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Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Buchtipp zum Wochenende

Praxisratgeber für Flüchtlinge – So finde ich Arbeit in Deutschland

Kaum Deutschkenntnisse, keine Zeugnisse, Aufenthaltsdauer unbestimmt: Wer als anerkannter Asylbewerber in Deutschland arbeiten möchte, hat viele Hürden zu meistern. Ein neues Buch gibt hilfreiche Tipps und Tricks für die Praxis.

Ausbildung, Flüchtlinge, Arbeitserlaubnis, Arbeitsmarkt, Bewerbung
"So finde ich Arbeit in Deutschland" © Stark Verlag

DATUM21. September 2018

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Der Bewerbungsprozess in Deutschland gleicht einem Marathon. Vor dieser Herausforderung stehen etwa 500.000 arbeitssuchende Flüchtlinge. Ob Krieg, politische oder religiöse Verfolgung, die Ursachen für das Verlassen der Heimat sind vielfältig. Den Wunsch, am neuen Wohnort schnell Arbeit zu finden, teilen jedoch viele Flüchtlinge.

Wie man eine Bewerbung richtig angeht, weiß Viktoria Doll. Als Jobcoach hilft sie Menschen aus aller Welt eine Arbeitsstelle zu finden. Ihre Erfahrungen aus der praktischen Arbeit mit Flüchtlingen, unter anderem als Projektleiterin für die Initiative für traumatisierte Flüchtlinge, gibt sie mit ihrem Buch „So finde ich Arbeit in Deutschland” weiter.

Wann dürfen Flüchtlinge arbeiten?

Oftmals ziehen sich die Asylverfahren über einen längeren Zeitraum. Während des Verfahrens dürfen Asylbewerber keine Arbeit aufnehmen. Grundsätzlich gilt: Wer eine Arbeitserlaubnis hat, darf arbeiten. Die Arbeitserlaubnis hängt vom Aufenthaltsstatus ab.

Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis dürfen eine Arbeit aufnehmen bzw. eine Ausbildung beginnen. Bei einer Duldung oder Aufenthaltsgestattung gelten andere Regeln. In den ersten drei Monaten nach der Ankunft gilt ein Beschäftigungsverbot. Nach Ablauf der drei Monate können die Ausländerbehörde und die Bundesagentur für Arbeit eine Arbeitserlaubnis ausstellen.

Unter bestimmen Voraussetzungen haben Flüchtlinge ein Beschäftigungsverbot. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Flüchtling in einer Aufnahmeeinrichtung wohnen muss (Residenzpflicht).

Was können Flüchtlinge arbeiten?

Fehlende Nachweise über Bildungsabschlüsse oder die Berufsausbildung erschweren Asylbewerbern die Jobsuche. Viele mussten ihre Unterlagen zurücklassen oder haben sie auf der Flucht verloren. Bei einer überzeugenden Bewerbung ist das jedoch kein K.O.-Kriterium.

Für Flüchtlinge kommen kurzfristig Jobs in Frage, für die sie weder spezielle Berufskenntnisse noch perfekte Deutschkenntnisse brauchen. Reinigungskraft, Küchenhilfe, Lager- oder Bauhelfer sind Berufe, auf die sich Flüchtlinge gut bewerben können. Wer die nötigen Berufskenntnisse mitbringt, kann als Näher, Pädagogische Ergänzungskraft oder Friseur arbeiten. Für diese Jobs ist eine aussagekräftige Bewerbung nötig, die die Berufserfahrung glaubhaft vermittelt.

Besonders gute Chancen haben Flüchtlinge in Jobs, bei denen eine große Nachfrage besteht oder es viele unbesetzte Stellen gibt. Das ist zum Beispiel im Bereich der Altenpflege der Fall. Wer schnell neue Sprachen lernt, sollte eine Stelle als Dolmetscher oder Übersetzer in Betracht ziehen.

Unsicherheit bei Ausbildungsbetrieben

Anfang 2018 berichteten Medien, die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze sei so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. An fehlenden Bewerbern mangelt es nicht. Jedes Jahr bleiben zehntausende Lehrstellen unbesetzt. Den passenden Bewerber für eine bestimmte Stelle zu finden, ist das Problem. Eine Chance für jugendliche Flüchtlinge.

Tipp: Schauen Sie in unsere MiGAZIN-Bestseller Liste. Dort finden Sie weitere Bücher mit den Themenschwerpunkten Migration, Integration oder Rassismus.

Viktoria Doll schätzt die Lage von arbeitssuchenden Flüchtlingen als schwierig ein: „In den Schlagzeilen gibt es immer wieder Meldungen von jungen Leuten, die aus dem Klassenzimmer der Berufsschule geholt werden, um abgeschoben zu werden.”

Diese Vorfälle führen laut der Expertin zu einer großen Unsicherheit bei Ausbildungsbetrieben. Die Unternehmen wüssten oft nicht, wie lange ihnen der oder die Auszubildende erhalten bleibt. Das Risiko, den neuen Mitarbeiter schon nach kurzer Zeit zu verlieren, können oder wollen viele Arbeitgeber nicht eingehen.

Über ein Praktikum oder die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ) können Flüchtlinge ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz erhöhen. In Ihrem Buch erläutert die Autorin, wie bzw. wo man geeignete Lehrstellen findet und wie man bei der Bewerbung vorgeht. (mig)

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Ein Kommentar
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  1. Antje Buchholz sagt:

    Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass viele qualifizierte Migranten nur in den o.a. Berufen zuerst Arbeit finden. Aber ebenso problemlos können sie als Handwerker (Klempner, ELektriker) den gelerrnten Beruf auch hier ausüben, wie die Erfahrungen zeigen. Und die Rückmeldungen aus dem Kreis der Arbeitgeber sind eher so, dass die gewissenhaften Migranten eine Bereicherung des Teams darstellen und schnell integriert werden. Auch die schulischen Leistungen vieler Kinder sind bereits in den ersten Jahren auf höchstem Niveau, da der Wille zum Lernen offenbar ausgeprägter ist als bei einem guten Teil unserer übersättigten, einheimischen Schülerschaft.



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