MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Glücksspiel in Deutschland

Migranten spielen überproportional häufig

Osteuropäer spielen eher Lotto, Türken eher Spielautomaten und Südeuropäer gehen eher ins Wettbüro. Das geht aus einer Studie hervor. Danach spielen Migranten in Deutschland insgesamt häufiger als Deutsche.

Spielen, Wettbüro, Sprtwette, Spielsucht, Wetten
Wettbüro © surfvienna.net auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Glücksspiele sind allgegenwärtig – im Supermarkt an der Lottoannahmestelle oder im Internet. Die allermeisten Erwachsenen dürften mindestens einmal zum Lottoschein gegriffen oder mit einem Casinobesuch geliebäugelt haben. Und genau genommen werden schon die Kleinsten in die „Glückswelt“ aufgenommen, denn für sie gibt es nicht nur kindergerechte Smartphone-Spieleapps, sondern im Kindergarten und auf dem Jugendfest wartet die Tombola mit Teddybären, Büchern oder Spielzeugen.

Wird das Glücksspiel jedoch bevölkerungstechnisch betrachtet, fällt auf, dass besonders viele Migranten an Glückspielen teilnehmen. Rund 4 Millionen Glücksspieler mit Migrationshintergrund waren 2015 verzeichnet und es ist wahrscheinlich, dass die Zahl heute deutlich höher ist. Aber woher kommt das? Was macht das Glücksspiel für Migranten so interessant und welche Gefahren bringt das mit sich?

Welche Herkunft haben Glücksspieler?

Sich dieser Frage anzunähern ist schwierig. Es muss unterschieden werden zwischen Spielern, die nur einmal in ihrem Leben bei einem Glücksspiel teilgenommen haben, und denjenigen, die häufiger spielen. Einer Studie zufolge kann man jedoch sagen, dass Migranten mit bestimmter Herkunft häufiger dem Glücksspiel nachgehen:

  • Polen – die in Deutschland lebenden Personen mit polnischer Herkunft spielen besonders häufig Glücksspiel. Hier ist zu beobachten, dass der größte Teil auf Lotto und Lotterien entfällt, während der Besuch von Casinos oder das Spielen an Automaten mit 3,2 und 4,0 Prozent eher gering ist.
  • Osteuropäer – auch hier ist das Lottospiel besonders häufig. Andere Glücksspiele, die keine Lotterien beinhalten und auch nicht zu den Casinospielen zählen, sind häufig anzutreffen.
  • Türkei – Personen mit türkischem Hintergrund spielen statistisch gesehen besonders häufig Sportwetten sowie Geldautomatenspiele. Die Teilnahme an Lotterien ist niedriger, dafür besuchen Migranten aber auch das Casino.
  • Südeuropa – Lotterien, Sportwetten, Casinospiele und Geldautomatenspiele sind unter Migranten aus Südeuropa beliebt.

In der Erhebung sind Migranten aus Afrika oder dem Nahen Osten nicht mit aufgeführt, weswegen nicht gesagt werden, inwieweit Glücksspiele unter Migranten aus diesen Regionen beliebt sind.

Was macht Glücksspiel so interessant?

Jeder Glücksspieler hat wohl den heimlichen Traum vom großen Gewinn. Wer hat nicht schon einmal Lotto gespielt, als der Jackpot besonders hoch war oder als Sonderauslosungen ausgepriesen waren? Das ist völlig natürlich, denn auf den Gewinn ist das Glücksspiel ausgerichtet. Aber ist das unter Migranten ähnlich oder spielen dort weitere Komponenten eine Rolle?

