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Migration und Integration in Deutschland

Es waren vor allem die übrig gebliebenen einheimischen Geringqualifizierten, die die Gastarbeiter als ungeliebte Konkurrenten empfanden.

Stefan Luft, Staat und Migration, 2009

Nach Zwangspause wieder in See

Drei Fragen an „Sea Eye“-Gründer Michael Buschheuer

Die private Rettungsorganisation „Sea Eye“ will bald mit einem neuen Schiff in See stechen. Nach viermonatiger Zwangspause könne die Organisation so die Rettung von schiffbrüchigen Flüchtlingen im Mittelmeer wieder aufnehmen, sagte „Sea Eye“-Gründer Michael Buschheuer im Gespräch.

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Sea Eye-Rettungsschiffe © sea-eye.org

Die Regensburger Seenotretter „Sea Eye“ sehen sich als Opfer der europäischen Abschottungspolitik. Seit Juni hat „Sea Eye“ keine Einsätze mehr fahren können, weil die Flaggen der Schiffe plötzlich zum Problem wurden. Jetzt soll es unter deutscher Flagge weitergehen. „Sea Eye“ rettete nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren mehr als 14.000 Flüchtlinge vor dem Ertrinken. Sea Eye“-Gründer Michael Buschheuer im Gespräch:

Wann werden die neuen Schiffe einsatzbereit sein?

Michael Buschheuer: Die „Sea-Eye 2“ sticht diese Woche noch von Deutschland aus in See, mit deutscher Flagge und deutscher Crew. Das ist uns wichtig, weil wir Probleme mit unseren ausländischen Flaggen hatten. Unser neues Schiff wird in der Lage sein, mit ein paar Menschen an Bord notfalls eine Woche auszuhalten. Dieses professionell geleitete Schiff wird in etwa zwei Wochen das Einsatzgebiet im Mittelmeer erreichen. Das zweite Projekt ist ein Segler, genannt „Bavaria One“. Dieses kleine Segelschiff dient der Beobachtung und Dokumentation. Wir wollen die Öffentlichkeit darüber informieren, was sich derzeit nur noch im Schatten einer tödlichen europäischen Abschottungspolitik abspielt. Der Segler wird sich parallel zum großen Schiff in etwa drei Wochen vor der libyschen Küste bewegen.

Inwiefern haben Ihre Rettungsaktionen seit Herbst 2017 politischen Gegenwind zu spüren bekommen?

Michael Buschheuer: Unsere führenden Politiker haben außer der moralischen Verpflichtung zwar auch noch die Aufgabe des Grenzschutzes und der Stabilität Europas, das verstehe ich sehr gut. Aber sie haben die klare statistische Kenntnis über das Sterben der Flüchtlinge. Daraus leitet sich eindeutig ab, dass man retten muss. Alle Fachleute, die keinen Nachteil aus der Migration haben, beispielweise die Vereinten Nationen (UN), das UNHCR oder die Internationale Organisation für Migration (IOM), die allesamt unabhängig sind, sagen, dass man dort jetzt Rettungskapazitäten positionieren muss. Die europäischen politischen Kräfte aber ziehen sich einfach zurück – wider jede Vernunft und Menschlichkeit.

Wie viele Menschen sterben derzeit auf dem Mittelmeer?

Michael Buschheuer: Die aktuellen Statistiken stammen von der UNHCR, die die Zahlen sammelt. In absoluten Zahlen sind es über 2.000 Menschen in diesem Jahr, die statistisch erfasst wurden und im Mittelmeer gestorben sind. In Wirklichkeit sind es natürlich wesentlich mehr. (epd/mig)

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