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Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Bildung

Spielerisch Fremdsprachen lernen

Die Zahl der neuen Möglichkeiten, eine Sprache zu lernen steigen mit der Kommunikationstechnologie. Für jeden Lerntyp und für jede Altersgruppe ist etwas dabei – ob analog oder in den Weiten des Internets.

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Fachkräfte in Deutschland © kris krüg @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Eine neue Sprache zu erlernen mag nicht immer leicht sein, kann unser Leben jedoch sehr bereichern. Egal ob man in einem anderssprachigen Umfeld lebt oder nur seinen Horizont erweitern möchte, eine neue Sprache lernen kann der Mensch in jedem Alter. Zugegeben, je älter man wird, umso schwerer fällt es vielen, etwas Neues zu erlernen. Warum lernen Kinder leichter als Erwachsene? Studien belegen, dass Dinge die durch Spiel erlernt werden, wesentlich weniger Wiederholungen benötigen, als andere Lernwege.

Spielerischer Spracherwerb

Im Spiel ist man freudig bei der Sache, entspannt konzentriert und dadurch besonders aufnahmebereit. Spiele haben außerdem den Vorteil, dass sie einem fremde Kulturen näher bringen können. So dreht sich das beliebte Brettspiel Carcassonne beispielsweise um die gleichnamige französische Stadt, das Spiel Book of Ra spielt im alten Ägypten und auf den beliebten Mah Jongg-Spielsteinen findet man ihrem Ursprung entsprechend chinesische Zeichen und Symbole. Beherrscht man schon ein größeres Vokabular, kann man das Wortspiel “Scrabble” in fremder Sprache ausprobieren.

Eine internationale Variante von “Stadt, Land, Fluss” kann man auch gut mit älteren Kindern spielen. Simple Kinderspiele besitzen übrigens oft Doppelgänger mit großer Ähnlichkeit, egal wo in der Welt sie gespielt werden. Ob die Kleinen beispielsweise mit Steinchen oder Samen oder Murmeln spielen, für sie ist der Unterschied nicht groß.

Interkulturelle Spiele, die das Lernen einer Fremdsprache begleiten, betten im Idealfall die neuen Worte gleich in den Hintergrund der jeweiligen Kultur ein und so haften sie auch besser im Gedächtnis. Es kann zudem durch ein Lernen im Kontext auch ein sehr häufiger Fehler vermieden werden: Nämlich das “eins zu eins”-Übersetzen von in der Muttersprache gängigen Ausdrücken, die wörtlich übersetzt in anderen Sprachen nicht gebräuchlich sind.

Spiele sollen Spaß machen. Gerade zum Unterricht verpflichtete Kinder und auch Erwachsene mit Migrationshintergrund stehen oft unter nicht geringem Druck, möglichst schnell gute Deutschkenntnisse zu erwerben. Außer das Lernen effizienter zu machen, lockern spielerische Elemente das Programm auf und steigern die Motivation.

Egal ob der Erwerb der neuen Sprache nun ein Muss ist, oder ein neues Hobby: Dinge, die wir gerne machen nimmt unser Gehirn schneller auf. Außerdem werden durch Stress und Frustration entstandene Blockaden gelöst. Ähnliches gilt beim Musikhören. Musik in der neuen Sprache zu hören und zu versuchen die Texte mitzusingen kann ebenfalls sehr hilfreich sein. Ein weiteres Plus für den Lernerfolg ist es, Filme im Original – Ton zu Gemüte zu führen. Man sollte möglichst alle verfügbaren Medien einzubeziehen.

Es gibt Eltern, die ihre lernenden Kinder mit guten Gründen nicht gerne zu lange vor dem Computer sitzen sehen, doch bieten sich auch hier Chancen, die Motivation zu erhöhen. Und Motivation ist einer der Hauptfaktoren für den Erfolg.

