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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Fall Köthen

Keine Zweifel an Todesursache: 22-Jähriger starb an Herzinfarkt

Die Ermittlungsbehörden haben im Fall Köthen bestätigt: der 22-Jährige ist an einem Herzinfarkt gestorben und nicht durch Tritte oder Schläge.

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Krankenhaus © Wiesbaden112.de @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Nach erneuten Spekulationen über die Ursache für den Tod eines 22-Jährigen in Köthen haben die Ermittlungsbehörden bekräftigt, dass der Mann an einem Herzinfarkt gestorben sei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebe es keine Hinweise darauf, dass das Opfer durch Tritte oder Schläge zu Tode gekommen sei, betonte der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau, Horst Nopens, am Mittwoch in Halle. Die AfD hatte der Landesregierung einen Vertuschungsversuch vorgeworfen und sich auf die Tonaufnahme einer Zeugin der Vorfälle vom Samstagabend berufen.

Es sei eigentlich nicht üblich, Wasserstandsmeldungen zu Ermittlungen abzugeben, sagte Nopens. Allerdings geisterten wilde Spekulationen umher, auch durch die sozialen Medien. Dass die ermittelte Todesursache und damit die Kompetenz der Behörde angezweifelt würden, sei auch ein Angriff auf die Rechtsmedizin in Halle.

Zeugin relativiert Aussagen „massiv“

Dem Todesfall war eine Auseinandersetzung zwischen mindestens zwei Deutschen und zwei Afghanen am späten Samstagabend auf einem Spielplatz in Köthen vorangegangen. Der 22-Jährige soll versucht haben, schlichtend einzugreifen und dabei einen Schlag ins Gesicht bekommen zu haben. Verletzungen an der Lippe belegten diesen Schlag, sagte Nopens. Zu weiteren Verletzungen wollte er sich aber mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Die zwei Afghanen sitzen in Untersuchungshaft und hatten bereits Gelegenheit sich zu äußern. Nopens sagte, die Ermittlungen liefen auf Hochtouren, es würden noch immer Spuren ausgewertet und Zeugen vernommen.

Auch die Tondatei der Zeugin, auf die sich die AfD beruft und die Darstellung der Todesumstände anzweifelt, liegt den Ermittlungsbehörden vor. Die Verfasserin sei bereits ermittelt und vernommen worden, sagte Nopens. Sie habe dabei ihre Aussagen „massiv relativiert“. Einzelheiten nannte er nicht. Die Frau beschreibt in der Aufnahme, wie die Asylbewerber den 22-Jährigen festgehalten und geschlagen haben sollen.

Uni-Klinik bestätigt Herzversagen

Der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Halle, Rüdiger Lessig, bestätigte, dass der junge Mann an einem Herzinfarkt gestorben sei. Er habe von Geburt an an einer schweren Herzerkrankung gelitten. Lessig sprach von einem „versagensbereiten Herzen“. Es hätte jederzeit zu einem Herzinfarkt kommen können. Nopens ergänzte: „Ob und wie weit jemand dafür verantwortlich ist, dass der Infarkt in dieser Situation eingetreten ist, ist ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen.“

Der Generalstaatsanwalt des Landes Sachsen-Anhalt, Jürgen Konrad, verteidigte die Arbeit der Behörden und wies den Vorwurf zurück, dass diese nachlässig arbeiteten. Zudem sei es nicht Aufgabe der Staatsanwaltschaft, einzelne Beweismittel wie dieses Tondokument im laufenden Verfahren zu bewerten, sagte er. (epd/mig)

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