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Armin Laschet, Nordrhein-Westfälischer Integrationsminister, MiGAZIN, 28. Januar 2010

Selbständigkeit

Flüchtlinge als Selfpublisher – was ist zu beachten?

Der Weg in den Arbeitsmarkt oder in die Selbständigkeit ist für Einwanderer schwer, besonders für Flüchtlinge. Für sie könnte Selfpublishing eine gute Alternative sein. Es gibt zwar büroktratische Hürden, die sind jedoch nicht unüberwindbar.

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Bibliothek © digital cat auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM19. September 2018

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Allgemein ist es ja bekannt, dass die Jobs auch in Deutschland nicht überall zu finden sind und für Flüchtlinge und Asylsuchende gelten noch ganz andere Regeln. Ihr Weg in die Erwerbstätigkeit findet unter erschwerten Bedingungen statt, denn sie benötigen eine Erlaubnis und Sprachkenntnisse – bevor sie überhaupt jemanden von sich überzeugen können. Trotzdem wollen die meisten Migranten unbedingt arbeiten und suchen schon einmal nach kreativen Wegen. Wie wäre es mit dem Selfpublishing? Gelten dafür andere gesetzliche Regelungen? Immerhin ist das Autorendasein eine Form der Selbstständigkeit, für die keinerlei Bildungsabschlüsse notwendig sind? Dieser Artikel schaut sich das Thema einmal genauer an und erklärt zudem, worauf geachtet werden muss.

Ab wann ist dies rechtlich möglich?

Zu allererst: Jeder Flüchtling und Asylsuchende darf ab der ersten Minute in Deutschland Bücher schreiben und sie auch veröffentlichen – allerdings ausschließlich kostenfrei. Wer des reinen Zeitvertreibs schreiben möchte oder einfach nur eine Geschichte erzählen will, der findet im Internet unzählige Portale für Fanfiction und freie Werke, auf denen dies möglich ist. Erstschreibern ist dieser Weg ohnehin anzuraten, da hier risikofrei probiert werden kann, was funktioniert und wie man sich verbessern kann.

Wer jedoch seine Werke gegen Geld veröffentlichen will, der muss den behördlichen Weg gehen. Bei diesem gibt es Unterschiede:

  • Sicheres Herkunftsland – für sie gibt es kein spezielles Arbeitsrecht und die Bundesländer handeln oft unterschiedlich. Nach 15 Monaten Aufenthalt muss es jedoch eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis geben.
  • Unsicheres Herkunftsland – hier gelten nur drei Monate Wartezeit.

Die Arbeitserlaubnis muss immer eigens beantragt werden. Nun kommt es jedoch zu einem Problem, denn die eingeschränkte Erlaubnis bedeutet einen nur eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und ein Verbot der Selbstständigkeit. Das selbstständige Arbeiten ist erst dann erlaubt, wenn eine Aufenthaltsgenehmigung vorliegt. Das klingt jedoch härter, als es häufig ist. Denn letztendlich entscheiden die Arbeitsagenturen darüber, ob eine selbstständige Tätigkeit erlaubt sein könnte. Und hier gilt:

  • Finanzierung – Selfpublisher sind zwar selbstständig tätig, doch ist das Autorendasein ein kreativer Beruf, der auch nebenbei ausgeübt werden kann. Zudem brauchen bei der Selbstveröffentlichung – das notwendige Können und Mithilfe vorausgesetzt – keine Kosten anfallen. Da staatliche Finanzierungshilfen für den Start also wegfallen, ist die Genehmigung wahrscheinlicher.
  • Einnahmen – jeder träumt zwar davon, doch werden die ersten Bücher keine Bestseller und die Einnahmen sind gering. Das Selfpublishing fällt somit wahrscheinlich in den Hobbybereich.
  • Verfügbarkeit – die Selbstständigkeit wird keiner durch den Staat geforderten oder gewünschten Maßnahme oder Beschäftigung im Wege stehen.
  • Konkurrenz – die örtliche Wirtschaft kann durch die Aufnahme des Selfpublishings keinen Schaden nehmen. Der Flüchtling tritt nicht in Konkurrenz zu örtlichen Restaurants, Unternehmen oder Betrieben.

