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Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

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Der Brexit könnte Großbritannien schrumpfen lassen. Die Schotten beispielsweise stehen vor der Wahl zwischen Brüssels Cholera und Londoner Pest – und mit Durchfall kann man immerhin noch leben.

Sven Bensmann, Migazin, Kolumne, bensmann kolumne
MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM12. März 2019

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Nur noch zwei Wochen sind es nach aktuellem Stand, bis Großbritannien in das selbstgewählte Chaos stürzt. Dann nämlich enden jene zwei Jahre Galgenfrist, die den Briten zustand, nachdem sie gemäß Artikel 50 ihren Austritt verkündet haben – ohne sich bereits darüber im Klaren zu sein, was sie eigentlich wollen.

Und es sind rund 5 Millionen Menschen europaweit, die das ganz direkt betrifft: Europäer in Großbritannien und Briten in Europa. Einen separaten Deal zum Status dieser Migranten hat die EU gerade erst, nachvollziehbarerweise, abgelehnt. Setzen wir uns daher mit einigen Szenarien auseinander.

Die Klarheit hat in der Zwischenzeit nämlich nicht zugenommen: die Regierung hat – bei völliger Ignoranz gegenüber den eigenen Leuten – in Brüssel verhandelt und ist dabei zu einem Deal gekommen, den außer den Verhandlern selbst niemand unterstützt. Links und rechts haben sich alle gegen diesen Deal in Stellung gebracht, und trommeln für ihre eigenen Versionen dessen, was denn das hauchdünne „Ja“ zum Brexit meinen könnte und was es eigentlich für das Votum bedeutet, dass es nur durch mittlerweile eindeutig als dreiste Lügen enttarnte Versprechen und jede Menge kriminelle Energie zustande kam.

Immer lauter werden dabei auch die Stimmen, die eine erneute Abstimmung fordern. Nur: schon für das erste Votum war das größte Problem, dass eine so komplizierte Frage wie der Brexit nicht auf eine Entweder-Oder-Antwortstellung heruntergebrochen werden kann. Wie sollte die neue Frage denn aussehen? Brexit Ja/Nein, wie zuvor – womit die erste Abstimmung einfach übergangen würde? Und welcher Brexit wäre es, wenn nun wieder ein „Ja“ herauskäme? Oder soll am Ende bestimmt werden, ob Verhandlungsbrexit oder unorganisierter Brexit umgesetzt werden, während einfach ignoriert würde, dass die Stimmungsführer des ersten Brexits angesichts des knappen, unerwarteten Sieges schnell wie die Ratten das sinkende Schiff verlassen haben? Oder etwa die Wahl zwischen einer Verhandlungslösung, die niemand unterstützt und dem Exit vom Brexit?

Vielleicht sollten sich die Briten ja einfach ehrlich machen und sich eingestehen, dass ihr verhandelter Brexit ein ganz besonders tiefer Griff ins Klo war und das Papier nicht wert ist, auf dem er festgehalten wurde. Dass auch das ewige Gejammer, man müsse nur vernünftig nachverhandeln, weil man sich die letzten zwei Jahre einfach nicht so recht dafür interessiert hatte, nicht mehr ist als gequirlte, pardon, Scheiße: der jämmerliche Versuch, sich selbst in die Tasche zu lügen.

Auch das Vertagen des Brexits ist keine echte Option: Die Europawahlen stehen an. Wenn die Briten nicht in der EU bleiben wollen, dann haben sie in dem neuen Parlament jedenfalls nichts zu suchen. Ist das Königreich zum Zeitpunkt der Wahl noch in der EU, müssten die Briten aber auch noch Vertreter für die volle Legislaturperiode entsenden. Und das lässt eine Volksabstimmung eben nur unter folgender Fragestellung zu: Bleiben oder unorganisiert raus.

Bleibt bei den Mehrheiten alles beim Alten, entfaltet der drohende weitere wirtschaftliche Abschwung, der in den letzten zwei Jahren bereits dafür gesorgt hat, dass Frankreich und Indien Großbritannien in Sachen Wirtschaftsleistung überholt und damit auch aus der weltweiten Top5 verdrängt haben, vielleicht aber auch eine ganz eigene Dynamik:

Schottland, dass bereits ein neues Unabhängigkeitsvotum plant, wäre wohl der erste Kandidat für einen eigenständigen Wiederbeitritt in die EU. Aber auch dem stark von Im- und Export aus und nach Europa abhängigen Wales, dass in der Abstimmung noch eher dem Brexit zugeneigt hatte, dämmert mittlerweile: Brexit, das könnte bedeuten, Brüssels Cholera durch Londoner Pest zu ersetzen – und mit Durchfall kann man halt doch leben: Schon sind im Waliser Regionalparlament Stimmen zu hören, dass ein ganz anderer Brexit, ein Austritt aus Britannien nämlich, auch etwas für sich hat.

Und dann wären da noch die Nordiren. Die müssten tatsächlich nicht einmal London um ein neues Unabhängigkeitsvotum anbetteln, wie das die Schotten beispielsweise müssen: Wenn sich die Iren zu einer Wiedervereinigung der Insel entscheiden, kann London nur staunend zusehen. Eine harte Grenze, wie sie der Backstop verhindern soll, wäre damit gleich ausgeschlossen. Ob die Unionisten dabei friedlich blieben, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Kleinstbritannien, zusammengeschrumpft auf die City of London und ihr deindustrialisiertes Umland, kann anschließend ja nochmal abstimmen, ob es nicht vielleicht doch wieder der EU beitreten will – dann aber ganz ohne Sonderdeals und Extrawürste.

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