  • Zusammensein – wer an Geschäften für Sportwetten vorbeigeht, erkennt schnell, dass dort geschäftiges Treiben herrscht. Das liegt aber nicht nur an den Wetten an sich, sondern am Aufbau der Geschäfte. Nicht selten sind sie einfach Treffpunkte, an denen man sich mit Gleichgesinnten aus dem eigenen Herkunftsland trifft und reden kann.
  • Zugehörigkeit – gerade Casinobesuche finden oft nicht allein, sondern mit Freunden statt. Und im Casino ist es ein Leichtes, die Außenwelt zu vergessen und für einige Stunden unter sich zu sein. Die Alltagssorgen werden praktisch an der Tür abgegeben – und vielleicht wartet am Tisch auch die Lösung aller Probleme?
  • Aufregung – ein gutes Glücksspiel ist mit Spannung verbunden. Welche Symbole zeigt der Automat? Wo bleibt die Kugel liegen, welche Karte hat mein Gegner? Auch bei Sportwetten ist die Spannung immer mit dabei. Wer schießt das entscheidende Tor?
  • Ruhm – Glücksspiel bedeuten ein kleines Stück Ruhm – zumindest nach einem Gewinn. Und selbst, wenn der Ruhm nicht geteilt wird, so sorgt er unmittelbar für ein verbessertes Wohlbefinden.

Auf der anderen Seite ist Glücksspiel aber auch so interessant, weil es leicht verfügbar ist. Sicherlich gibt es in Deutschland Regularien, doch Volljährige haben kaum ein Problem, die ersten Spiele zu spielen. Im Internet locken Casinos zusätzlich mit Angeboten oder Bonussystemen, die den Einstieg einfacher machen. Ein gutes Beispiel sind Spiele mit Westcasino, bei denen ein Bonus von 100% auf die ersten 200 Euro Einsatz plus 100 Freispiele zur Verfügung steht.

Welche Probleme entstehen?

Für sich allein betrachtet, ist Glücksspiel kein Problem. Es ist zuerst nur ein Spiel, bei dem jedoch die Dosis das Gift macht. Denn es ist unbestritten, dass Glücksspiel auf Dauer süchtig machen und zu anderen Problemen führen kann. Allerdings basiert die Spielsucht häufig nicht allein auf der Sucht nach dem Spiel, sondern darauf, dass das Spiel als Ablenkung von anderen Problemen genutzt wird. Die meisten Spielsüchtigen hatten bereits zuvor größere Schwierigkeiten und Sorgen. Der Teufelskreis aus Sorge-Spiel-Sorge ist meist vorprogrammiert. Grundsätzlich kann das vermehrte Glücksspielen zu Folgendem führen:

  • Finanzielle Probleme – wer wirklich in der Sucht gefangen ist oder bestehende finanzielle Probleme durch die Hoffnung auf einen großen Gewinn beheben will, bringt sich automatisch in die tiefe Krise. Nun wird immer häufiger gespielt, es werden immer höhere Einsätze getätigt, bis am Ende alles verspielt ist.
  • Arbeitsplatzverlust – das ständige Spielen wirkt sich auch auf die Arbeitskraft aus, sodass es zum Jobverlust kommen kann – nun beginnen die finanziellen Probleme natürlich richtig.
  • Familie/Freunde – durch das Spielen können sich betroffene Personen extrem von ihrer Familie oder den Freunden abgrenzen. Das kann dazu führen, dass sich die Familie und Freunde vom Betroffenen abwenden und der Spieler irgendwann auf sich allein gestellt ist. Jetzt wird das Spiel wieder zur Konstitution genutzt.

Deshalb muss jeder Spieler gut auf sich achten und die Zeichen erkennen, wann das Spiel zur Sucht wird. Wer sich in einer schwierigen Lage sofort ins Casino oder zur Sportwette stürzen möchte, ohne sich mit seinen Problemen zu befassen, sollte Folgendes tun: Einen guten Freund oder ein Familienmitglied anrufen und mit ihm sprechen – auch über den Drang zum Spielen in solchen Situationen.

Fazit – Glücksspiel ist überall beliebt

Ob Migrant oder nicht – Glücksspiel ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung in jeder Alters- und Geschlechtsgruppe und für Menschen aller Herkunft. Über die Risiken sollten sich Spieler jederzeit aber bewusst sein und notfalls professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. (sb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...