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3,4 Milliarden Menschen leben unter der Armutsgrenze

Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung kann nur schwer die Grundbedürfnisse decken. Weltweit leben 3,4 Milliarden Menschen unter der Armutsgrenze, wie aus einem am Mittwoch von der Weltbank in Washington veröffentlichten Bericht hervorgeht. Gleichzeitig seien aber immer weniger Menschen extrem arm.

Die Weltbank definiert die Armutsgrenze abhängig vom Bruttonationaleinkommen eines Staates: In Ländern mit mittlerem Einkommen im unterem Bereich ist eine Person arm, wenn sie weniger als 3,20 US-Dollar (2,80 Euro) pro Tag zur Verfügung hat, in Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich liegt die Grenze bei 5,50 Dollar (4,80 Euro) pro Tag.

In extremer Armut leben Menschen, die weniger als 1,90 Dollar (1,60 Euro) pro Tag ausgeben können. Das traf im Jahr 2015 auf zehn Prozent der Weltbevölkerung zu, also auf 736 Millionen Menschen. Zwar sinke diese Zahl – aber nicht schnell genug, um das Ziel der Weltgemeinschaft zu erreichen, bis 2030 die extreme Armut weltweit zu beenden.

Leidtragende oft Frauen

Leidtragende sind insbesondere Frauen. Sie haben oft besonders unzureichenden Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung. In armen Ländern können Frauen laut aktuellem Weltbevölkerungsbericht auch vielfach nicht oder kaum verhüten und bekommen häufig mehr Kinder als gewollt, was die Armut weiter verschärfen kann.

Im weltweiten Durchschnitt bekommt eine Frau 2,5 Kinder, wie aus dem Weltbevölkerungsbericht 2018 des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) hervorgeht. Mitte der 1960er Jahre waren es den Daten zufolge noch doppelt so viele Kinder pro Frau, in den ärmsten Ländern der Welt sind es aber weiterhin durchschnittlich vier Kinder.

Müller sieht Zusammenhang zwischen Armut und Kinderreichtum

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach bei der Vorstellung des Berichts in Berlin von einem Zusammenhang zwischen Armut und Kinderreichtum. Daher sei es notwendig, in Bildung, Gesundheit, Gleichberechtigung der Frauen und Verhütung zu investieren.

Dort, wo Eltern die Zahl ihrer Kinder nicht planen können, haben sie dem Bericht zufolge oft auch nicht Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung, Bildung und Jobs. So habe eine Frau, die verhüten und eine Schwangerschaft für einen späteren Zeitpunkt planen kann, mehr Kontrolle über ihre Gesundheit und könne beispielsweise in Arbeit bleiben und ihr ökonomisches Potenzial voll entfalten.

Krisenländer besonders geburtenstark

Besonders geburtenstark sind laut Bericht vor allem afrikanische Staaten sowie Konflikt- und Krisenländer. Von den 43 Ländern, in denen Frauen durchschnittlich mindestens vier Kinder bekommen, liegen demnach 38 in Afrika. Rund 60 Prozent der Menschen in Ländern unterhalb der Sahara sind jünger als 25 Jahre. Die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Renate Bähr betonte, dass nur jede zweite Frau die eine Schwangerschaft verhüten wolle, es in diesen Ländern auch könne.

Eine besonders niedrige Geburtenrate verzeichnen Länder in Nordamerika, Europa sowie Australien, Neuseeland, China und Russland. Eine Frau in Industrieländern bringt laut Bericht durchschnittlich 1,7 Kinder zur Welt. (epd/mig)