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Integrationskurse

Mehr Einwanderer scheitern am Deutsch-Test

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Viele Einwanderer bestehen den Deutsch-Test in ihrem Integrationskurs nicht. Auch beim zweiten Anlauf klappt es nicht immer. Die AfD sieht darin Hinweise auf „Integrationsunwilligkeit“, die Linken sehen Mängel im Integrationskurssystem.

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Integrationskurs © cdsessums auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Im vergangenen Jahr haben weniger Einwanderer den Deutsch-Test im Rahmen von Integrationskursen bestanden als noch im Jahr zuvor. So schlossen 2018 insgesamt 45 Prozent der Teilnehmer den Kurs nicht erfolgreich ab, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministers auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervorgeht, die dem „Evangelischen Pressedienst“ vorliegt. Von rund 202.000 Männern und Frauen bestanden 93.500 den Test nicht. Im Jahr 2017 hatte diese Quote noch bei 40 Prozent gelegen: Damals fielen nach Angaben des Ministeriums 116.000 der 292.000 Teilnehmer durch.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums betonte, die Zahlen seien noch eine Momentaufnahme. Die konsolidierte Statistik werde im Mai erwartet. Erst dann könnte eine vollständige Bilanz gezogen werden. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hatte zuerst über den Anstieg berichtet.

BAMF führt Qualitätskontrollen

46.700 Frauen und Männer unternahmen im vergangenen Jahr einen weiteren Versuch. Doch auch im zweiten Anlauf hätten es 12.150 Einwanderer nicht geschafft, das Sprachniveau B1 zu erreichen. Menschen auf diesem Niveau beherrschen nach europäischer Übereinkunft die „fortgeschrittene Sprachverwendung“ und können zum Beispiel ihre persönlichen Interessen äußern und ihre Hoffnungen und Ziele beschreiben.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat den Angaben nach die Qualitätskontrolle der Kurse im vergangenen Jahr „erheblich intensiviert“. Das Bundesamt habe 2018 insgesamt 1.495 der 1.704 zugelassenen Träger (87,7 Prozent) und 4.148 der insgesamt 14.514 neuen Kurse (28,6 Prozent) überprüft.

AfD sieht Integrationsunwilligkeit

Der AfD-Abgeordnete René Springer sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, er halte die Durchfaller-Quote für äußerst bedenklich: „Ich sehe die Bundesregierung in der Pflicht, hier schnellstens über die Ursachen aufzuklären, bevor sich der Eindruck der Integrationsunwilligkeit eines Großteils der Kursteilnehmer verfestigt.“

Gökay Akbulut, integrationspolitische Sprecherin der Linken, warf der AfD ein „Zahlenspiel“ um Kursteilnehmer als Integrationsverweigerer darzustellen“. Über ein Drittel habe den Kurs freiwillig besucht und müsse den abschließenden Test demnach gar nicht absolvieren. Sie forderte, die Rahmenbedingungen der Kurse zu verbessern. „Viele Kursteilnehmenden sind aufgrund von Kriegs- und Fluchterfahrungen noch genug belastet“, unterstrich sie.

Linke: Integrationskurse verbessern

Auch Filiz Polat, Sprecherin der Grünen für Integration, warnte davor, die Schuld nur bei den Einwanderern zu suchen. „Das Integrationskurssystem muss endlich die Lebensrealitäten der Lernenden berücksichtigen“, forderte sie. Die Politikerin beklagte unter anderem lange Wartezeiten.

Lars Castellucci, Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Migration und Integration, verwies auf die bisherigen Erfolge der Kurse: „Bei den allgemeinen Integrationskursen schließen schon heute rund zwei Drittel mit dem Sprachniveau B1 ab“, sagte er. Fast die Hälfte der Analphabeten erreiche das Niveau A2. „Darauf können wir aufbauen“, sagte er. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. juh sagt:

    Meines Wissens sind die Kurse kürzer geworden und enthalten Maßnahmen zur „Berufsintegration“. Das heißt im Klartext, die Teilnehmer erhalten weniger Deutschunterricht als früher.

    Man wirft Bahnreisenden ja auch nicht vor, dass sie zu lange im Zug sitzen, weil dieser auf der Strecke immer wieder wegen Signalstörung anhält.

  2. Zoran Trajanovski sagt:

    AfD wird versuchen aus alle möglichen Ecken,auf übelste Weise,Politische Punkte zu sammeln, und sowieso vergiftete geselschaftliche Klima noch zu Verschlechtern. Ein beste Beispiel wie skrupellos die Rassistische und Nationalistische Habitus ist.
    Weil ich das alles hinter mir habe (1991) weiß genau wie bei den Migranten vor sich geht. Viele von denen sind hoch traumatisiert. Viele haben Familien Angehörigen verloren. Viele von denen trauen. Für viele Begegnung mit Deutschland stellt ein Kultur Schock. Alles das sind psychische Belastungen die nicht von heute auf morgen entledigt sein werden. Es braucht viel Zeit und viel Geduld. Der bleibe recht bei unzählige von denen ist nach wie vor nicht geregelt. Wie solltet man sich dabei noch am Lernen konzentrieren?
    Deutschland leistet schon jetzt etwas überwältigendes.
    Kein ein einzige Europäische Land wäre im Stande das zu leisten was Deutschland für die Menschen tun.
    Ich hoffe nur das die Migranten es Schetzen wiesen.
    Davon bin eigentlich überzeugt.

  3. Fuentes , Petra sagt:

    Es ist klar, dass die Durchfallquote gestiegen ist, da immer mehr Menschen in den Kursen sind, die alphabetisiert werden müssen. Alphakurse haben das Ziel A2. Die Teilnehmenden müssen an der B1 Prüfung teilnehmen, sie aber nicht bestehen. Lernungewohnte Menschen müssen nach 600 Ues an der B1 Prüfung teilnehmen, damit sie Wiederholerstunden bekommen, obwohl klar ist, dass sie das Niveau B1 noch nicht haben. Diese Gruppen verschlechtern die Statistik. Integrationswilligkeit hat nur wenig mit den eigenen Möglichkeiten eine Sprache zu lernen zu tun. Den Damen und Herren der AFD empfehle ich zu versuchen in 600 Ues. Chinesisch, Japanisch, Arabisch oder Thai zu lernen und die B1 Prüfung sofort zu bestehen. Mit etwas gutem Willen ist das bestimmt machbar 🙂



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