Wer nach der Wartezeit daher mit dem Arbeitsamt und der örtlichen Asylbehörde spricht, der wird in diesem Fall sehr wahrscheinlich die Erlaubnis für diese Art der Selbstständigkeit erhalten.

Was sollten Selfpublisher beachten?

An dieser Stelle könnten unzählige Tipps zum Schreiben und der Zielgruppe gegeben werden, doch hat diese wohl jeder Autor schon dutzende Male gelesen. Es ist wichtig, die allgemeinen Kriterien seines Genres zu kennen, es sollten aber keinen Trends hinterhergeschrieben werden. Bis das Buch fertig ist, ist der heutige Trend ohnehin schon dauerbedient. Trotzdem gilt:

  • Korrektur – ein Lektorat muss nicht unbedingt sein, das können sich die wenigsten Einsteiger leisten. Ohne eine Korrektur sollte das Buch jedoch – selbst, wenn es in der Muttersprache verfasst wird – nicht veröffentlicht werden. Die Korrektur kann jedoch auch von jemandem erfolgen, der sehr firm und sicher in der jeweiligen Sprache ist.
  • Cover – kein Käufer schaut auf den Inhalt, wenn das Cover grausam ist. Hier sollte sich also wirklich Mühe gegeben werden. Tipp: Etliche Designer bieten Premade-Cover für einen kleinen Betrag an.
  • Veröffentlichung – es gibt zig Angebote und angebliche Verlage, die für Geld alles in die Hand nehmen: Korrektur, Gestaltung, Buchdruck. Hier gilt: Hände weg. Wenn sich diese Angebote auch vermehrt an Selfpublisher richten, so fallen sie eher unter die Rubrik »Betrug«. Wer veröffentlichen möchte, der sollte sich an Tolino, Amazon oder Bookrix wenden. Hier kommen auf den Autoren keine Kosten zu.
  • Buchdruck – ein E-Book im Shop zu sehen, ist ein tolles Gefühl. Dennoch wollen natürlich die meisten ihr Werk auch in den Händen halten. Wer nun ausschließlich ein Exemplar für sich und die Familie wünscht, der kann dies auch bei Amazon in Auftrag geben. Für größere Mengen – Mindestabnahme sind oft 20 Stück – gibt es verschiedene Druckereien, die sich für Selfpublisher geöffnet haben. Viele der Druckereien helfen auch dabei, das Buch ansprechend vorzubereiten. So kann man ganz bequem Bücher drucken lassen und die Kosten trotzdem niedrig halten.

Weitere Hürden auf dem Weg zum Erfolg

Die größte Hürde, die jeder Autor zu überwinden hat, sind tatsächlich die Leser. Immerhin müssen die das Buch finden und kaufen, damit sich der Erfolg einstellen kann. Und sonst? Ein Überblick:

  • Finanzamt – die freiberufliche Tätigkeit als Autor muss dem Finanzamt gemeldet werden. Hier muss direkt darauf geachtet werden, dass das Finanzamt kein Gewerbe aus dem Selfpublishing macht. Solange der Autor keine eigenen Onlineshop betreibt und Printbücher im großen Stil über sich selbst verkauft, handelt es sich nicht um ein Gewerbe.
  • Einnahmen – diese müssen natürlich in der Steuererklärung angegeben werden. Da die meisten Flüchtlinge jedoch beim Arbeitsamt gemeldet sind und Sozialleistungen beziehen, werden die Einnahmen auch dort monatlich angemeldet werden müssen. Welche Regelung hier besteht, sollte unbedingt erfragt werden.

Generell gilt: Lieber einmal zu häufig bei den Ämtern und Behörden nachfragen, als einmal zu wenig. Da sich Bund und Länder im Asylrecht nicht einig sind, könnten die Regelungen von Bundesland zu Bundesland verschieden sein.

Fazit – schreiben ja, veröffentlichen eventuell

Abschließend kann überwiegend sicher gesagt werden, dass Flüchtlinge jederzeit schreiben und kostenfrei veröffentlichen können, ohne eine Erlaubnis. Wer daraus mehr machen will, muss unbedingt das Arbeitsamt und die Asylbehörde einschalten und nachfragen, ob Selfpublishing möglich ist. Vermutlich wird es als künstlerisches Hobby betrachtet und erlaubt. (dd)

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