist erst Mitte des Monats und auf dem Konto herrscht längst Ebbe.

Menschen, die mit knappem Einkommen über die Runden kommen müssen, können in solchen Situationen oft verzweifeln. Statistisch gesehen sind Alleinerziehende und Menschen mit Migrationshintergrund die von Armut am häufigsten betroffenen Gruppen. Dennoch gibt es in solchen Situationen mehrere Möglichkeiten, sich selbst zu helfen oder Hilfe in Anspruch zu nehmen. Was also tun, wenn die Ausgaben wirklich eilig sind?

Verwandte fragen

Sind Verwandte oder auch gute Freunde in Deutschland oder im Heimatland vorhanden, können diese natürlich um Geld gebeten werden. Diese Möglichkeit ist häufig die beste, denn Freunde und Verwandte bieten meist einen größeren Spielraum bezüglich der Rückzahlung. Dennoch empfiehlt es sich, selbst mit den eigenen Eltern einen Vertrag abzuschließen:

  • Summe und Konditionen – der Vertrag braucht nicht viele Details enthalten, es genügt, die Summe und die jeweiligen Konditionen schriftlich festzuhalten.
  • Rückzahlung – auch, wenn die eigene Familie oder der Freundeskreis die Raten immer lockerer sieht, als eine Bank, so sollte sie eingehalten werden. Im Vertrag muss allerdings nicht stehen, wie hoch die monatlichen Raten sein sollen oder wann sie gezahlt werden müssen. Es reicht, die „monatlichen Raten von mindestens X Euro“ aufzuführen.

Vielen ist es unangenehm, ein privates Darlehen schriftlich festzuhalten. Letztendlich schützt es jedoch vor Unstimmigkeiten zwischen den Parteien. Wurde etwas festgehalten, dann gibt es keine Reibereien über etwaige Vereinbarungen oder Beträge. Übrigens ist es auch sinnvoll die Raten zu quittieren, sofern diese nicht überwiesen werden.

Einen Eilkredit nutzen

Auch Eilkredite helfen bei wichtigen Zahlungen. Um einen Eilkredit zu erhalten, müssen natürlich die üblichen Kreditvoraussetzungen vorliegen, doch gibt es bei dieser Art von Krediten teilweise einen Spielraum, sofern es sich nur um kleinere Beträge handelt. Aber wie funktioniert diese Kreditform? Ein Überblick:

  • Prüfung – die gesamte Kreditprüfung findet online statt. Müssen Unterlagen eingereicht werden, genügen hier auch virtuelle Dateien. Kontoauszüge, Gehaltsnachweise oder andere Sicherheiten können fotografiert oder eingescannt und direkt an den Anbieter gemailt werden.
  • Unterschrift – auch sie findet digital stat Der Kreditvertrag besteht aus einem online zu signierendem Dokument. Da der gesamte Postweg entfällt, ist die Vergabe deutlich schneller.
  • Auszahlung – sie profitiert vom Wegfall des üblichen Postweges. Je nach Anbieter und der Schnelligkeit, mit der man selbst Unterlagen einreicht, kann die Auszahlung schon Stunden oder wenige Tage nach der Kreditanfrage erfolgen.

Unabhängig davon, wie eilig es ist, so sollte dennoch bei jedem Kredit hingeschaut werden. Nicht ausschließlich seriöse Anbieter werben mit rasch ausgezahlten Krediten, auch Betrüger oder sogenannte Kredithaie sind längst auf die Masche aufgesprungen. Ein Eilkredit sollte im schlechtesten Fall den typischen Bankkonditionen unterliegen oder einen kleinen Aufpreis fordern. Angebote mit Zinskonditionen im zweistelligen Bereich, Abschlussgebühren oder gar Zusatzgebühren für eine schnelle Abwicklung sind nicht seriös und könnten im ärgsten Fall für Ärger sorgen.

Weitere Möglichkeiten

Nicht immer ist ein Kredit oder ein Darlehen überhaupt notwendig. Wichtig ist nur, dass Betroffene direkt aktiv werden, denn geschieht dies, dann lassen viele Gläubiger durchaus mit sich reden. Wird jedoch erst nach der dritten Mahnung Kontakt aufgenommen oder gar ein Schreiben des Inkassobüros abgewartet, dann sind nur noch wenige Unternehmen gesprächsbereit. Zudem kommt es auf die persönlichen Verhältnisse und die Art der eiligen Ausgabe an:

  • Autoreparatur – hier sind häufiger Vereinbarungen möglich. Diese beziehen sich jedoch nicht auf echte Ratenangebote, sondern darauf, dass die Rechnung in zwei oder drei Raten aufgeteilt wird. Je nach Werkstatt muss eine Sicherheit hinterlegt werden, das kann jedoch auch der Kfz-Brief sein.
  • Steuern – auch hier gibt es Möglichkeiten. Einmal kann eine Stundung beantragt werden, jedoch sind einige Finanzämter auch dazu bereit, die Gesamtsumme auf zwei Beträge aufzuteilen. Hierzu ist jedoch ein aktives Nachfragen gefordert, zudem darf die Summe nicht zu hoch sein. Beispiel: Es müssen 2.000 Euro gezahlt werden, die Frist ist am 20. des Monats. Wird sogleich nachgefragt, ist es oft möglich, einen Großteil der Summe zum 20. zu zahlen, den Rest nun direkt am Monatsanfang.
  • Rechnungen – auch sie können oftmals angezahlt und in Raten beglichen werden. Allerdings funktioniert dies nur, wenn aktiv nachgefragt wird und sogleich ein gewisser Rechnungsbetrag angeboten wird. Wer auf eine Rechnung über 200,00 Euro eine Anzahlung von 10,00 Euro bietet, der wird keine Chance haben.
  • Dispokredit – bei kleineren Summen eignet sich eventuell die Nutzung des Dispo. Dies funktioniert jedoch nur, wenn sichergestellt ist, dass er schnell ausgeglichen werden kann. Ist dies nicht der Fall, sind kleine Ratenkredite oder Minikredite sinnvoller und günstiger. Wer ohnehin dauerhaft im Dispo ist, der sollte den Dispo schnell mittels eines Ratenkredits umschulden.

Wichtig ist, sich nicht selbst in die Dispofalle zu begeben. Der Dispo sollte stets nur eine absolute Notlösung sein. Wird der Minusbetrag nicht rasch ausgeglichen, fallen hohe Kosten an, zudem verringert sich der Kontostand durch den ständigen Minusbetrag markant. Viele Überschuldungen starten mit dem Dispokredit. Eine Umschuldung mittels eines Ratenkredits ist stets sicherer. Müssen kurzzeitig Rechnungen gezahlt werden, sind feste Ratenkredite ebenfalls günstiger und sicherer, denn durch die verpflichtende Ratenzahlung fällt es vielen Menschen leichter, die Summe zurückzuzahlen. Der Dispo an sich läuft einfach mit – bis es zu spät ist.

Fazit – finanzielle Möglichkeiten bei eingeschränkten Mitteln

Nicht nur Migranten steht oft kein großer Notgroschen zur Verfügung. Häufen sich nun höhere Ausgaben und kommen noch Reparaturen hinzu, ist oftmals eine Finanzierung notwendig. Mittels Darlehen aus dem Familienkreis oder einem Eilkredit lassen sich die Kosten stemmen. Wichtig ist, nicht einfach auf einen Dispo zurückzugreifen, dafür aber selbst aktiv zu werden. Wer sogleich anfragt, ob eine Stundung oder das Aufteilen der Rechnung möglich ist, der erhält oft genug eine positive Antwort. (dd)

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