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Werdender Vater vor hochschwangeren Partnerin abgeschoben

Eigentlich sollte der vergangene Dienstag ein entspannter Tag werden für Sami S. (Name geändert) und seine hochschwangere deutsche Partnerin. Doch er wurde zum Alptraum. Sie waren pünktlich zum Termin in der Ausländerbehörde Weimar erschienen. Zuvor war Sami S mitgeteilt worden, dass seine Duldung verlängert werden würde.

Die Behörde wartete jedoch mit einer Überraschung auf: Statt Sami S. das neue Aufenthaltspapier auszustellen, wurde der werdende Vater vor den Augen seiner Partnerin von der Polizei abgeführt. Er wurde im Rahmen des sogenannten Dublin-Verfahrens nach Frankreich abgeschoben.

Missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung unterstellt

Aufgrund der Stresssituation verschlechtertet sich der Gesundheitszustand der Schwangeren unmittelbar vor Ort. Noch in der Ausländerbehörde wurde der Notarzt gerufen. Die Frau befindet sich seitdem in stationärer Behandlung.

Zuvor hatte das Jugendamt Erfurt dem Paar mit Schreiben vom 5. März eine mögliche „missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung“ unterstellt. Die vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung setzte das Amt aus. Die Ausländerbehörde versicherte mit Schreiben vom 8. April jedoch, Sami S. und seine Partnerin sollten die Möglichkeit bekommen, die „Belange bis 4 Wochen nach der Geburt des Kindes in der Ausländerbehörde zu klären“. Sie sollten mittels DNA-Test die Vaterschaft belegen, wozu das Paar auch bereit war.

Familie kurz vor der Geburt auseinandergerissen

Demnach hätte nach geltendem Recht dem werdenden Vater bis zur Klärung der Vaterschaft seine Duldung verlängert werden müssen. Tatsächlich bereitete die Ausländerbehörde im Hintergrund seine Abschiebung vor.

Ellen Könneker vom Flüchtlingsrat Thüringen e.V. ist entsetzt über das Vorgehen der Ausländerbehörde. „Einerseits wurde der werdenden Familie eine Sicherheit vorgegaukelt, um den werdenden Vater dann unverhofft abzuschieben. Anderseits wurden das Wohl und die Gesundheit der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes durch den vorgeburtlichen Stress erheblich gefährdet und eine werdende Familie kurz vor der Geburt auseinandergerissen“, so Könneker.

Flüchtlingsrat: Schikanöse Verwaltungspraxis

Der Flüchtlingsrat fordert jetzt die sofortige Rückholung des werdenden Vaters aus Frankreich. Außerdem verlangt sie die „unverzügliche Einstellung einer derartig schikanösen Verwaltungspraxis“ bei der Weimarer Ausländerbehörde.

Wie Könneker dem MiGAZIN mitteilte, handelt es sich hier um keinen Einzelfall. Dem Flüchtlingsrat seien mindestens zwei weiteren Fälle bekannt, wo Menschen unter falschen Vorzeichen in die Ausländerbehörde Weimar bestellt wurden. (mig)