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Chemnitz

Ich glaube, das wär’s für heute…

Was ist da nur los in Chemnitz? Neonazis demonstrieren gegen den Tod eines „Passdeutschen“, den sie sonst wegen seiner dunklen Hautfarbe durch die Innenstadt gejagt hätten. Und sei das nicht schon merkwürdig genug… Von Stephan Anpalagan

Neonazis versammeln sich vor einem Monument von Karl Marx (ausgerechnet!), um den Tod eines „Passdeutschen“ zu verurteilen. Zu einer anderen Zeit würden sie das Opfer wegen seiner dunklen Hautfarbe durch die chemnitzer Innenstadt jagen. So aber grölen Sie Naziparolen, zeigen den Hitlergruß und jagen Menschen mit dunkler Hautfarbe durch die chemnitzer Innenstadt.

Die sächsische Polizei ist wenige Tage zuvor dadurch aufgefallen, dass sie die Arbeit von Journalisten behindert und Mitarbeiter bei sich beschäftigt, die regelmäßig gegen Ausländer hetzen und beim Thema Seenotrettung „Absaufen! Absaufen!“ rufen. Aber das wiederum hat die Polizei natürlich nicht mitbekommen, sonst hätte sie sicherlich etwas dagegen unternommen *zwinkersmiley*. Jedenfalls hat die sächsische Polizei Schwierigkeiten mit Kommunikation und Mathematik. Was wohl erklärt, warum sie auch am zweiten (!) Tag der Ausschreitungen trotz aller Warnungen zu wenig Polizisten in die Gefahrenzone beordert hat.

Genau deswegen hat dieselbe Polizei dieselben Journalisten nicht vor denselben Neonazis schützen können. Aus Angst vor Leib und Leben mussten die Reporter in Chemnitz ihre Arbeit frühzeitig abbrechen, sodass öffentlich-rechtlichen Sendern nichts anderes übrig blieb, als Twitter-Videos zu veröffentlichen und die Worte „Quelle: Antifa Zeckenbiss“ oben rechts einzublenden.

Dann stellte sich auch noch heraus, dass die beiden Männergruppen nicht um eine Frau gestritten haben, sondern um Zigaretten.

Das wiederum wusste das Boulevardblatt „Bild“ nicht und hat mit ihrem ursprünglichen (falschen) Spin (wieder einmal) einen ultrarechten Narrativ bedient und den ganzen Scheiß erst in Gang gebracht.

Die Nachricht des Tages kommt von der sächsischen Polizei (bingo!): Die Nazis um Pegida-Gründer Lutz Bachmann und Pro Chemnitz haben von einem Insider innerhalb der Sicherheitsbehörden Sachsens eine vollständige Kopie des Haftbefehls des Tatverdächtigen aus Chemnitz zugespielt bekommen. Man munkelt, in der sächsischen Staatskanzlei regiert nun vollends die Panik.

Ich glaube, das wär’s für heute…