MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Zerteilung der Arbeit in kurze und ständig zu wiederholende, gleichförmige Handgriffe ermöglicht es, Arbeiter ohne Qualifikation und ohne Kenntnis der deutschen Sprache einzusetzen; die Art der Arbeit erfordert es vielleicht sogar.

Hans-Günter Kleff, Vom Bauern zum Industriearbeiter, 1985

Rekord

KZ-Gedenkstätten ziehen mehr als 2,5 Millionen Besucher an

In ganz Deutschland erinnern KZ- und NS-Gedenkstätten an die Schreckensherrschaft der Nazis. Auch über 70 Jahre nach Kriegsende ziehen sie viele Interessierte an, mancherorts wurden im vergangenen Jahr Besucherrekorde verzeichnet.

Konzentrationslager, Jedem das Seine, KZ, NS, Nationalsozialismus, Juden, Holocaust
"Jedem das Seine" - Spruch im Konzentrationslager Buchenwald © Lars K Jensen @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Das Interesse an KZ-Gedenkstätten und anderen Mahnorten für NS-Opfer in Deutschland ist ungebrochen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die ehemaligen Konzentrationslager besucht. Fast alle Einrichtungen verzeichneten 2018 steigende oder gleichbleibende Besucherzahlen. Das ergab eine Umfrage des „Evangelischen Pressedienstes“ zum bevorstehenden Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.

Hochrechnungen gehen allein für die KZ-Gedenkstätte Dachau nordwestlich von München von mehr als 900.000 Besuchern aus. Das Interesse steige stetig, teilte eine Sprecherin mit. Die Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin meldete einen Zuwachs auf über 700.000 Besucher. Derweil verzeichnete die Gedenkstätte Buchenwald so viele Besucher, dass die Einrichtung laut einem Sprecher inzwischen an den Rand ihrer Kapazitäten kommt: Geschätzt besuchten weit über 500.000 Menschen im vergangenen Jahr das ehemalige KZ bei Weimar.

400.000 Besucher in NRW

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen zog im vergangenen Jahr rund 250.000 Besucher an, ein Sprecher nannte dies „eine stabile Zahl“. Besonders erfreulich sei die Resonanz auf die Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ gewesen. Stetig steigend sind die Besucherzahlen in Hamburg-Neuengamme: 2018 kamen etwa 140.000 Interessierte, mehr als doppelt so viele wie 2008.

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln meldete mit rund 92.800 einen neuen Besucherrekord – inzwischen den 17. in Folge. Insgesamt nahm das öffentliche Interesse an den 28 nordrhein-westfälischen NS-Gedenkstätten weiter zu. Allein in den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der Besucher nach Angaben der Landesregierung um mehr als ein Drittel auf knapp 400.000 in 2018 gestiegen.

Pirna-Sonnenstein verzeichnet Besucherrekord

Im brandenburgischen Frauen-KZ Ravensbrück wurde hingegen ein leichter Rückgang der Besucherzahlen auf 110.000 beobachtet. Die bayerische KZ-Gedenkstätte Flossenbürg verzeichnete einen leichten Besucherzuwachs auf 90.500 in 2018. Mit rund 25.000 Besuchern zählte die Gedenkstätte Esterwegen in Niedersachsen etwa so viele wie in den Jahren zuvor. Sie erinnert als zentraler Ort an alle 15 Emslandlager, einer Gruppe von Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager an der Grenze zu den Niederlanden.

Die sächsische NS-Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein verzeichnete für das vergangene Jahr einen Besucherrekord. Insgesamt kamen rund 13.800 Menschen in die Gedenkstätte zur Geschichte der nationalsozialistischen Krankenmorde. Besonders erfreulich ist den Angaben der Einrichtung nach der deutliche Anstieg von interessierten Schulgruppen.

Holocaust Gedenktag am 27. Januar

Die Berliner Gedenkstätten konnten 2018 ebenfalls mehr Menschen anziehen als im Jahr davor. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand zählte mit ihren insgesamt vier Einrichtungen rund 240.000 Besucher, rund 25.000 mehr als im Vorjahr. Allein die Ausstellungen im Bendlerblock, dem Zentrum des Umsturzversuchs gegen das nationalsozialistische Regime am 20. Juli 1944, besuchten mehr als 118.000 Menschen. Etwas weniger Besucher, knapp 116.700, hatte die Berliner Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz in Polen befreit. Seit 1996 wird zu diesem Datum der Holocaust-Gedenktag begangen. In Deutschland gibt es Dutzende KZ-Gedenkstätten, hinzu kommen viele weitere Erinnerungsstätten für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Rund sechs Millionen europäische Juden wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Verfolgt und in großer Zahl getötet wurden auch Regimegegner, überzeugte Christen, Sinti und Roma und Homosexuelle. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...