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Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken … an ihrem Arbeitsplatz wie verrückt arbeiten und dadurch die Akkordsätze verderben.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Flucht aus Venezuela

Einwohner wenden sich wegen Hyperinflation Kryptowährungen zu

Die wirtschaftliche Krise hat Venezuela in extreme Schwierigkeiten gebracht – mittlerweile so weit, dass viele Menschen aufgrund der prekären Situation aus dem Land fliehen, aus Not Rätsel lösen und dabei Kryptowährung verdienen.

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Die venezuelanische Flagge © anyulled @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Venezuela befindet sich in einer Ausnahmesituation: Die wirtschaftliche Krise hat das Land in extreme Schwierigkeiten gebracht – mittlerweile so weit, dass viele Menschen aufgrund der prekären Situation aus dem Land fliehen. Staatspräsident Maduro versucht die Bevölkerung im Land zu halten und das Land nach außen abzuschotten – erst diese Woche hat er wieder internationale Hilfslieferungen zugelassen. Und auch wirtschaftlich hat Maduro eigene Ideen: So hat er beispielsweise versucht, mit einer eigenen Kryptowährung für Stabilität zu sorgen, ist mit dem Experiment aber gescheitert. Die Südamerikaner haben sich gegen den „Petro“ und für den Bitcoin entschieden.

Die digitale Währung Petro, die für Stabilität hätte sorgen sollen, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Der Bitcoin befindet sich hingegen wieder auf der Erfolgsspur – glaubt man den neuesten Prognosen, so könnte die Kryptowährung gegen Ende des Jahres wieder an der 20.000 US Dollar-Marke kratzen. Man sollte also, wenn man in den Bitcoin investieren will, Krisenherde im Auge behalten.

Inflation lag gegen Jahresende bei 1.300.000 Prozent

Venezuela befindet sich in einer Hyperinflation. Die höchste Banknote hat einen Wert von rund 15 US Cent. In Venezuela funktionieren fast keine Geldautomaten mehr, die Geschäfte lehnen kleinere Banknoten ab – aktuell ist es kaum möglich, mit dem Bolivar, der Staatswährung Venezuelas, seine Einkäufe zu bezahlen.

Die Hyperinflation hat dazu geführt, dass die Wirtschaft kurz vor dem Zusammenbruch steht – so wie auch die Gesellschaft. Die verzweifelten Bürger wenden sich an den US Dollar, den Euro, den brasilianischen Real wie auch an den kolumbianischen Peso, damit sie Nahrungsmittel kaufen können. Viele Südamerikaner greifen auch auf die Kryptowährung Bitcoin zurück. Aber nicht nur der Bitcoin wird genutzt – viele Venezolaner verwenden auch zum Teil bizarre Kryptowährungen, um Essen oder auch sonstige Dinge, die man für den täglichen Bedarf braucht, zu kaufen.

So befassen sich viele Venezolaner mit der Kryptowährung Nano (vormals: Raiblock). Dies deshalb, weil hier der Weg der Null-Gebühr-Methode eingeschlagen wurde.

Nano statt Petro

Besonders merkwürdig ist der Umstand, dass der Nano, verglichen mit anderen digitalen Währungen, die durch das sogenannte „Mining“ oder auch über „Aidrop“-Distributionen ausgegeben werden, kostenlos weitergegeben wird, sofern die Nutzer „Captchas“ lösen. Dabei handelt es sich um die Überprüfung, ob es sich um einen Menschen oder Bot handelt.

Die Captchas werden auf „faucets“ gehostet. Hier handelt es sich um eine Webseite, auf der man kostenlose Token erhält, sofern der Vorgang erfolgreich abgeschlossen wurde. „Es gibt extrem viele Venezolaner, die natürlich daran arbeiten, die Captchas zu lösen, damit sie Nano verdienen. Dadurch ist eine Gemeinschaft entstanden, die sich gegenseitig unterstützt“, so Fabián Escalona, selbst Mitglied dieser Gemeinschaft, gegenüber der Asia Times.

„Führt man heute Transaktionen mit Kryptowährungen durch, so muss man immer eine geringe Gebühr bezahlen. Doch wenn man sich für Nano entscheidet, so ist die Transaktion nicht nur schnell, sondern auch gebührenfrei. Das muss auch so sein, wenn wir eine globale Währung wollen. Sie muss schnell und auch gebührenfrei zur Verfügung stehen. Warum? Weil es bestimmte Regionen auf dem Planeten gibt, in denen 20 Cent schon extrem viel Geld sind. In solchen Regionen wäre eine gebührenfreie Kryptowährung besonders wichtig“, so Escalona.

Petro sorgt für keine Stabilität

Laut Reuters liegt der Mindestlohn in Venezuela bei 18.000 Bolivar. Zieht man den aktuellen Wechselkurs der Regierung heran, so sind das 6 US Dollar. Jedoch zählt in Venezuela der Straßentarif – das heißt, man spricht in Wahrheit von 10 US Cent.

Im letzten Jahr haben auch viele Rentner ihre monatliche Rente in Petro, der viel kritisierten Kryptowährung Venezuelas, ausbezahlt bekommen. Venezuela hat sich nämlich, wie auch Russland oder der Iran, in Krypto verwandelt, um so die Wirtschaftssanktionen der Amerikaner, die den Öl-Export behindern, zu umgehen. Die Kryptowährung Petro, die angeblich Unterstützung durch die Ölreserven Venezuelas erfährt, ist jedoch wertlos. Der Petro könnte zwar als Handelsmechanismus dienen, jedoch ist die Währung derart instabil, sodass damit keine Einkäufe getätigt werden können.

Die Stabilisierung des Landes, die durch die Kryptowährung hätte erfolgen sollen, schlug somit fehl. Vor allem auch deshalb, weil die Kryptowährung nirgendwo auffindbar ist. Somit ist Petro mehr in die Kategorie „Der Unsichtbare“ einzuordnen und nicht mit Superman zu vergleichen. Staatspräsident Maduro sprach nach der Einführung nämlich davon, Petro sei derart stark, um es problemlos mit dem Comic-Helden aufnehmen zu können. Nun braucht er vermutlich einen wirklichen Superman, der einen Weg findet, die Flucht aus dem Land zu stoppen. (dd)

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