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Bundeswehr

Jüdische Seelsorger und Imame kümmern sich künftig um Soldaten

In der Bundeswehr sollen künftig auch Militär-Rabbiner und Militär-Imame die Soldaten seelsorgerlich begleiten. Das kündigte das Verteidigungsministerium an. Damit beendet es eine jahrelange Diskussion.

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Soldaten (Symbolfoto) © 30th MED @ flickr.com (CC 1.0), bearb. MiG

Für jüdische Soldaten in der Bundeswehr soll es künftig Militär-Rabbiner geben. Wie das Bundesverteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mitteilte, soll für den Anfang eine „niedrige einstellige Zahl“ an Rabbinern eingestellt werden, um Erfahrungen zu sammeln. Dafür soll ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik und dem Zentralrat der Juden in Deutschland verhandelt werden, wie es ihn auch für die Militär-Seelsorge der Kirchen in der Bundeswehr gibt. Damit würde es erstmals seit 100 Jahren wieder jüdische Militär-Seelsorger in der deutschen Armee geben.

Man wolle auch jüdischen und muslimischen Soldaten geistliche Begleitung ermöglichen, erklärte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus, religiöse Polarisierung und Engstirnigkeit vielerorts auf dem Vormarsch sind, ist das ein wichtiges Signal“, sagte sie.

Zentralratspräsident Josef Schuster begrüßte das Vorhaben: „Die Berufung von Militärrabbinern ist ein Zeichen für das gewachsene Vertrauensverhältnis der jüdischen Gemeinschaft in die Bundeswehr als Teil unserer demokratischen Gesellschaft.“ Der Zentralrat veranstaltet seit Mittwoch eine Tagung zur Frage der Militär-Rabbiner in Berlin, zu der kurzfristig auch von der Leyen zugesagt hatte.

Religiös plurale Seelsorge

Mit der Ankündigung des Verteidigungsministeriums endet ein jahrelanges Ringen um die Frage, wie in der Bundeswehr eine religiös plurale Seelsorge für Soldatinnen und Soldaten unterschiedlichen Bekenntnisses angeboten werden kann. Auch die evangelische Militärseelsorge begrüßte die Entscheidung des Ministeriums.

„Zum Glück ist ein lange währendes Vorhaben endlich zum Ziel gekommen und die Pluralisierung der Seelsorge ein gutes Stück weiter“, sagte der Sprecher des evangelischen Militärbischofs Sigurd Rink, Roger Töpelmann, am Dienstag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienst. Sieben Jahre lang hatte das Verteidigungsministerium geprüft, wie eine Einbindung von Militär-Rabbinern und Militär-Imamen möglich ist.

Antisemitismusbeauftragter fordert jüdische Seelsorge bei der Polizei

Der Beauftragte für jüdisches Leben in Deutschland, Felix Klein, begrüßte die Zusage der Bundesregierung und forderte zugleich jüdische Seelsorger auch für andere Bereiche. „Aus meiner Sicht sollten diesem positiven Schritt nun weitere folgen“, sagte Klein dem „Evangelischen Pressedienst“. „Jüdische Seelsorge sollte auch bei der Bundespolizei sowie bei den Landespolizeien eingerichtet werden“, ergänzte er. Er wolle dazu in den kommenden Tagen Gespräche im Bundesinnenministerium und mit den Bundesländern führen.

„Dies ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Verankerung jüdischen Lebens als selbstverständlicher Teil der gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland“, begrüßte Klein die Entscheidung der Ministerin. Es handele sich zudem um einen großen Vertrauensbeweis der jüdischen Gemeinschaft. „Dass der Zentralrat der Juden in Deutschland überhaupt den Wunsch nach der Einrichtung einer jüdischen Militärseelsorge bei der Bundeswehr formuliert, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen“, sagte der Beauftragte der Bundesregierung, der auch für den Kampf gegen Antisemitismus zuständig ist.

Militär-Imame über Gestellungsverträge

Die Frage nach Militär-Imamen gestaltet sich allerdings komplizierter, weil islamische Religionsgemeinschaften anders als die Kirchen und der Zentralrat der Juden nicht als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt sind. Es gebe keinen Dachverband wie der Zentralrat der Juden oder die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), mit dem ein Staatsvertrag geschlossen werden könne, erklärte das Ministerium. Die vier größten islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland sind in dem Dachverband „Koordinationsrat der Muslime“ zusammengeschlossen, der von der Politik jedoch nicht anerkannt wird.

Muslimische Geistliche sollten daher über sogenannte Gestellungsverträge an die Bundeswehr gebunden werden. Das bedeutet, dass der Staat mit einem einzelnen Verband ein Abkommen über die Kooperation bei der seelsorgerlichen Betreuung schließt. Auch hier plant das Ministerium mit einer „niedrigen einstelligen“ Anzahl Geistlicher. Voraussetzung soll sein, dass sie ihre theologische Ausbildung in Deutschland absolviert haben, Deutsch sprechen und Seelsorge-Erfahrung haben. Mit welcher Religionsgemeinschaft das Abkommen geschlossen werden soll, blieb zunächst offen. Es müssten Imame eingesetzt werden, die bei Muslimen Akzeptanz finden.

Die Zahl jüdischer Soldaten wird nach Ministeriumsangaben auf 300 geschätzt, die muslimischer Militärangehöriger auf 3.000. Es handelt sich um Schätzungen, weil die Angabe der Religionszugehörigkeit freiwillig ist. Die Zahl evangelischer Soldaten liegt demnach bei rund 53.000, die der katholischen bei etwa 41.000. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Ute Plass sagt:

    „Dies ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Verankerung jüdischen Lebens als selbstverständlicher Teil der gesellschaftlichen Vielfalt in Deutschland“, begrüßte Klein die Entscheidung der Ministerin.“

    ‚Kriegseinsätze‘ zur ‚Verankerung jüdischen Lebens‘???



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