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Muslime gegen Kommissionsmodell zum islamischen Religionsunterricht

Die Pläne der nordrhein-westfälischen Landesregierung zum künftigen islamischen Religionsunterricht sind auf ein geteiltes Echo gestoßen. Vertreter von Kirchen, islamischen Verbänden und Gewerkschaften begrüßten am Dienstag in einer Ausschusssitzung des Düsseldorfer Landtags, dass der Religionsunterricht mittlerweile in etwa 250 Schulen angeboten wird. Islamverbände forderten in der Anhörung einen zügigen Abschluss der aktuellen Übergangsfrist und den Übergang in den Regelbetrieb. Islamische Organisationen sollten zudem als Religionsgemeinschaften anerkannt werden.

Derzeit gilt in Nordrhein-Westfalen eine Übergangslösung, die Ende Juli ausläuft. Islamischer Religionsunterricht wird seit 2012 im Rahmen eines Modellversuchs an Grundschulen und weiterführenden Schulen angeboten. An der Auswahl der Lehrer und der Erarbeitung der Lehrpläne wirkt ein achtköpfiger Beirat mit, der zur Hälfte aus muslimischen Wissenschaftlern und zur Hälfte aus Vertretern besteht, die das Schulministerium im Einvernehmen mit den islamischen Organisationen bestimmt.

Der Beirat soll nach dem Willen der Regierungsfaktionen CDU und FDP nun in eine Kommission umgewandelt werden. Über einen Antrag zum 14. Schulrechtsänderungsgesetz will Schwarz-Gelb die Übergangsfrist zudem bis Ende Juli 2025 verlängern. Die SPD setzt sich mit einem eigenen Antrag für eine Verlängerung nur um ein Jahr ein.

Kommissionsmodell in der Kritik

Die im Koordinationsrat der Muslime organisierten Islamverbände forderten in ihrer Stellungnahme eine schnellere Einführung des islamischen Religionsunterrichts als Regelfach. Kritik äußerten sie auch an der geplanten Kommission, die während der Übergangsfrist die Anliegen und Interessen des islamischen Organisationen gegenüber dem Schulministerium vertreten soll. Die Verbände meinen, das Land nehme damit Einfluss auf den Unterricht und verstoße gegen die Trennung von Staat und Religion.

Die evangelischen Kirchen und die katholischen Bistümer in NRW begrüßen, dass es weiterhin islamischen Religionsunterricht geben soll. In einer Stellungnahme verwiesen sie auf den „aufklärenden Beitrag zur Identitätsbildung und zur Prävention“, die der Religionsunterricht vermittle. Der Unterricht diene dazu, die Schüler in der eigenen Religion zu „beheimaten“, erklärten die Vertreter der christlichen Kirchen. In NRW gebe es weiterhin einen „Bedarf an einem Auf- beziehungsweise Ausbau islamischen Religionsunterrichts“.

19.400 Schüler im islamischem Religionsunterricht

Der Verband der Islamlehrer bezeichnete den islamischen Religionsunterricht in NRW als Erfolgsmodell. Allerdings würden die Islamlehrer bislang zu wenig in Entscheidungen des bisherigen Beirates eingebunden, der die Umsetzung des Unterrichts begleitet.

Im Schuljahr 2017/18 nahmen 19.400 Schüler an 234 Grundschulen und weiterführenden Schulen in NRW an islamischem Religionsunterricht teil. Landesweit gab es rund 415.000 Schüler muslimischen Glaubens. Seit dem Schuljahr 2018/19 wird islamischer Religionsunterricht auch an Berufskollegs angeboten, zwölf Schulen bieten das Fach an. Insgesamt 241 Lehrkräfte erhielten die staatliche Unterrichtserlaubnis und die religiöse Bevollmächtigung zur Erteilung des Unterrichts. (epd/mig)