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Migration und Integration in Deutschland

Demnach waren die Arbeitgeber bestrebt, diejenigen ausländischen Arbeitnehmer zu halten, die sich in mehrjähriger Beschäftigung bewährt hatten, zumal bei ihnen die Anpassungs- und hier vor allem die Sprachschwierigkeiten … überwunden waren.

Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, 1968

Globetrotter

Das Geheimnis hinter der Erfolgsgeschichte von Uber

Die Geschichte des Startup-Unternehmens Uber aus dem US-amerikanischen San Francisco wäre ohne den Drang der Menschen nach Mobilität und der zunehmenden Smartphoneisierung nicht möglich gewesen. Und noch ein Faktor begünstigt den Erfolg des umstrittenen Unternehmens: Menschen, die ihre Gewohnheiten von einem Land ins andere mitnehmen.

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In Deutschland arbeiten ausländische Fachkräfte als Taxifahrer © Ben Fredericson (xjrlokix) auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM3. September 2018

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RESSORTWirtschaft

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John Garcia kommt ursprünglich aus NewYork. Er ist Mitte 40 und muss für sein international tätiges Unternehmen viel ins Ausland reisen. Zuletzt hat es ihn nach Deutschland verschlagen. „Am Flughafen angekommen habe ich wie gewohnt mein Handy gezückt und wollte mir ein Auto über Uber bestellen. Aber es funktionierte nicht“, so Garcia. Erst später habe er erfahren, dass Uber in Deutschland nur in Berlin und München Fahrzeuge vermittelt. „Ich bin dann in ein Taxi gestiegen und musste hoffen, dass der Fahrer die günstigste Route nimmt“, erzählt Garcia weiter.

Ein Vorteil von Uber ist es, dass die App dem Fahrgast die beste Route zeigt. Der Fahrer kommt also erst gar nicht auf den Gedanken, einen kleinen Umweg zu fahren. „Gerade Menschen, die sich nicht auskennen und auf den Fahrer vertrauen müssen, bietet die Uber-App einen Riesenvorteil“, sagt Garcia und fügt hinzu: „Und günstiger als die üblichen Taxis ist Uber auch noch.“

Diesem Vorteil stehen selbstverständlich diverse Nachteile gegenüber. Ein Taxi ist in der Regel über auf der Welt offiziell registriert und reguliert. Sollte etwas nicht in Ordnung sein oder der Fahrgast unzufrieden sein, hat man die Möglichkeit, sich zu beschweren.

„Diese Möglichkeit bietet mir auch Uber“

„Diese Möglichkeit bietet mir auch Uber“, kontert Garcia. Tatsächlich haben Fahrgäste und Fahrer nach jeder Fahrt die Möglichkeit, die Fahrt zu bewerten. So will Uber die Qualität anheben und halten. Tatsächlich hat die einfache mobile Plattform des Unternehmens, die mühelose Benutzererfahrung und der On-Demand-Service in der Taxi-Branche grundlegend verändert. „Ich habe mich einmal beschwert über einen Taxifahrer“, erklärt Garcia. „Sehr umständlich, mit der App ist das sehr unkompliziert. Ich kann sowieso nicht verstehen, warum die Taxi-Industrie die Technik nicht benutzt um den Kunden einen besseren Service zu liefern“, sagt Garcia.

Bei Taxifahrern lösen diese Einwände Kopfschütteln aus. Sie sorgen sich inzwischen über die Zukunft der Taxi-Zunft. „Sollte Uber in Deutschland Fuß fassen, sehe ich schwarz für uns“, schimpft Ender Yalçın (Name geändert), der drei Taxen als Gewerbetreibender unterhält. Tatsächlich gibt es für Taxiunternehmer zahlreiche Auflagen, die sie erfüllen müssen. „Uber hingegen hat durch ihre ungezwungene Art, Personen zu befördern, erhebliche Wettbewerbsvorteile“, schimpft der Unternehmer.

Trotz zahlreicher Vorteile, ist es Uber bisher aber nicht gelungen, in Deutschland und Europa flächendeckend Fuß zu fassen. Zwar ist es Uber gelungen, einen starken Ruf aufzubauen, doch die rechtlichen Hürden waren am Ende dann doch zu hoch. Eine ganz entscheidende Hürde lieferte der Europäische Gerichtshof im Jahr 2017. Die EU-Richter entschieden, dass die Uber-App „als mit einer Verkehrsdienstleistung untrennbar verbunden anzusehen und daher als Verkehrsdienstleistung im Sinne des Unionsrechts einzustufen ist“. Das heißt, Uber kann den strengen Regeln in den EU-Mitgliedsländern unterworfen werden, die auch für Taxis gelten. Diese Auflagen zu erfüllen, gelingt Uber aber nicht, nicht zumindest ohne die Wettbewerbsvorteile über Bord zu werfen.

Einfach nur ärgerlich

Für den Globetrotter Garcia ist das einfach nur ärgerlich und typisch europäisch. „Es geht dabei doch nur darum, Menschen von A nach B zu befördern. Warum darf ich mir als Kunde nicht aussuchen, wer mich befördern soll? Warum werde ich bevormundet? Mir schreibt doch auch niemand vor, wo ich einkaufen und in welchem Restaurant ich essen soll. Der, der die beste Dienstleistung anbietet, soll mich als Kunden gewinnen. So einfach ist das.“

Der Taxi-Unternehmer Ender Yalçın kann Garcias Argumente nachvollziehen. „Glauben Sie wir würden uns technischen Innovationen entziehen, wenn uns die Möglichkeit geboten werden würde von den Taxi-Zentralen? So lange bietet er Garcia an, bei Fahrten mit einem klassischen Taxi seine Handy-Navigation einzuschalten. „Du wirst sehen, wir fahren die beste Route, auch ganz ohne Navi.“

Garcia ist einverstanden, prognostiziert aber, dass sich der Beste auf dem Markt früher oder später durchsetzt – auch durch Mund-zu-Mund_Prpaganda, ein immer noch sehr wirkungsvoller Weg, um potenzielle Kunden zu erreichen. Ob sich Uber oder ein anderes Unternehmen durchsetzt, ist dem Globetrotter egal. „Ich will einfach nur Gewohntes haben. So wie ich mich darauf verlassen kann, dass internationale Restaurantketten in New-York genauso schmeckt wie in Frankfurt, will ich mich auch darauf verlassen können, dass ich mich bei der Fahrt wohlfühle, ob in New York oder Frankfurt.“

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