Selbstmotivation

Ohne einen gewissen Zeitaufwand geht es nicht mit dem Lernen. So ist auch Disziplin unumgänglich. Man sollte daher dafür sorgen, dass schnellstmöglich kleine Erfolgserlebnisse die zeitliche Investition belohnen. Entwickelt man eine Leidenschaft für die neue Sprache, wird man ohnehin nicht so schnell scheitern.

Wenn man nicht im Irish Pub sein Englisch üben oder den Döner auf Türkisch bestellen kann, sollte man es rasch anstreben, auf andere Weise Kontakt zu Muttersprachlern herzustellen. Ein echter Mensch als Gesprächspartner ist durch kein noch so ausgefeiltes Lernkonzept zu ersetzen. Und das gilt auch für Anfänger.

Schon mit den ersten Vokabeln sollte die Aussprache trainiert werden und wenn man sich direkt nach Tandem-Partnern umschaut – gegebenenfalls auch im Internet und beispielsweise über Skype – ist das ein großer Schritt nach vorne.

Durch die Konversation und den Austausch bekommt man schon bald ein besseres Gefühl für die Intonation und außerdem baut man zudem Hemmschwellen ab. Es empfiehlt sich, einfachere Sätze und Redewendungen gleich auswendig zu lernen: sich vorstellen und kurze Frage-und-Antwort-Sätze sind der beste Einstieg ins Gespräch. Hierfür eignen sich Phrasen, wie man sie in jedem Reiseführer findet.

Mit einigen Tipps von bekannten Polyglotten, wie dem Iren Benny Lewis, die sich im Internet tummeln und leicht finden lassen, kann man wertvolle Tipps finden. Er rät dem Lernenden etwa, Modalverben wie “möchten”, “können” oder “sollen” früh in der ersten und zweiten Person Singular einzusetzen.

Dran Bleiben!

Die Integration in den Alltag ist wichtig und sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene gibt es viele Tricks, um die Aufgabe immer präsent zu halten:

Ob man nun Klebezettel an Objekte heftet, um die jeweilige Bezeichnung in der neuen Sprache stets vor Augen zu haben, sich ein Kochbuch besorgt und sich an den Rezepten versucht oder die Nachrichten schaut, eine Zeitung liest oder für den Anfang ein Kinderbuch,….man sollte keine Möglichkeit ungenutzt lassen.

Die meisten Lehrmethoden unterscheiden verschiedene Lerntypen:

  • Auditiv
  • Visuell
  • Kommunikativ
  • Motorisch

Sollte man den eigenen Schwerpunkt bereits kennen, lassen sich entsprechende Materialien leichter finden. Beispielsweise lassen sich Hörbücher und Musik im Hintergrund abspielen. Wer selbst schreiben muss, um sich die Worte einzuprägen, kann nach einem Brieffreund – oder Chat-Partner – suchen. Mehrere Bereiche zu kombinieren ist nicht nur effizienter, sondern vermeidet auch Langeweile.

Das menschliche Gehirn arbeitet wie ein Netzwerk, und so steht auch die allseits bekannte Eselsbrücke immer noch hoch im Kurs. Verbindet man mit einer neuen Vokabel eine Vorstellung, gerne auch eine lustige, die den Klang des Wortes mit seiner Bedeutung verbindet, vergisst man das Gelernte nicht so schnell wieder.

Karteikarten-Apps (wie “Flashcars”) erleichtern das Vokabelpauken und wer mutig und geduldig ist, kann ja einmal sein Smartphone in der Fremdsprache einstellen oder sich an Gebrauchsanleitungen versuchen.

Bei aller Kurzweil kommt man letztlich aber um konzentriertes Lernen und Studieren der Grammatik nicht herum. Man sollte täglich Zeit investieren und sich an dem gängigen internationalen Stufenmodell des Common European Framework of Reference for Languages, kurz CEFR, orientieren. Und gelegentliche Auszeiten darf sich ein fleißiger Student wohl auch gönnen und sich etwa einen freien Tag pro Woche nehmen. (dd)

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