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Mädchenbüro Milena

Bundespräsident besucht Frankfurter Mädchenbüro Milena

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will mehr über das Zusammenleben vieler Nationen wissen. Am Donnerstag besuchte er Frankfurt am Main und sprach dort mit Polizisten, Bürgern und den Engagierten und Teilnehmerinnen des Mädchenbüros Milena.

Die Autokolonne hält vor dem Zweckbau, im Blitzlichtgewitter steigen der Bundespräsident und seine Frau aus der dunklen Limousine. Im Mädchenbüro Milena setzen sich Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender an einer Tafel gegenüber, zwischen ihnen Mitarbeiterinnen, Mädchen und Frauen des Vorzeige-Integrationsprojekts. Auf dem Tisch stehen Platten mit Reis und Gemüse, Schüsseln mit Soßen und Salatteller aus eigener Küche. Der Bundespräsident erhebt das Wasserglas: „Prost!“ und stößt mit der Leiterin Maneesorn Koldehofe an. „Was machen Sie hier?“, will er wissen.

„Täglich kommen rund 40 Frauen aus zehn verschiedenen Ländern und rund 30 Mädchen aus 14 Ländern hierher“, erklärt die Mitgründerin des Vereins. Sechs Mitarbeiterinnen in verschiedenen Anstellungsverhältnissen und 38 ehrenamtliche Helferinnen engagierten sich für sie. Vormittags kommen die Frauen zu Deutschkursen und zum Ausbildungskurs zur Tagesmutter, parallel gibt es eine Kinderbetreuung. Für schutzbedürftige Frauen gibt es eine Krisenbegleitung. Nachmittags kommen die Mädchen zum Essen, zur Hausaufgabenhilfe, Einzelnachhilfe und zum Spielen.

Am wichtigsten ist das Zusammensein

Eine junge Frau berichtet, dass sie in eine andere Flüchtlingsunterkunft umziehen muss, aber trotz einer Stunde Anreise unbedingt weiter kommen will. „Ich habe ein Baby – woanders hätte ich auf einen Deutschkurs warten müssen, bis das Kind drei Jahre alt ist“, sagt sie. „Das Mädchenbüro Milena hilft mir auch sehr bei privaten Problemen.“ Der Bundespräsident will wissen, was sie später werden will. Sie: „Ich möchte in einer Apotheke arbeiten.“ Er: „Warum?“ Sie: „Das ist eine ruhige Arbeit.“ Steinmeier: „Das kommt darauf an, was Sie den Kunden verabreichen.“

Auch Schülerinnen erzählen, dass sie aus verschiedenen Stadtteilen kommen und längere Wege auf sich nehmen, um zum Mädchenbüro zu kommen. Die Eltern fänden das gut. Das Kartenspiel Uno sei derzeit der Hit, erzählt Arya in flüssigem Deutsch. Sie kam vor drei Jahren aus dem Irak und besucht jetzt eine neunte Klasse. „Am wichtigsten ist das Zusammensein mit den anderen“, wirft Salamatu ein, die als Kind aus Ghana kam. Das Mädchenbüro helfe auch bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen, ergänzt die Leiterin.

Durch Spenden finanziert

„Die Frauen können so Vieles“, bekräftigt Koldehofe. So hätten sie die Pralinen auf dem Tisch selbst gemacht, von denen auch der Bundespräsident und seine Frau eine Tüte bekommen. „Weihnachten ist doch schon vorbei!“, wundert sich Büdenbender. „Sie haben die umgeschmolzen“, vermutet Steinmeier.

Spendenkonto: MädchenbüroMilena e.V.: GLS Bank, IBAN: DE 03 4306 0967 6033 2832 00

Der 2014 gegründete Verein bekomme keine öffentlichen Mittel, sondern werde allein durch Spenden finanziert, erklärt Koldehofe. Bisher hätten die Linsenhoff-Stiftung und die KfW-Stiftung größere Teile gestemmt, aber deren Programme liefen teilweise aus. Dringend notwendig wäre eine Förderung durch die Stadt. „Wir müssen dieses Jahr aus der Wohnung heraus und brauchen neue Räume“, unterstreicht die Stifterin und frühere Olympiasiegerin im Dressurreiten, Ann Kathrin Linsenhoff, die Notwendigkeit einer Unterstützung.

Treffen mit Seda Başay-Yıldız

Das Mädchenbüro Milena habe die Genehmigung für einen Kindergarten und eine Krippe erhalten, ergänzt Leiterin Koldehofe. Doch es sei schier unmöglich, im Zentrum von Frankfurt Räume im Umfang von 500 Quadratmetern zu finden. „Unsere Vision ist ein Haus mit Hilfen aus einer Hand!“ Steinmeier und Büdenbender müssen weiter und tragen sich in ein Buch ein. Als Geschenk nehmen sie ein Kochbuch entgegen.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sprach der Bundespräsident am Donnerstag außerdem mit Polizisten und Bürgern über die Themen Sicherheit, Kriminalität und Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft. Kurzfristig war auch ein vertrauliches Treffen mit der Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız in das Programm aufgenommen worden. Die Anwältin hat im vergangenen halben Jahr vier Drohschreiben mit der Unterschrift „NSU 2.0“ erhalten. Die Ermittlungen nach den Urhebern erstrecken sich auch auf eine Gruppe Frankfurter Polizisten, die offenbar rechtsextreme Äußerungen in einem Messenger-Chat austauschten. (epd/mig)