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Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Samofa Konferenz

Migrantenorganisationen für dauerhafte Förderung der Integration

Migrantenorganisationen wünschen sich von der Politik langfristige finanzielle Förderung der Integrationsarbeit. Ehrenamtliche arbeiteten aber am Rande der Überlastung und im Ungewissen. Die meisten Projekte werden von Jahr zu Jahr gefördert.

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Wir reden nicht mehr von Integration, sondern von Teilhabe", erklärt Dr. Wilfried Kruse bei der Eröffnung der Samofa-Bundeskonferenz in München. © samofa/facebook

Migrantenorganisationen sehen viele Flüchtlinge in Deutschland derzeit erst „an der Schwelle zur Integration“ – und wünschen sich von der Politik langfristige finanzielle Förderung, um weiter Unterstützung leisten zu können. „Es zeigt sich, dass viele Geflüchtete erst jetzt, nach einer turbulenten Ankommensphase wichtige, ernste Schritte in einen neuen Alltag machen“, sagte Wilfried Kruse, Mitglied im Leitungsteam des Netzwerks samo.fa, am Freitag in München. Vereine und Zusammenschlüsse von Migranten seien mit den Frustrationen und Enttäuschungen beim Weg in die Gesellschaft vertraut und könnten deshalb besonders effizient und einfühlsam helfen, betonte er.

Zugleich arbeiten laut Kruse viele Ehrenamtliche in Migrantenorganisationen derzeit aber am Rande der Überlastung. Umso wichtiger sei es, durch finanzielle Unterstützung auch professionelles Arbeiten zu ermöglichen. „Aktuell passiert die meiste Förderung projektbezogen von Jahr zu Jahr“, erklärte er. Dadurch könnten sich wichtige Strukturen nicht stabilisieren. Hilfe erhofft er sich nicht zuletzt von den Kommunen.

Migrantenorganisationen verhindern Parallelgesellschaften

Friederike Junker, Geschäftsführerin des Netzwerkes Münchner Migrantenorganisationen „Morgen“, betonte, die Arbeit der Migrantenorganisationen verhindere die Bildung von Parallelgesellschaften. Sie ermögliche den Zugang zu deutschen Institutionen und gewähre Geflüchteten ein stabiles Umfeld – oftmals in ethnisch gemischten Gruppen.

Samo.fa, das 2016 gegründete Netzwerk „Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“, hält am Freitag und Samstag in München seine Bundeskonferenz ab. Das Projekt arbeitet derzeit in bundesweit 32 Städten mit insgesamt rund 600 Migrantenorganisationen zusammen, um Integration zu unterstützen und die Vernetzung zwischen den einzelnen Initiativen und mit lokalen Institutionen zu stärken. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. Ute Plass sagt:

    Großartige Arbeit leisten so viele Menschen in Migrationsorganisationen.
    Dieses Engagement und die damit verbundenen Aufgaben müssen selbstverständlich auch finanziell dauerhaft gefördert werden.

    Die Frage, warum das bisher ausgebleiben ist, müßte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz beantworten.

  2. Ute Plass sagt:

    Wie berechtigt die Forderung nach dauerhafter Förderung von Integrationsaufgaben ist, zeigt folgender Beitrag:
    https://www.deutschlandfunk.de/sinti-und-roma-in-deutschland-zwischen-integration-und.724.de.html?dram:article_id=428244



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