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Migrationsexpertin

Integration nur mit eigener Wohnung möglich

Ohne geeigneten Wohnraum ist Integration kaum möglich, ist Migrationsexpertin Julia Wellmann überzeugt. Flüchtlinge haben es bei der Wohnungssuche aber schwer. Die Expertin sieht Kommunen und Städte in der Pflicht. Von Lynn Osselmann

Flüchtlinge haben es nach Aussage der Migrationsexpertin Julia Wellmann bei der Wohnungssuche besonders schwer. Integration sei aber nur möglich, wenn ihnen geeigneter Wohnraum zur Verfügung gestellt werde, sagte die Koordinatorin des Kölner Projekts „Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit“ (samo.fa) dem „Evangelischen Pressedienst“. „Eigener Wohnraum ist die Voraussetzung dafür, anzukommen und sich zu Hause zu fühlen.“

Das bundesweite Modellprojekt „samo.fa“ wurde im April 2016 vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Flüchtlingshelfer vor Ort zu stärken und bundesweit miteinander vernetzen. Gefördert wird das Projekt von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU).

Kommunen und Städte in der Pflicht

„Ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen ist es für Geflüchtete oft schwer, eine eigene Wohnung zu finden“, sagte Wellmann. Flüchtlinge wendeten sich häufig an Organisationen, deren ehrenamtliche Helfer selbst ausländische Wurzeln haben. „Die Beschaffung von Wohnraum kann allerdings nicht die Aufgabe der Migrantenorganisationen und Ehrenamtlichen sein“, kritisierte die Sozialpädagogin. In der Pflicht sieht sie die Kommunen und Städte.

Das Thema Wohnraumknappheit betreffe nicht nur die Gruppe der Geflüchteten, betonte Wellmann. „Allerdings sind Geflüchtete diejenigen, die bei der Wohnungssuche schlechte Chancen haben.“ Gerade sie erfahren laut Wellmann bei der Wohnungssuche besonders oft Diskriminierung oder Nachteile. Wenn die Flüchtlinge schließlich eine Wohnung gefunden haben, ende die Herausforderung für sie nicht: „Erst dann beginnen die Integration im Stadtteil und der Aufbau eines Alltags.“

Neuanfang problematısch

Mit dem Einzug in die neue Wohnung können Wellmann zufolge auch Schwierigkeiten einhergehen. „Wenn Geflüchtete in einen ganz anderen Stadtteil ziehen, als sie ursprünglich untergebracht waren, kann es passieren, dass ihre Hilfsnetzwerke und Kontakte verloren gehen“, sagte Wellmann. Dazu zählten auch Betreuungs- und Beratungsangebote. „Damit wird es für die Helfenden zu einer Herausforderung, die Geflüchteten zu erreichen“, sagte die Sozialarbeiterin. Erfahrungen aus dem Projekt zeigten, dass ein kompletter Neuanfang zu Isolierung oder Vereinsamung führen könne.

Wellmann kommt zu dem Schluss, dass eine eigene Wohnung allein kein gelungenes Zusammenleben bewirke. Essenziell seien die Strukturen im Stadtteil: „Es muss Orte geben, an denen sich alle Bewohner des Stadtteils begegnen und austauschen können.“ (epd/mig)