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Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Studie

Klimaflüchtlinge eher willkommen als Wirtschaftsflüchtlinge

Klimaflüchtlinge werden in Deutschland weitaus mehr akzeptiert als Geflüchtete, die aus wirtschaftlichen Gründen ihr Land verlassen haben. Das zeigt eine Studie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

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Steppe in Nigeria (Symbolfoto) © Jeff Attaway @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Klimaflüchtlinge und politische Flüchtlinge werden deutlich stärker willkommen geheißen als Wirtschaftsflüchtlinge. Sie gelten jedoch als „legitime“ Flüchtlinge, da sie ihre Länder aus Gründen verlassen müssen, für die sie selbst nicht verantwortlich gemacht werden können. Das geht aus einer repräsentativen Online-Umfrage des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) hervor.

Die deutlich kritischere Einstellung gegenüber Wirtschaftsflüchtlingen halten Marc Helbling, Professor für Politische Soziologie an der Universität Bamberg, und Daniel Meierrieks, wissenschaftlicher Mitarbeiter der WZB-Abteilung Migration, für problematisch. Oft sei es schwierig, die Fluchtursachen genau voneinander zu trennen, weil der Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung der Länder stark beeinträchtigt.

Kaum öffentliche Debatten

Für ihre Studie haben die beiden Forscher in einer Umfrage im Juni 2018 über 1.000 Menschen mit deutscher Staatsangehörigkeit zu ihren Einstellungen gegenüber Geflüchteten befragt.

„Die positiven Einstellungen gegenüber Klimaflüchtlingen können auch damit erklärt werden, dass ihre Situation im Gegensatz zu anderen Flüchtlingsgruppen bislang kaum in öffentlichen Debatten thematisiert wurde“, so die Forscher.

Mit steigender Zahl nimmt die Unterstützung ab

Da der Klimawandel ein kontinuierlicher Prozess sei, führte er im Gegensatz zu kriegerischen Auseinandersetzungen noch nicht zu einem kurzfristigen, starken Ansteigen von Fluchtmigration. Klimaflüchtlinge würden daher als eher kleine Gruppe wahrgenommen. Die Unterstützung für Klimaflüchtlinge nehme jedoch stark ab, wenn die Teilnehmer der Umfrage darauf hingewiesen wurden, dass viele Experten der Meinung sind, in Zukunft würden relativ viele Menschen wegen veränderter Umweltbedingungen ihre Länder verlassen.

„Mit der Studie können wir erstmals zeigen, wie Menschen in Deutschland zu Klimaflüchtlingen stehen. Das ist wichtig, um beurteilen zu können, ob die westlichen Gesellschaften, die maßgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind, ihre Verantwortung wahrnehmen, aber auch wie sie mit Konflikten umgehen werden, die aus zunehmender Migration durch Klimawandel entstehen“, sagt Helbling. (mig)

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