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Böckler-Stiftung bezweifelt Warnung vor starkem Fachkräftemangel

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hält Warnungen der Wirtschaft vor einem dramatischen Fachkräftemangel für überzogen. Die Klagen vieler Unternehmer über einen Fachkräftemangel dienten dem Ziel, den Anstieg der Arbeitskosten zu dämpfen, kritisiert eine am Mittwoch in Düsseldorf veröffentlichte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung. Dafür hat der WSI-Sozialwissenschaftler Eric Seils den Arbeitsmarktreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) untersucht.

Laut dem im März veröffentlichten DIHK-Report, für den 24.000 Unternehmen befragt wurden, konnten 48 Prozent der Betriebe offene Stellen längerfristig nicht besetzen. Hochgerechnet auf alle Unternehmen in Deutschland gab es laut der Studie 1,6 Millionen Stellen, die mangels Fachkräften nicht besetzt werden konnten.

Schwächen und Widersprüche

Seils kritisierte, bei der DIHK-Studie führten „methodische Schwächen und Widersprüche“ zu überhöhten Zahlen. So gelte eine Stelle als „längerfristig“ unbesetzt, wenn sie mindestens zwei Monate lang vakant sei. Nach amtlichen Daten der Bundesagentur für Arbeit habe die durchschnittliche Stellenbesetzung aber schon vor einem Jahrzehnt mehr als zwei Monate gedauert. „Als Indiz für einen weit verbreiteten Fachkräftemangel ist die in der DIHK-Umfrage gewählte Zeitgrenze schlicht wenig aussagekräftig“, erklärte Seils.

Auch die Hochrechnung auf 1,6 Millionen offene Stellen zweifelt die WSI-Studie an. So melde das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit auf Basis einer repräsentativen Befragung lediglich 984.000 sofort zu besetzende offene Stellen. (epd/mig)