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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

Bundesamt für Statistik

Migranten sprechen zu Hause überwiegend Deutsch

In mehr als die Hälfte aller Familien mit Migrationshintergrund wird zu Hause Deutsch gesprochen. Das geht aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamt hervor. Danach wird in Familien mit russischen und türkischen Wurzeln häufiger Deutsch gesprochen.

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Sprache © MiG

In den meisten Familien (56 Prozent), in denen mindestens eine Person einen Migrationshintergrund hat, wird meist Deutsch gesprochen. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, war 2017 die am häufigsten gesprochene ausländische Sprache in diesen Haushalten Türkisch (17 Prozent), gefolgt von Russisch (16 Prozent), Polnisch (neun Prozent) und Arabisch (sieben Prozent).

Eine Person hat dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Ob in einem Haushalt Deutsch gesprochen wird, hängt nach den Angaben stark von der Zahl der Haushaltsmitglieder mit Migrationshintergrund ab. In rund 89 Prozent der Haushalte, in denen nur ein Teil der Familie ausländische Wurzeln hatte, verständigte man sich überwiegend auf Deutsch. Hatten hingegen alle Personen ausländische Wurzeln, sank der Anteil auf 40 Prozent.

Türken und Russen sprechen eher Deutsch

Eine große Rolle spielt auch die Herkunft der Haushaltsmitglieder. So wurde laut Statistischem Bundesamt in rund vier Prozent der Haushalte, in denen alle Personen syrische Wurzeln hatten, überwiegend Deutsch gesprochen. Der Anteil lag höher, wenn die Haushaltsmitglieder türkische (34 Prozent) oder russische Wurzeln (50 Prozent) hatten.

In Haushalten, in denen alle Personen nicht in Deutschland geboren, sondern zugewandert sind, ist zudem die Aufenthaltsdauer entscheidend: Je länger sie in Deutschland lebten, desto eher verständigten sie sich auch auf Deutsch. Lebten die Haushaltsmitglieder im Durchschnitt weniger als zwei Jahre in Deutschland, haben sie nur zu acht Prozent überwiegend Deutsch miteinander gesprochen. Hielten sie sich hingegen seit mindestens zehn Jahren im Land, waren es 47 Prozent. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Lynxx sagt:

    Meiner Beobachtung nach sprechen Kinder türkischer Migranten untereinander meist türkisch, während Kinder arabischer Migranten (ausgenommen Maghreb-Staaten) untereinander Deutsch sprechen. Das mag wohl damit zusammenhängen, daß in den arabischen Familien der jeweilige Dialekt des Herkunftslandes und nicht Hocharabisch gesprochen wird. Die Kinder tun sich dann schwer damit, den jeweiligen Dialekt der anderen zu verstehen und gebrauchen untereinander die gemeinsame Sprache Deutsch. Zudem ist unter den arabischen Migranten ein höherer Anteil von Akademikern als unter den türkischen, und diese sind mehr auf einer sprachlichen Integration ihrer Kinder bedacht. Schließlich ist bei vielen Arabern ein Minderwertigkeitsgefühl zu beobachten, das sie wohl dazu bewegt, ihrer Muttersprache weniger Bedeutung beizumessen als der Sprache des Gastlandes, im Gegensatz zu den Türken, die vergleichsweise sehr von ihrer Sprache eingenommen und auf diese stolz sind.



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