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Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

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Was man als Spieler über Steuern wissen sollte

Wer keine Arbeitserlaubnis in Deutschland hat, landet mangels anderweitiger Erwerbsmöglichkeiten schnell bei Sportwetten. Doch die Gefahren des Verlustes sind groß, auch wenn man gewinnt, kann man schnell in die Falle tappen.

Finanzamt, Geld, Steuern, Schild, Sozialhilfe
Finanzamt © hrohmann @ pixabay.com (CC0)

DATUM21. Mai 2019

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RESSORTWirtschaft

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Die Zahl der Menschen ohne Arbeitserlaubnis lässt sich kaum Beziffern. Fakt ist, dass deren Zahl in die Hunderttausenden geht. Die meisten sind Flüchtlinge, die aus Not nach Deutschland gekommen sind und nicht arbeiten dürfen. Aus der dieser Not heraus suchen immer mehr Menschen nach Wegen, wie sie zu den dürftigen Sozialleistungen zusätzlich Taschengeld verdienen können. Immer beliebter werden hierbei Sportwetten. Mit kühlem Kopf und kalkuliertem Risiko versuchen immer mehr Menschen ihr Glück. Schließlich kann man eine Wette auch ohne Arbeitserlaubnis platzieren. Der Erfolg ist natürlich nicht garantiert, mit der richtigen Strategie lässt sich jedoch das Risiko in Grenzen halten und die Gewinnaussichten durchaus steigern. Dieser lukrative Gedanke treibt immer mehr Menschen in die Wettbüros.

Doch wie sieht es mit den gesetzlichen Regelungen für die Versteuerung von Gewinnen aus? Will Vater Staat ein Stück vom Kuchen abhaben oder können die Spieler ihre Gewinne komplett selbst behalten? Immer wieder kommt es bei dieser Frage zu Unsicherheiten, spätestens seit der Gesetzesänderung aus dem Jahr 2012. Gerade Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland ziehen, sollten die geltenden Regelungen kennen, um keinen Gesetzesverstoß zu begehen.

Gewinne aus Sportwetten sind steuerfrei, aber…

Die gute Nachricht vorneweg: Gewinne aus Sportwetten sind grundsätzlich steuerfrei. Hierfür gibt es einen einfachen Grund. Wenn der Staat die Gewinne aus Sportwetten versteuern würde, könnten die Spieler ihre Verluste ebenfalls geltend machen. Da aber mehr Menschen verlieren als gewinnen, wäre das für den Staat ein Verlustgeschäft. Aus diesem Grund erhebt er keine Steuern auf die Gewinne. Ein weiterer Grund ist, dass Sportwetten nicht zu den sieben Einkunftsarten gehören. Hierzu zählen nämlich nur Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus selbstständiger Arbeit, aus nicht-selbstständiger Arbeit, aus Gewerbebetrieb, aus Kapitalvermögen, aus Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Einkünfte im Sinne des § 22.

Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass der Staat im Jahr 2012 eine Sondersteuer erhoben hat. Diese verpflichtet die Wettanbieter zur Abgabe eines bestimmten Satzes. Von dieser neuen Regelung gibt es keine Ausnahmen. Selbst wenn der Wettanbieter im Ausland sitzt, muss die Abgabe gezahlt werden, wenn die Spieler ihren Wohnsitz in Deutschland haben. Wer also nach Deutschland einwandert, muss sich bewusst machen, dass für ihn dann die deutschen Gesetze in Bezug auf Sportwetten greifen. Ebenso gelten die Regelungen für Wetteinsätze am PC ebenso wie für Wetteinsätze per App. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit denen sich die Wettsteuer umgehen lässt.

Die Gesetzesänderung aus dem Jahr 2012

Um an den Gewinnen, die im Rahmen von Sportwetten erzielt werden, ebenfalls zu verdienen, hat der Staat im Jahr 2012 eine Sondersteuer ins Leben gerufen. Diese ist als „Wettsteuer“ bekannt und wurde im Rennwett- und Lotteriegesetz (RennwLottG) festgehalten. Diese Sondersteuer besagt, dass die Wettbüros 5% aller Einsätze der Spieler an den Staat abgeben müssen. Je nachdem, wie viele Menschen mitmachen und wie hoch die Einsätze sind, kommen hierbei teilweise recht hohe Summen zustande. Denn die Regelungen gelten nicht nur für die Deutschen selbst, sondern auch für alle, die hierherziehen und einen festen Wohnsitz in Deutschland haben. Für den Staat ist das ein lukratives Geschäft. Allein mit dieser Sondersteuer nimmt er jährlich etwa 1 Milliarde Euro ein.

Da die Regelung ausschließlich für den deutschen Markt gilt, haben die Wettbüros und Wettanbieter nun verschiedene Möglichkeiten, auf die Sonderabgabe zu reagieren. Zum einen können sie sich ganz aus dem deutschen Markt zurückziehen, was allerdings den Verlust einer großen Zahl potenzieller Kunden bedeuten würde. Zum anderen können sie die Steuer entrichten. Einige Wettanbieter zahlen die Steuer selbst, andere behalten sie vom Gewinn oder der Einzahlung der Spieler ein. Somit wirkt sie sich indirekt auf deren Spiel aus. Nicht zuletzt ist es möglich, die Sonderabgabe in die Wettquote einzurechnen und diese entsprechend anzupassen.

Die Auswahl der passenden Anbieter

Aufgrund dieser Sonderabgabe ist es für Menschen, die Sportwetten platzieren möchten, wichtig, einen umfassenden Vergleich der einzelnen Anbieter durchzuführen. Hieran müssen sich Menschen, die nach Deutschland einwandern, erst gewöhnen, da in vielen anderen Ländern abweichende Regelungen gelten. Unter anderem stehen Anbieter zur Wahl, die die Abgabe komplett selbst übernehmen, während andere die Kosten an die Nutzer ihres Angebots weitergeben. Tendenziell geht die Zahl der Anbieter, die die Abgabe übernehmen, zurück. Das liegt daran, dass sie sich gerade bei großen Wettbüros teilweise auf Beträge in Millionenhöhe summiert. Der Anbietervergleich ist daher wichtig, um diejenigen zu finden, bei denen die Abgabe nicht indirekt von den Spielern getragen werden muss.

Allerdings darf nicht allein die Sonderabgabe in den Blick genommen werden. Denn einige Anbieter passen aufgrund der Sonderabgabe ihre Quoten an. Das wirkt sich gelegentlich stärker auf den Gewinn aus als die Abgabe selbst. Ein Beispiel. Wer bei einer Quote von 2,00 100 Euro einsetzt, bekommt nach Abzug von 5% von dem Gewinn von 200 Euro immerhin noch 190 Euro ausgezahlt. Wer hingegen bei einer Quote von 1,80 100 Euro einsetzt, gewinnt lediglich 180 Euro, obwohl keine Abgabe zu zahlen ist. Deswegen muss bei der Auswahl der passenden Anbieter immer geprüft werden, ob die Abgabe negative Auswirkungen auf die Quote hat. Abgesehen von der steuerlichen Komponente gibt es natürlich noch, insbesondere in Bezug auf Online Casinos, weitere wichtige Punkte.

Welche Regeln gelten für Berufsspieler?

Eine Ausnahme bei der Versteuerung von Sportwetten gilt für Berufsspieler, ganz gleich, ob diese aus Deutschland stammen oder hierhergezogen sind. Diese müssen ihre Gewinne nämlich beim Finanzamt anmelden und darauf Steuern zahlen. Allerdings ist nicht letztgültig geklärt, was genau unter einem Berufsspieler zu verstehen ist. Als Richtschnur gilt aber: Wenn eine Person über das Jahr verteilt 50% ihres Einkommens ausschließlich aus Sportwetten bestreitet, gilt sie als Berufsspieler. Deswegen ist es kein Problem, wenn einmal bei einer Sportwette ein hoher Gewinn erzielt wird. Als Berufsspieler gilt jemand erst dann, wenn die Gewinne regelmäßig eingehen und alle sonstigen Einkommensarten deutlich übersteigen. In diesem seltenen Fall ist es nötig, als Berufsspieler ein Gewerbe anzumelden und auf die erzielten Gewinne Steuern zu zahlen.

Fazit: Der richtige Umgang mit der Versteuerung von Sportwetten

Grundsätzlich hat die Versteuerung von Sportwetten keine Relevanz für Spieler. Wetten dieser Art sind auch im Internet legal und auf die erzielten Gewinne fallen keine Steuern an. Diese Regelungen gelten für alle Spieler mit festem Wohnsitz in Deutschland. In der Praxis kann es aber sehr wohl sein, dass sich die vom Staat erhobene Sondersteuer auf das individuelle Spiel auswirkt. Das ist nämlich dann der Fall, wenn man Berufsspieler ist oder der Wettanbieter ihre Quoten aufgrund der Abgabe nach unten hin anpassen oder die Abgabe direkt an die Nutzer ihres Angebots weitergeben. Vor allem wenn man regelmäßig spielt und gewinnt, sollte man prüfen lassen, ob man als Berufsspieler gilt und steuerpflichtig ist. Gerade bei Ausländern ohne Aufenthaltstitel könnte sich ein Steuervergehen negativ auf den weiteren Verbleib in Deutschland auswirken. (dd)

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